Eternal Sunshine Of The Spotless Mind – Vergiß Mein Nicht! (Filmkritik)

Joel (Jim Carrey) will eigentlich zur Arbeit fahren, aber dann packt es ihn. Er springt in einen anderen Zug. Sein Ziel ist ihm eigentlich unbekannt, aber irgendwas daran packt ihn. Mit im Zug sitzt Clementine (Kate Winslet). Auch sie hat dasselbe Ziel wie Joel. Die beiden kommen ins Gespräch und sie mögen sich.

Je öfter sich die beiden sehen, umso öfter wird jedoch klar, dass irgendwas nicht stimmt, denn sie scheinen sich zu kennen, können aber nicht mehr genau sagen, woher.

Die Lösung des Rätsels: Es gibt eine Firma, die auf Bestellung bestimmte Erinnerungen löscht. Dort arbeiten Patrick (Elijah Wood), Stan (Mark Ruffalo) und Mary (Kirsten Dunst) unter der Leitung von Dr. Mierzwiak (Tom Wilkinson) und führen die Löschungen durch …

Für mich kam der Name Michel Gondry aus dem Nichts. Am ehesten kannte ich noch Musikvideo von ihm (zB „Everlong“ von den Foo Fighters oder „Army Of Me“ von Björk), von denen ich allerdings nicht wusste, dass er die Regie gemacht hat. Auch Charlie Kaufman hat mir nichts gesagt, auch wenn ich den Film „Being John Malkowich“ kannte und auch mochte, so habe ich den zu einer Zeit gesehen, zu der ich noch nicht auf Regie oder ähnliches geachtet habe.

Dann war da plötzlich „Eternal Sunshine Of The Spotless Mind“, oder „Vergiß Mein Nicht!“ wie er bei uns heißt, in aller Munde. Natürlich sieht man sich den mal an, weil der soll ja gut sein. Allerdings war ich auf diesen Film nicht vorbereitet. Mir war davor nicht klar, wie großartig komplexe (nicht kompliziert! kleiner, aber feiner Unterschied) Geschichten präsentiert können.

Die Art und Weise wie die mehreren Ebenen der Handlung und auch Zeitebenen verbunden werden, dazu dann noch Träume kommen und Erinnerungen, die gerade gelöscht werden und sich während dem Prozess der Löschung verändern … das ist einfach ein Hammer. Dazu kommt noch, dass die Effekte soweit möglich von Michel Gondry real umgesetzt wurden. Teilweise durch Set-Bauten, teilweise durch Kameraschwenks und teilweise durch geschickt positionierte Kamerapositionen und fähige Schauspieler*innen, die sich in wenigen Sekunden a) umgezogen und b) in eine völlig andere Emotion versetzt haben.

Gerade Jim Carrey zeigt hier, weshalb er eine Zeitlang (bevor er auf seine Comedy-Mimik reduziert wurde) als einer der Besten seiner Generation gehandelt wurde. Und Kate Winslet? War davor und danach nicht mehr so gut wie hier.

Die wirkliche Stärke des Films ist aber bei aller technischer Brillanz das Drehbuch, denn Joel und Clementine schenken sich nichts. Beide sagen Dinge, die heftig sind. Beide machen Dinge, um den/die andere/n zu verletzen. Und trotzdem mag man die beiden die ganze Zeit über und wünscht ihnen, sich doch endlich zu finden. Das ist keine schlechte Leistung.

Auch die Rahmenhandlung (also die Löschung der Erinnerungen, die Firma und – vor allem – was in der Firma passiert) fügen sich nahtlos und perfekt ein. Elijah Wood spielt den einsamen und nach Wertschätzung suchenden absolut glaubwürdig, während Ruffalo (lange bevor er der Hulk wurde) den feschen Nerd, der seine Arbeitskollegin mehr oder weniger subtil anbaggert, genauso glaubwürdig gibt, wie Kristen Dunst ihre leicht naive und ihren Chef verschossene Rolle perfekt anlegt. Ich kann mich auch nicht mehr erinnern, wann diese Dame das letzte Mal so gut und glaubwürdig war.

Spannend dabei: Alle Charaktere (inklusive Dr. Mierzwiak) haben eine Charakterentwicklung bzw. einen Punkt an dem sich etwas Unerwartetes (nicht immer Positives) auftut und nichts davon fühlt sich gezwungen oder gar konstruiert an. Alles bleibt glaubwürdig. Und das ist das Grandiose an dem Film: Trotz der Handlung der irren Dinge, die man auf dem Bildschirm sieht, bleibt die Story an sich absolut glaubwürdig und alle Charaktere verhalten sich absolut menschlich.

Ein Meisterwerk. Wer ihn noch nicht gesehen hat – ansehen. Jetzt. Sofort. Danken könnt ihr mir danach.

„Eternal Sunshine Of The Spotless Mind“ bekommt von mir 10 von 10 möglichen, ich wüsste nicht, was man dem Film ändern könnte oder sollte, Punkte.


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