The Voices (Filmkritik)

Eigentlich ist Jerry (Ryan Reynolds) ein ganz normaler, netter Typ. Er liebt seine Arbeit, ist heimlich in seine Arbeitskollegin Fiona (Gemma Arterton) verliebt und kümmert sich gewissenhaft um seine beiden Haustiere – einen Hund namens Bosco und eine Katze mit dem Namen Mr. Wiskers. Dass er mit seinen Haustieren redet, und sie ihm antworten, ist dann einer psychischen Erkrankung geschuldet, die Jerry leider von seiner Mutter geerbt hat. Nichts desto trotz ist sein Leben unkompliziert, bis zu dem Zeitpunkt, als er Fiona aus versehen tötet und ihr Kopf in seinem Kühlschrank landet!

The Voices

Regie bei diesem Film führt die aus dem Iran stammende Marjane Satrapi und sie verfilmt dabei ein Drehbuch von Michael R. Perry, der bereits Drehbücher für diverse Serien (wie „The Guardian“) und „Paranormal Activity 2“ geschrieben hat. An dieser Stelle hat sich Perry etwas ganz Besonderes einfallen lassen, was später von Satrapi erstklassig umgesetzt wurde.

Zu Beginn lernt man Jerry kennen. Die Auffälligkeiten halten sich lange Zeit in Grenzen und Jerry lebt scheinbar ein ganz normales Leben. Er arbeitet in einer Fabrik – kein Aufregender Job, aber er macht ihn gerne. Er verguckt sich in seine britische Arbeitskollegin Fiona, die ihn zwar irgendwie nett findet, aber seine Gefühle nicht erwidert und übersieht dabei, dass Lisa, eine andere Kollegin, mehr von ihm will.

Jerry hat regelmäßige Termine bei einer Therapeutin, die ihn ermahnt, seine Medikamente zu nehmen – was er dann doch nicht tut. Als er von Fiona sitzen gelassen wurde und sie, wie es der Zufall will, im strömenden Regen stehen sieht, weil ihr Wagen liegen geblieben ist, ist er dennoch bereit sie nach Hause zu bringen.

Auf dem Weg nach Hause kommt es zu einem Unfall mit einem Reh, gefolgt von einem weiteren Unfall, bei dem Jerry Fiona tötet. Aus Angst vor möglichen Konsequenzen, lässt Jerry Fionas Leiche verschwinden. Doch ihr Verschwinden bleibt nicht unbemerkt und so muss noch die eine oder andere Person im weiteren Verlauf der Geschichte sterben.

Ryan Reynolds (Green Lantern) wollte diese Rolle anscheinend unbedingt. Als ich den ersten Trailer zu diesem Film gesehen habe dachte ich mir, er würde vermutlich für seinen „Deadpool“ Film üben. In Wirklichkeit ist „The Voices“ aber deutlich weniger schräg wie man im Vorfeld vermuten könnte. Der Film dreht sich um einen sympathischen und (im Wesentlichen) nachvollziehbaren Hauptcharakter, mit einer Erkrankung.

Dabei ist Reynolds nicht nur als Jerry zu sehen, sondern spricht auch seine Haustiere selbst. Zugegeben ich war mir diesbezüglich lange Zeit nicht sicher, doch dann gibt es eine Szene in der Jerry vor dem Kühlschrank steht. In dieser Szene führt Jerry wie immer ein Gespräch mit seinen Haustieren, nur sieht man es dieses Mal nicht aus seiner Perspektive, sondern aus der des nüchternen Zuschauers.

Überhaupt sind Szenen, die in der realen Welt angesiedelt sind, wenn es auch vergleichsweise wenige sind, die eindrucksvollsten und irgendwie versteht man dann auch warum Jerry keine Lust hat, seine Medikamente zu nehmen. Seine Welt ist farbenfroh und schön, seine Realität ist nichts dergleichen. Reynolds kann in allen Rollen überzeugen und irgendwie stellt sich an dieser Stelle die Frage, warum er generell nicht mehr Erfolg in Hollywood hat.

Zugegeben gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen seiner Performance in „R.I.P.D.“ und dieser in „The Voices“. An dieser Stelle merkt man deutlich, dass er (wie bereits erwähnt) die Rolle wollte, ist motiviert und dementsprechend ganzheitlich bei der Sache. Gemma Arterton (Runner Runner) hatte als kopflose Fiona offenbar ihren Spaß, während Anna Kendrick (End of Watch) als Lisa die absolute Liebenswürdigkeit zum Besten gibt.

Arterton und Kendricks Rollen sind klischeehaft angelegt und diesbezüglich hätte es auch weniger getan. Ein Charakter, den man doch irgendwie gerne hat, ist Jacks Therapeutin Dr. Warren, die von Jacki Weaver (Silver Linings Playbook) verkörpert wird. Selbst als Jerry Dr. Warren entführt und sie mit dem Inhalt seines Kühlschrankes bekannt macht, ist sie um dessen Wohlbefinden besorgt (etwa als sie später der Polizei sinngemäß sagt, Jerry sei nicht gefährlich sondern krank und brauche Hilfe).

Schön ist auch, dass der Film seine Geschichte konsequent zu Ende erzählt, ohne im letzten Moment einen Rückzieher zu machen.

Alles in allem ist „The Voices“ möglicherweise nicht der schräge Film, den man vielleicht vorab erwartet hat, dafür aber ein interessanter Abstieg in die menschliche Psyche. Ryan Reynolds leistet an dieser Stelle gleich mehrfach großartige Arbeit und sollte er bei seinem kommenden Deadpool-Film genauso bei der Sache sein, kann eigentlich nichts schief gehen.

Der Film „The Voices“ bekommt 8/10 den Haustieren bedingungslos vertrauende Empfehlungspunkte.


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