Mein linker Fuß (Filmkritik)

Christy Brown (Daniel Day-Lewis) hat nur einen einzigen Körperteil, den er willentlich bewegen kann: Seinen linken Fuß. Obwohl die Ärzte seinen Eltern raten, ihn in ein Heim zu stecken (wir reden vom Jahr 1932), entscheiden diese, ihn selbst in ihren eigenen vier Wänden großzuziehen. Vor allem seine Mutter erkennt, dass der Junge trotz seiner körperlichen Beeinträchtigung ein intelligenter Kerl ist und setzt alles daran, ihn zu unterstützen.

Und dann passiert das Undenkbare: Trotz seiner offensichtlichen und extrem starken körperlichen Behinderung wird Christy Brown ein weltbekannter Künstler, der mit seinem linken Fuß als Maler quasi Geschichte geschrieben hat.

Es ist lang, lange, ganz lange her, dass ich „Mein linker Fuß“ zum letzten Mal gesehen habe und was bei mir vor allem damals bereits hängenblieb ist, wie großartig Daniel Day-Lewis gespielt hat. Man überlege: Wir haben hier einen Charakter, der hauptsächlich seinen linken Fuß nutzen kann. Für alles(!). Und jetzt stellt euch mal vor, ihr müsst das spielen und sollt dabei weder lächerlich wirken noch dumm, sondern sogar so etwas wie Stolz oder Wut ausdrücken. Und zwar ohne, dass ihr euer Umfeld zum Lachen bringt. Fast unmöglich, so leid mir das tut. Was ich damit sagen will: Es ist extrem schwer, die Figur des Christy Brown und die Bedeutung dessen linken Fußes in einen Film zu packen und nicht unfreiwillig für eine Menge an Lacher zu sorgen, aber Regisseur Jim Sheridan und sein Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis (nicht zu vergessen: Hugo O’Conor als junger Christy) schaffen es.

Sie schaffen es, die Geschichte dieses Mannes ohne übertriebenen Pathos und ohne Fremdschämen auf die Leinwand zu bannen und es sind einige Szenen im Film bei denen ihr am liebsten wegsehen würdet, weil ihr nachempfinden könnt, wie sehr Christy sich bereits bei den kleinsten Dingen quält.

Aber ihr werdet nicht lachen. Außer an den Stellen, an denen die Macher das von euch wollten.

Ein großes Lob also auch an Jim Sheridan, der Regie geführt und gemeinsam mit Shane Connaughton das Drehbuch, basierend auf der Autobiografie, die Christy Brown selbst (richtig: mit seinem linken Fuß) geschrieben hat (und die sehr lesenswert ist), verfasst hat.

Kameraarbeit, Schauspiel, Regie – alles spielt hier wirklich gut und großartig zusammen, um das Drama und die Lebensgeschichte von Christy Brown angemessen auf die Leinwand zu bringen.

Was bleibt? Die Erkenntnis, dass jedes Leben wertvoll ist (sollte die jemand noch nicht gehabt haben), die Erkenntnis, dass auch behinderte Menschen A********er sein können und das Hollywood 1989 immer noch glaubt, man müsse jedem Film ein Happy End verpassen, denn im Gegensatz zum Film ist Christy Brown im echten Leben tatsächlich alkoholkrank und verbittert verstorben. Im Film wirkt es allerdings ein wenig anders (auch wenn es nicht so ganz klar rüberkommt).

„Mein linker Fuß“ ist alt, aber immer noch wichtig und bekommt 8 von 10 möglichen, den linken Fuß zu allem einsetzende, Punkte.


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