Surrogates – Mein zweites Ich (Filmkritik)

In der gar nicht mehr so fernen Zukunft (nämlich 2017) leben ein Grossteil der Menschen ihren Alltag durch ihre Roboterdoppelgänger. Man kann so perfekt aussehen und allen möglichen, gefährlichen Aktivitäten nachgehen, ohne jemals selber wirklich in Gefahr zu sein. Die erlebten Gefühle werden so direkt übertragen, dass man glaubt selber unterwegs zu sein, obwohl man ja nur zu Hause in seinem speziellen Stuhl sitzt.

Da die Kriminalitätsrate durch diesen Lebensstil fast auf Null gesunken ist, haben FBI Agenten wie Tom Greer (Bruce Willis) und seine Partnerin Peters (Radha Mitchell) nicht wirklich viel zu tun. Eines Tages lockt sie jedoch ein Doppelmord aus der Reserve, bei dem zwei Roboter durch Stromstösse zerstört wurden, die Sicherheitschips aber ebenfalls geröstet wurden und so die sie kontrollierenden Menschen ebenfalls starben. Wenn bekannt würde, dass es eine Waffe gibt, die die Macht hat Maschine und Mensch zu töten, dann würde das sofort eine weltweite Panik auslösen. Greer und Peters müssen das Geheimnis um diese neue Waffe so schnell wie möglich lösen, bevor noch mehr Morde geschehen oder die Öffentlichkeit davon etwas erfährt..

Surrogates Film Bruce Willis

Einer der Helden meiner Jugend ist endlich wieder mal mit einer sehr guten Rolle in einem echt toll gemachten Film zurück. Mister Willis ist ja einer der wenigen Actionstars der 80er Jahre, die erstens in Würde gealtert sind, zweitens nichts an ihrem Coolnessfaktor verloren haben und drittens sogar den Sprung hin zu Charakterrollen geschafft haben.
Regie führte hier Jonathan Mostow, den viele noch in schlechter Erinnerung haben wegen Terminator 3: Rebellion der Maschinen (den ich übrigens sehr unterhaltsam und gut gemacht fand, bin aber auch kein richtiger Terminator Fan).

Herausgekommen bei der Zusammenarbeit dieser beider Herren ist ein sehr kompakter Film, der ohne Leerlauf die von Willis gespielte Figur sowohl durch Actionpassagen aber mindestens genauso oft auch durch emotionale Achterbahnen schickt und vor moralisch nicht leicht zu beantwortende Fragen stellt. Das Drehbuch basiert übrigens auf einer von den beiden Autoren Robert Venditti und Brett Wedele zwischen 2005–2006 verfassten Graphic Novel.

Nach circa 80 Minuten Filmgenuss beginnt bereits der Abspann und auch wenn man gerne noch länger in diese Filmwelt eingetaucht wäre hat man nicht das Gefühl, dass hier noch irgendetwas fehlen würde. Man bekommt aber auch keineswegs eine reine Aneinanderreihung von Actionszenen zu sehen, die von der nicht vorhandenen Story ablenken sollen – nein, die Charaktere stehen hier eindeutig im Vordergrund (egal ob menschlich oder nicht). Nicht verwunderlich also, dass die Story intelligent und gut durchdacht wirkt.

Optisch kann man hier auch nicht wirklich etwas aussetzten, höchstens bei den Verfolgungsjagden mit den Robotern, wo deren übernatürliche Sprungkraft auch eingesetzt wird, sieht das Ganze nicht ganz natürlich aus aber he, das sind doch Maschinen, da soll das wohl so aussehen. Toll ist auch dass man genau merkt, dass die Schauspieler sich als ihre „Robotrer – Ichs“ anders bewegen, wobei dies subtil abläuft und man schon etwas genauer hinsehen muss.

Bruce Willis spielt den gebrochenen Helden, der wieder mal über die Zukunft der Menschheit entscheiden darf wirklich sehr gut, besonders in den emotionalen Szenen mit seiner Frau hat er mich voll überzeugt. Neben Willis verblassen die anderen Figuren zwar ein wenig aber alle liefern tolle Performances ab und unterstreichen so die Qualität des Filmes.

Rosamund Pike als Willis Frau Maggie ist als Mensch völlig fertig und tablettenabhängig, als Roboter natürlich geradezu überperfekt. Radha Mitchell als Willis Kollegin Peters wirkt anfänglich blass, doch ihre Rolle entwickelt sich im Verlauf des Filmes in eine sehr interessante Richtung. Ving Rhames wirkt angenehm weise und gleichzeitig gefährlich als der Prophet, der die Antiroboter Gruppierungen anführt. James Cromwell hat als Erfinder der Surrogates seit seinen Erlebnissen in „I Robot“ anscheinend nichts gelernt, so muss wohl auch sein Auftritt hier tragisch enden.

Insgesamt also ein spannender, optisch einfallsreicher SciFi Thriller, mit einem gross aufspielenden Willis und einer kompakten Filmlänge, die keinen Raum für Fehler lässt und so für uneingeschränktes Filmvergnügen sorgt – Sozialkritk ohne erhobenen Zeigefinger ist bei diesem Unterhaltungspaket natürlich inbegriffen. Der Schluss wurde außerdem diesesmal auch nicht verhaut und passt in seiner Konsequenz sehr gut zum Rest des Filmes.

Surrogates bekommt von mir 8/10 das echte Leben lebende Empfehlungspunkte.


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