Hitman (Filmkritik)

Der als Klon zur Welt gekommene Auftragskiller „Nummer 47“ ist der Beste in seinem „Beruf“. Er löst alle seine Aufträge ein, stellt keine Fragen und ist zu einhundert Prozent unentdeckt.

Sein neuer Auftrag allerdings ist ein wenig anders. Er soll einen hohen Politiker ausschalten und dies öffentlich. Er erledigt den Job, aber am Tag darauf ist der Kerl wieder im Einsatz. Unmöglich. Es scheint als wäre „47“ in eine Falle geraten, die ihm das Leben kosten kann.

Die einzige Person, welche „47“ helfen könnte, ist die Freundin seines potentiellen Opfers, denn sie scheint irgendwie in der Sache drin zu hängen. Kurzerhand entführt „47“ sie und versucht die Sache auf seine Art und Weise aufzuklären – indem er einen nach dem anderen um die Ecke bringt, während er von Interpol und seinen ehemaligen Auftragsgebern gejagt wird …

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Ja, das Problem mit Videospielverfilmungen. Man fragt sich oftmals ob jene Leute, welche das Drehbuch geschrieben haben, eigentlich jemals eines der Spiele gespielt haben, die sie dann als Film neu schreiben. Im Fall von „Hitman“ waren meine Erwartungen doch halbwegs hoch – bin ich doch seit dem ersten Teil ein Fan der Reihe (deren Höhepunkt für mich klar „Blood Money“ war). Timothy Olyphant („The Crazies“) als „Agent 47“ macht eine sehr gute Figur. Für das Drehbuch kann er ja nichts.

Xavier Gens – der Regisseur – hat vor „Hitman“ den allseits bekannten Horrorschocker „Frontier(s)“ gedreht, der ja vor allem durch seine extreme Brutalität aufgefallen ist. „Hitman“ ist dahingehend absolut jugendfrei. Keine gröberen Szenen und die Tatsache, dass Olga Kurylenko („Quantum Of Solace“, „Max Payne“, „Centurion“, „Seven Psychopaths“, „Oblivion“) dabei ist und oft sehr viel Bein und auch Nacktheit zeigen darf, hat den Film dennoch nicht zu einhundert Prozent gerettet. Wobei jeder Film mit Olga Kurylenko, die schöne Kleider und kurze Röcke trägt, im meiner Welt schon mal ein Plus hat.

Das Drehbuch von Skip Woods hat allerdings ein paar Hänger, die wohl viele Fans von „Agent 47“ ein bisschen gestört haben. So wäre zum Beispiel, dass sich 47 an viele Stellen zu menschlich benimmt. Der Mann ist eine knallharte Killermaschine, der zwar – Vorsicht: Spoiler – die Dame gerettet hätte, aber niemals eine so enge Bindung zu ihr aufgebaut hätte. Nicht mal mit Olga Kurylenko.

Dazu kommen ein paar sehr seltsame Szenen, als etwa in der U-Bahn weitere Klone von 47 auftauchen, die einen großen „Mexican Standoff“ haben und plötzlich spricht 47 die Worte „I want to die with dignity“. Die Jungs lassen alle ihre Waffen fallen und ziehen Schwerter(!) aus ihren Sakkos hervor und beginnen damit zu kämpfen.

Hallo? Geht es noch? Die Szene ist so jenseits, dass sie sogar im Film selbst als Fremdkörper auffällt. Mit dem „Hitman“ aus der Spielereihe hat das absolut nichts mehr zu tun. Generell benimmt sich 47 mehr wie ein „Ethan Hunt“ aus „Mission Impossible“ als ein „Silent Assassin“. Das ist klar ein Nachteil, wenn ein Film auf einer Franchise basiert, die klar einen Hauptcharakter hat und dieser dann in einen Actionhelden umgewandelt wird, denn das ist 47 eigentlich nicht: Ein Actionheld. 47 tötet still, leise, unbemerkt und nur die Zielperson. Dann verschwindet er ungesehen und wenn alles so läuft wie er es plant – und es läuft immer so wie er es plant, weil er sonst nicht zuschlägt – dann sieht die Sache auch noch wie ein Unfall aus. Punktum.

Bitte nicht falsch verstehen: „Hitman“ ist ein guter, unterhaltsamer, fein gespielter und mit der Kamera sehr gut eingefangener Actionfilm und als solcher funktioniert er auch einwandfrei (von der Schwert-Szene abgesehen). Was er aber nicht darstellt ist eine „werktreue“ Verfilmung der Spielereihe.

Wer weiß, was der Drehbuchautor Skip Woods noch verfasst hat, wird sich in etwa vorstellen können, was ihn oder sie erwartet: „X-Men Origins: Wolverine“, „Das A-Team“, „A Good Day To Die Hard“, „Sabotage“. Genau das erwartet uns auch hier. Nicht mehr und nicht weniger.

„Hitman“ bekommt 7,5 von 10 möglichen, den Spielen in Atmosphäre und Charaktergestaltung nicht gerecht werdende, aber dennoch einen guten Actionstreifen abliefernde, Punkte.

PS: Der nächste Hitman-Film folgt 2015 mit dem Titel „Hitman: Agent 47“ und das Drehbuch wurde ebenfalls von … richtig, Skip Woods verfasst. Ich muss meine Erwartungen wohl nach unten schrauben und mich auf einen weiteren PG-13 Actionfilm einstellen.

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