Uncertainty (Filmkritik)

Bobby (Joseph Gordon-Levitt) und Kate (Lynn Collins) befinden sich am amerikanischen Staatsfeiertag in der Mitte der Brooklyn Bridge in New York. Sie stehen vor der Entscheidung, ob sie zu ihrer Familie nach Brooklyn zu einem Familientreffen fahren sollen, oder einen entspannten Tag gemeinsam in Manhatten genießen wollen. Bobby holt nach längerem hin und her eine Münze aus der Hosentasche und lässt diese über den weiteren Tagesverlauf entscheiden.

Bobby läuft daraufhin in die eine Richtung, Kate in die andere. Während die Feier unter Verwandten nicht ohne kleinere Dramen auskommt, entwickeln sich die Erlebnisse bei der zweisamen Tagesplanung in eine lebensgefährliche Richtung, nachdem die beiden ein liegen gebliebenes Handy in einem Taxi finden. Beide Tage verlaufen völlig unterschiedlich. Eine scheinbar kleine Entscheidung, schon verändert sich dein ganzes Leben.

Uncertainty Film Joseph Gordon-Levitt Lynn Collins

Uncertainty ist ein Independent Film, geschrieben, produziert und Regie geführt haben die beiden amerikanischen Regisseure David Siegel und Scott McGehee (2001 schufen sie bereits gemeinsam „The Deep End“ mit Tildy Swinton). Erzählt werden zwei parallel laufende Geschichten, die dem Zuseher vor Augen führen sollen, wie grundlegend scheinbar kleine Entscheidungen den Ablauf der nächsten Stunden oder sogar des ganzen Lebens beeinflussen können.

Wirklich gut fand ich die ständigen Schnitte zwischen den beiden Storylines, dank der unterschiedlichen Farbgebung – in Manhatten sind die beiden Hauptdarsteller gelb gekleidet, in Brooklyn grün – ist man beim Betrachten auch nie verwirrt und kann beiden Handlungssträngen problemlos folgen.

Der Tag bei der Familie ist ein klassisches Drama, mit allem was dazu gehört. Kate hat neben der eigenen, vor den Verwandten verheimlichten Schwangerschaft einen verstorbener Bruder, einen an Alzheimer erkrankter Onkel und eine kleine Schwester, die gegen die Mutter rebelliert. Zusätzlich sind sie und Bobby noch nicht einmal ganz sicher, ob sie das Baby nun wirklich behalten wollen. Da steht wohl schon wieder eine Entscheidung vor der Tür.

Die Erlebnisse in trauter Zweisamkeit arten nach dem Fund eines Handys, auf dem ganz spezielle Daten gespeichert sind, zu einem waschechten „zwei ganz normale Menschen stolpern in eine ziemlich bedrohliche Situation“ – Thriller aus. Mehrere Parteien verhandeln mit Bobby über die Rückgabe des Telefons, wobei einer sogar 500 Millionen Dollar dafür bietet. Vom Geld angelockt, möchte das junge Pärchen das Handy verkaufen, doch ein bewaffneter Gangster, der bereits einen Mann vor ihren Augen erschossen hat, ist ihnen ständig auf den Fersen.

Obwohl die (zugegeben nicht ganz neue) Grundidee beide Varianten der vorhandenen Möglichkeiten zu zeigen sehr interessant ist und auch ansprechend umgesetzt ist, hat man irgendwie das Gefühl, daß hier der Funke nicht ganz überspringen möchte. Die beiden Storys sind einzeln betrachtet einfach zu gewöhnlich und ergeben nur als gemeinsames Filmprojekt eine ganz unterhaltsame Mischung. Langeweile schleicht sich vor allem in der Dramageschichte doch hin und wieder ein, da man nur Einblicke in Kates Leben bekommt, doch keine Charakterentwicklung erwarten kann und diese auch nicht zu sehen bekommt.

Sehenswert machen Uncertainty darum vor allem wieder mal die Darsteller. Joseph Gordon-Levitt ist ein echt charismatisches Kerlchen mit guter Leinwandpräsenz. Seine Rollenwahl zeigt seine Liebe zu Filmen, die sich mit Erzählweisen außerhalb von gängigen Klischees beschäftigen. Nach „Mysterious Skin“, „Brick“, „The Lookout“ oder zuletzt „500 Days of Summer“ ist mir daher ganz klar, warum er auch hier dabei war.

Lynn Collins ist nicht nur ziemlich hübsch, sondern kann auch echt überzeugend spielen. Nachdem sie in der Serie „True Blood“ leider viel zu bald wieder ausgeschieden ist und im „Wolverine“ Film zwar wunderschön aber nicht sonderlich gefordert war, kann sie hier wieder mal zeigen, daß sie die volle emotionale Bandbreite ihres Charakters faszinierend rüberbringen kann. Nach kleinen aber interessanten Rollen in „Bug“ und „The Number 23“ darf sie hier endlich mal die Hauptrolle spielen. Ich mag in Zukunft bitte mehr von ihr sehen.

Was bleibt ist eine interessante Idee, eine souveräne Umsetzung, tolle Schauspieler und zwei eher unspektakuläre Grundstorys. Ein ambitioniertes Projekt, nicht wirklich gescheitert aber auch nicht ganz geglückt. Insgesamt fehlt einfach die Spannung, der letzte Kick ist leider in beiden Geschichten nicht drinnen und auch noch zu wenig in der Verknüpfung zu spüren. Danke also an die tollen Hauptprotagonisten, denen ich sehr gerne zugesehen habe.

Uncertainty bekommt von mir 6,5/10 entscheidungsfreudige Empfehlungspunkte.


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