Silver Linings Playbook (Filmkritik)

Pat Solitano (Bradley Cooper) ist ein depressiver Enddreißiger der, nachdem ihn seine Frau zu deren Hochzeitssong mit einem anderen Mann betrogen hat, in eine tiefe Lebenskrise stürzt und so muss er nach seiner Entlassung aus der psychiatrischen Anstalt, wieder bei seiner Mutter (Jacki Weaver) und seinem Vater (Robert de Niro) einziehen. Auf der Suche nach seiner Ex-Frau trifft Pat auf Tiffany (Jennifer Lawrence), die nach dem Tod ihres Mannes selbst psychische Probleme hat und die beiden treffen eine Vereinbarung: Sie unterstützt ihn bei seinem Vorhaben seine Frau zurückzuerobern, der er sich wegen einer einstweiligen Verfügung nicht nähern darf, und dafür muss er Tiffany einen Gefallen tun – er muss ihr Partner bei einem Tanz-Wettbewerb sein. Anfangs scheint das ganze Unternehmen der beiden gegensätzlichen Menschen zum Scheitern verurteilt, doch dann entsteht zwischen ihnen eine unerwartete Verbindung und sie entdecken ihren eigenen Silberstreifen am Horizont.

Silver Linings Playbook Film Cast

„Silver Linings Playbook“ basiert auf dem Buch „The Silver Linings Playbook“, dem Debütwerk des amerikanischen Autors Matthew Quick und wurde 2008 in Amerika veröffentlicht. Einige der Längen im Film sind vermutlich (ich habe das Buch nicht gelesen) der literarischen Vorlage zuzuschreiben.

Jeder zweite Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an irgendeiner Form einer psychiatrischen Erkrankung. „Silver Linings Playbook“ beschäftigt sich mit dieser Thematik in einer Weise, mit der sich wohl ein Jeder in der einen oder anderen Form identifizieren kann. Regie führte David O Russell, der es schaffte, trotz der ernsten Thematik ein Feel-Good-Movie auf die Leinwand zu bringen. Er lässt oft durch einfache Kameraeinstellungen seine Schauspieler im Mittelpunkt stehen. Musik wird nur sporadisch eingesetzt. Vor allem die Tanz-Performance ist optisch genial inszeniert. Absolut irre Musik, gepaart mit einen genauso irren Tanz – ein echtes Highlight. Nicht ohne Grund erhielt O Russell eine Oscar-Nominierung für die beste Regie.

Möglichst ungleiche, kontrastierende Figuren werden gerne immer wieder mal als Quelle für spitzen und fein pointierten Humor eingesetzt. Gleich eine Reihe von Figuren mit der einen oder anderen Macke, findet man hier im Zentrum des Geschehens. Da wäre der gehörnte Ehemann, der seinen Nebenbuhler verprügelt hat und deswegen in einer psychiatrischen Anstalt landet. Der Vater eben dieses Ehemanns ist ein leidenschaftlicher Spieler und hat die Vorstellung, dass seine Lieblingsmannschaft die „Eagles“, ohne die Anwesenheit seines Sohnes nicht gewinnen kann. Eine Witwe, die den Tod ihres Mannes mit viel Sex kompensiert.

Jennifer Lawrence („The Hunger Games„) spielt die Witwe Tiffany Maxwell. Sie hat ihre Trauer ob des Verlustes ihres Ehemanns unter anderem dadurch verarbeitet, dass sie mit sämtlichen Angestellten in ihrem Büro geschlafen hat (und ja, es gab auch weibliche Angestellte). Lawrence wurde vollkommen zu Recht für diese Rolle für den Acadamy Award nominiert, denn sie scheut an keiner Stelle davor zurück, ungefilterte Emotionen zu zeigen. Ihr ungezogenes Mundwerk und wahre Wort-Salven überraschten mich, da ich ihr dies eher nicht zugetraut hätte, wobei ich sie ehrlich gesagt bis jetzt nur in „The Hunger Games“ erlebt habe, wo sie meines Erachtens nicht viel Emotionen gezeigt hat. Hier hat sie jedoch ihre Oscar-Nominierung absolut verdient erhalten und hat vergangene Nacht den Golden Globe für ihre Rolle gewonnen.

Bradley Cooper als ehemaliger Lehrer mit Anger Management Problemen war absolut glaubwürdig und hatte trotz eines nicht unbeträchtlichen Altersunterschieds von 15 Jahren, eine großartige Chemie mit seiner Schauspielpartnerin Lawrence und überraschte mit seinen Tanzkünsten. In einer der genialsten Szenen weckt er mitten in der Nacht seine Eltern auf, weil Hemmingway ein grottiger Autor ist. Hier überzeugte er mich davon, dass in ihm mehr als ein Komödien-Schauspieler („Hangover„) steckt. Auch hier eine verdiente Oscar-Nominierung. Ursprünglich sollte Mark Wahlberg die Rolle des Pat spielen, ich könnte ihn mir nach Coopers Performance aber nicht in dieser Rolle vorstellen.

Robert de Niro (Machete) als schrulliger Vater von Cooper zeigt, wie irre „normale“ Menschen eigentlich sind. Julia Stiles ist als Frau dabei, die ihren Ehemann fest im Griff hat. John Ortiz ist der Ehemann, der ihr alles Recht machen will und dabei förmlich erstickt, was ebenfalls äußerst schräg war. Chris Tucker als ständig flüchtender Insasse einer Nervenheilanstalt und Anupam Kher als Psychiater waren ebenso ein Highlight.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass wohl jeder Mensch gewisse Ticks und psychiologische Besonderheiten hat. Manch Einer zeigt es deutlicher, während ein Anderer es besser kompensiert. Was hier im Film sehr gut funktioniert hat, war zu zeigen, dass es möglich ist eine Perspektive zu finden, die verdeutlicht, dass das eigene Leben nicht nur schlecht ist, sondern genau das, was man daraus macht – denn ein Jeder ist selbst dafür verantwortlich, seinen eigenen Silberstreifen am Horizont zu finden.

Fazit: Ein Film der Spaß macht, aber an manchen Stellen nur knapp an der Geschmacklosigkeit vorbeischrammt und einige wenige Längen hat. Was nach dem Sehen des Filmes bleibt, ist ein positives Gefühl und ein Lächeln.

Der Film „Silver Linings Playbook“ bekommt von mir 8/10 das Leben bejahende Empfehlungspunkte.


3 Gedanken zu „Silver Linings Playbook (Filmkritik)

  1. ein echt schöner Film. Total unrealistisch zwar, insbesondere mit dem „wir machen alle glücklich“ Happy End, aber egal, man kommt einfach total zufrieden und fast ein wenig verliebt aus dem Kino.

    Aber so alt ist Bradley Cooper noch nicht 🙂

    • Ups, ja, mein Fehler. Da haben meine schlechten Rechenkünste wieder mal zugeschlagen.

      Realismus ist in Filmen generell eher dünn gesät, darum stört mich das schon nur mehr in Extremfällen (wo mir gerade keine einfallen).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.