The Ward (Filmkritik)

Wir schreiben das Jahr 1966. Kristen (Amber Heard) wird nach dem von ihr gelegten Brand in einem Farmhaus ohne jede Erinnerung was vor dem Feuer passiert ist, in die North Bend Nervenanstalt eingewiesen. Während sie Dr. Stringer (Jared Harris) nur unzureichend von ihrer geistigen Gesundheit überzeugen kann, freundet sie sich nur langsam mit den anwesenden Mitpatientinnen an. Sarah (Danielle Panabaker), Iris (Lyndsey Fonseca), Emily und Iris sind eine eingespielte Truppe, da hat es Kristen zunächst schwer Anschluss zu finden.

Die gemeinsame Angst vor einer übernatürlichen Gefahr, schweisst die ungleiche Truppe jedoch schnell zusammen. Der Geist der früheren Patientin Alice scheint in der Anstalt sein Unwesen zu treiben und er will ein Mädchen nach dem anderen auf blutige Weise beseitigen. Ein fairer Kampf scheint unmöglich, die Ärzte und Schwestern von der Geisterstory zu überzeugen ohne noch irrer zu wirken klappt ebenso überhaupt nicht. Bleibt nur noch die Flucht, doch aus diesem Gebäude ist zuvor noch niemand entkommen, da werden die Mädels wohl kaum die Ersten sein, oder vielleicht doch?

The Ward Film Amber Heard

Mit diesem Film meldet sich zehn Jahre nach seinem letzten Film „Ghosts of Mars“ (der übrigens ziemlich schlecht war) eine wahre Horrorfilmlegende zurück: John Carpenter. Der Veteran, der bei Klassikern wie „Halloween“, „Dark Star“, „The Fog“, „Die Klapperschlange“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, „Christine“ und noch einigen Genrehighlights mehr Regie geführt hat, hat seinen Job anscheinend weder an den Nagel gehängt, noch in irgendeiner Form verlernt.

Das einzige Problem des Filmes ist eigentlich nur, dass dieselbe oder mindestens eine sehr ähnliche Story schon einige Male zuvor verfilmt worden ist (ob besser oder schlechter ist dabei natürlich Geschmackssache). Dieses untrügliche Gefühl, fähig zu sein Handlungsabläufe und einzelne Szenen entweder vorauszusagen oder sie nur mit einem ziemlich starken Deja-vu-Gefühl betrachten zu können, nimmt dem gesamten Film zwar in manchen Szenen die Spannung, doch die meiste Zeit siegt die Neugierde darüber, wie perfekt Carpenter seine eigenes Erfolgskonzept hier zu zelebrieren weiß.

Stärke des Filmes ist darum auf jeden Fall mal die Regie. Carpenters jahrelange Erfahrung trieft förmlich aus jeder Einstellung. Ok, hier herrscht die Routine, doch das Level ist dann doch ziemlich hoch angesiedelt. Einstellungen, Schnitte und Musik entsprechen alle dem Lehrhandbuch für Gruselthriller, an dessen Entstehung Carpenter selbst ja sicherlich nicht ganz unbeteiligt gewesen ist (würde es ein solches Buch denn wirklich geben). Er zitiert sich sozusagen selbst und umschifft die Gefahr jedes möglichen Risikos einfach damit, dass er sich auf kein einziges Experiment innerhalb des Genres einlässt. Die Geisterlady hat dabei ein echt gruseliges Kostüm abbekommen und die wenigen Morde sind effektiv und blutig, aber nie zu brutal in Szene gesetzt.

Ein weiterer und diesesmal sogar uneingeschränkter Pluspunkt sind die starken Damen, die hier die Hauptdarstellerriege bilden. Amber Heard, die zuletzt in „Drive Angry“ sich von ihrer sexy/kämpferischen Seite zeigen konnte, funktioniert perfekt als innerlich gebeutelte aber trotzdem starke junge Frau, die ihr Leben wieder in den Griff bekommen will. Toll gespielt und natürlich schön was ihre Ausstrahlung betrifft. Danielle Panabaker (The Crazies) als Zicke und Lyndsey Fonseca (Kick Ass) als immer zu allen nettes Mauerblümchen bekommen zwar für meinen Geschmack zu wenig Screentime, machen ihre Sache aber auch sehr gut. Auch Laura-Leigh als in ihr Kleinkindverhalten geflüchtete, Mamie Gummer als pseudoharte Irre und Jared Harris (Sherlock Holmes – Game of Shadows) als charismatischer Doktor sind mit vollem Eifer bei der Sache.

Eher ambivalent stehe ich ja dem achso intelligenten und überraschenden Schlussgag gegenüber, über den ich in nun noch kurz was loswerden muss. ACHTUNG SPOILER: Emily, Sarah, Zoey und Iris sind alle keine echten Menschen sondern nur geschaffen durch den Geist von der erst gegen Ende des Filmes auftretenden Alice, deren Psyche nach einem schweren Trauma multiple Persönlichkeiten zur Bewältigung ihres Schreckens erschaffen hat. Kristen ist nur die neueste Kreation die Alice geschaffen hat, damit sie sich nicht erinnern muss, obwohl ein Teil von ihr längst angefangen hat, die anderen unechten Mädels zu beseitigen, um wieder sie selbst sein zu können. Alles klar? War irgendwie logisch dass da noch was kommen musste am Filmende, sonst hätte diesem filmischen Erlebnis irgendwie das gewisse Etwas gefehlt. SPOILER ENDE

Insgesamt also für Fans sicher ein lohnender Filmabend, nur Leute die Carpenters (neuerliche) Revolution des Geister/Slashergenres erwartet haben, werden eine echte Enttäuschung erleben. Auch wenn seine beste Zeit vorbei sein mag, er kann es noch immer und wenn er wieder mal ein tolles Drehbuch in die Finger bekommen sollte, dann könnte dies durchaus zu einem weiteren „angenehmen“ Horrorabend führen.

The Ward bekommt von mir 7/10 mit jahrelanger Erfahrung, toller Atmosphäre und geballter Frauenpower auftrumpfende Empfehlungspunkte.


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