The Crazies (Filmkritik)

Vor kurzer Zeit noch war die kleine Farmergemeinde Ogden Marsh mit ihren 1260 Einwohnern eines der friedlichsten Orte, die man auf dieser Erde finden konnte. Sheriff David Dutton (Timothy Olyphant) wachte souverän über seine Schäfchen und hatte dabei immer genug Zeit, sich um seine schwangere Ehefrau Judy (Radha Mitchell) zu kümmern und seinen eifrigen Deputy Russell (Joe Anderson) im Zaum zu halten.

Mit der Ruhe ist es nun jedoch für immer vorbei. Nachdem ein Flugzeug mit einem chemischen, von der Regierung entwickelten Virus an Bord direkt in den örtlichen Fluss abgestürzt ist und dabei das geheime Mittel ins heimische Trinkwasserbecken gelangen konnte, benehmen sich die nettesten Menschen der kleinen Stadt plötzlich sehr merkwürdig. Sheriff Dutton ist mit den immer häufiger auftretenden Gewaltausbrüchen einiger Mitbürger gerade noch voll beschäftigt, da fällt das Militär über die Gegend her und riegelt alles hermetisch ab. Kann David seine Leute und seine Frau, die von ihm getrennt wurde, retten oder wird er nicht einmal selbst die nächsten Stunden überleben können?

The Crazies Film

„The Crazies“ ist das Remake des gleichnamigen Filmes von Horrorfilmaltmeister George A. Romero aus dem Jahre 1973. Da ich das Original nicht kenne, werde ich in meiner Kritik auch nicht weiter darauf eingehen. Regie bei dieser Neuinterpretation führte Breck Eisner, der der breiten Masse wohl am ehesten durch seine Buchverfilmung „Sahara“ mit Matthew McConaughey und Steve Zahn aus dem Jahre 2005 bekannt sein dürfte. Für 2012 erwartet uns dann seine Variante des klassischen „Flash Gordon“ Stoffes im Kino. Nach dem hier vorliegenden Horrorthriller bin ich auf jeden Fall schon mal ziemlich gespannt auf Eisners neuestes Werk.

Was „The Crazies“ wirklich toll macht sind die eigenbrötlerische Coolness von Timothy Olyphant, die tolle Optik und die absolute Abwesenheit sämtlicher Gefühlsduselei bzw. der dadurch bedingten Kitschmomente. Überhaupt hat man ständig dieses ohnmächtige Gefühl, daß die Situation einfach so beschissen ist wie sie nun mal ist und man nichts dagegen tun kann außer weiterzukämpfen oder aufzugeben.

Die gesamte Atmosphäre ist für mich schwer zu beschreiben aber ich versuche es einfach trotzdem mal. Da es angenehmerweise keine billigen Schockmomente gibt und die Musik nur selten in den Vordergrund rückt, nimmt man irgendwie als Zuseher die klare Position eines hilflosen Beobachters ein. Man kann nichts tun, obwohl man gerne würde, wegsehen kann man aber auch nicht wirklich, da die gesamte Handlung in ihrer kompromisslosen Art, den Zuschauer ziemlich in ihren Bann zieht. Ok, was tut man schon beim Filmschauen mehr als sich berieseln zu lassen, aber ich glaube es ist doch rüber gekommen, was ich mit den Zeilen oben gemeint habe.

Die unbarmherzige Vorgehensweise des Militärs zur Eindämmung der Seuche kommt mir dabei ziemlich abschreckend vor jedoch leider nicht gerade unrealistisch. So nach dem Motto: Bringen wir doch einfach alle um, lassen dann eine Bombe hochgehen und sagen es wäre ein Unfall gewesen. So hat das Militär keine Schuld an der ganzen Sache. In ihrer Brutalität wirken die Soldaten also sogar um einiges grausamer als die infizierten Verrücktem, abgesehen vom MakeUp natürlich, da haben die Maskenbildner bei den Erkrankten echt ganze Arbeit geleistet.

Der Übergang von völliger Idylle zu totalem Chaos geht hier ziemlich schnell und ohne Warnung. Plötzlich flüchten die paar verbliebenen Hauptcharaktere durch eine zügig erzählte Handlung von einem Überlebenskampf zum Nächsten. Dabei entstehen mehr als einmal diese schönen Filmmomente, wo man um kein Geld der Welt in der Haut der Person auf der Leinwand stecken möchte. Festgebunden am Krankenbett, das Militär ist geflüchtet. Ein Verrückter kommt herein und zieht eine blutige Mistgabel hinter sich her. Ein Helikopter droht ein Auto abzuschießen, als Deckung dient eine Autowaschanlage. Zack! Die Waschsequenz startet, das Auto lässt sich nicht mehr starten und von allen Seiten schlagen Infizierte auf die Scheiben ein. Solche und noch einige weitere eigentlich auswegslose Situationen erwarten unsere Helden und sorgen für zusätzliche Adrenalinschübe.

Schauspielerisch trägt Timothy Olyphant gekonnt den Film auf seinen Schultern. Dabei ist er wie so oft kein strahlender Held sondern ein ganz normaler Typ, der für seinen Job als Cop einfach die nötige Coolness aufbringt und auch in Extremsituationen nicht seine Nerven verliert. Nach „High Life“ und „A Perfect Getaway“ also eine weitere Topperformance von einem der ewig unterschätzen Hollywooddarsteller. Joe Anderson als sein Partner kann mit seinem Charakter ein paar mal richtig überraschen, er bleibt dabei immer etwas undurchsichtig und man weiß im Verlauf des Filmes nie genau, ob er nicht doch zu den Erkrankten gehört.

Radha Mitchell ist nach ihrer eher kleinen Rolle in „Surrogates“ auch hier etwas unterfordert, die stärkeren Figuren haben klar ihre männlichen Kollegen erhalten. Danielle Panabaker ist zwar eigentlich nur dabei, damit auch ein unschuldiges, gut aussehendes Mädchen in Gefahr ist, daß Beschützerinstinkte wecken soll, aber das stört mich nun wirklich überhaupt nicht. Auch der restliche Cast spielt überzeugend, wobei vor allem die beiden Polizisten in ihren Hauptrollen im Gedächtnis bleiben.

Insgesamt also ein für mich sehr spannender, kurzweiliger Film, der einige echt intensive Szenen dabei hat, mit der Gewaltdarstellung niemals übertreibt, und trotz klassischer Vorgehensweise bzw. Sequenzen, in denen man genau weiß was passieren wird, niemals langweilig ist. Dieser Film nimmt sich wirklich ernst und auf Humor wird größtenteils verzichtet, was in einem modernen Horrorszenario schon wieder fast als erfrischend gilt. Dass einige Gesichtsausdrücke von Olyphant in brenzlichen Situationen trotzdem etwas Lustiges an sich haben, ist dabei ein netter Nebeneffekt, den ich auf seine interessante Persönlichkeit und seine Erfahrung vor der Kamera zurückführe.

The Crazies bekommt von mir 8/10 total verrückt spielende Empfehlungspunkte.


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