Legion (Filmkritik)

Ein abgelegenes Lokal mitten in der Wüste. Ein desillusionierter Besitzer (Dennis Quaid), eine schwangere Kellnerin (Adrianne Palicki), ein Vater auf dem Weg zu seinem Sohn (Tyrese Gibson) und einige andere verlorene Seelen verbringen hier mehr oder weniger freiwillig den Tag vor dem heiligen Abend. Gerade als keiner hier mehr daran glaubt, die Situation könnte noch schlimmer sein als sie bereits ist, brechen nahezu gleichzeitig alle Fernseh-, Radio- und Telefonverbindungen ab.

Nachdem dann auch noch eine ältere Dame plötzlich um sich beißt, an der Decke entlang krabbelt und nur durch ein paar Kugeln gestoppt werden kann, liegen die Nerven aller Anwesenden blank und niemand weiß, was hier eigentlich gespielt wird. Als kurz darauf ein seltsamer Kerl namens Michael (Paul Bettany) in einem Polizeiauto an Ort und Stelle eintrifft und ihnen eine Geschichte von der Ausrottung der Menschheit und der letzten Hoffnung durch ein ungeborenes Baby auftischt, ist es für jegliche Fluchtpläne bereits viel zu spät. Die Apokalypse hat begonnen.

Legion

Legion ist der erste Langfilm von Scott Stewart. Durch seine Arbeiten als Visuell Effects Mann bei Filmen wie „Sin City“, Harry Potter 4″, „Superman Returns“, „Fluch der Karibik 2 und 3“, „Iron Man“ und noch einigen mehr, kann man ihn wohl getrost als Meister seines Faches bezeichnen. Als Regisseur hat er jedoch noch einiges zu lernen.

Gleich mal vorweg eine Entwarnung. Legion ist nicht so furchtbar schlecht, aber auch weit von einem guten Film entfernt. Es werden weniger Möglichkeiten als bei den schlimmsten Uwe Boll Filmen (z.b. „House of the Dead“, „Alone in the Dark“ oder „Far Cry“) verschenkt und der Film ist auch nicht durchgehend peinlich wie etwa die „Dragonball Evolution“ Verfilmung.

Die gesamte Geschichte ist einfach zu schnell und ohne Gefühl für das Gesamtprodukt abgedreht worden. Was dadurch gar nicht funktioniert ist der Versuch, durch absichtlich emotional tiefgründige Dialoge nach einer Actionsequenz, eine Beziehung zu den Charakteren aufzubauen, damit einem als Zuseher ihr Schicksal nicht völlig egal ist. Dies wirkt einfach nur bemüht und auch einige Darsteller wirken dabei sichtlich gelangweilt. Was mich zum zweiten großen Problem des Filmes bringt, nämlich den beiden größten Fehlbesetzungen, die ich in letzter Zeit erleben durfte.

Lucas Black als Sohn des Lokalbesitzers Dennis Quaid. Er spielt so, als hätte er ständig Schmerzen und sieht daher einigermaßen verzwickt drein. Seine dämlicher Blick und sein debiles Gehabe gingen mir ziemlich auf die Nerven. Er sollte wohl mal eine Schauspielschule besuchen, falls er dies schon hat, dann hat es sichtlich nichts genutzt. Daß er im Film dann auch noch als einer der besseren Menschen bezeichnet wird, für die es sich lohnt zu kämpfen, konnte ich dann nur mehr lächerlich finden. Sorry.

Noch schlimmer war Kevin Durand als Engel Gabriel. Er wirkt wie ein totales Weichei, seine Stimme klingt wie die eines kleinen, verängstigten Buben. In einer peinlichen Szene, in der Michael ihn bittet mit dem Kämpfen aufzuhören, sehen sich die beiden Engel tief in die Augen, die Kamera bleibt auf Gabriels Gesicht und man denkt als Zuseher, daß sich die beiden jeden Moment küssen werden. Sollte wohl eine Szene sein, die brüderliche Liebe zwischen Engeln zeigen sollte, war aber insgesamt nur eine ziemlich unpassende, homoerotisch wirkende Szene.

Daß man hier trotzdem Spaß haben kann liegt vor allem an der nostalgischen 80er Jahre Optik, den explosiven Actionparts, den hübschen Damen und Paul Bettany als Michael. Bettany zieht seine Sache cool und ohne mit der Wimper zu zucken durch, dabei mochte ich vor allem seinen Tonfall, der etwas wissendes, hoffnungsspendendes aber trotzdem entgültiges an sich hatte. Er ist eindeutig der beste Charakter im Film und der einzige, dem man gerne bei der „Arbeit“ zusieht.

Dennis Quaid wirkt hier zwar routiniert aber leider unmotiviert. Tyrese Gibson spielt einen Typen, den er nun schon 100 mal gespielt hat und der mehr klischeehaft wohl nicht sein könnte. Adrianne Palicki war zwar nicht schlecht, hat mich aber nicht voll überzeugt. Von der werdende Mutter des auserwählten Babys habe ich wohl mehr erwartet. Willa Holland hingegen holt aus ihrer Rolle als rebellische Tochter heraus was geht. Sie fand ich sympathisch obwohl man so gut wie nichts von ihr wusste. Kate Walsh (Dr. Addison aus der „Privat Practice“ Serie) als ihre emotional völlig fertige Mutter ist zwar eine lästige Person, dafür spielt sie ihre Rolle sehr gut. Doug Jones (Hellboy) hat einen netten aber zu kurzen Cameoauftritt als ein Besessener.

Was bleibt ist ein schnell zusammengeschusterter Actionfantasynonsens, den man nur mit ausgeschaltetem Gehirn betrachten sollte und dabei das Wort Logik für kurze Zeit getrost aus dem Wortschatz streichen kann. Ein paar nette Ideen, einige coole Szenen, ein souveräner Hauptdarsteller und das völlige Fehlen jeglicher (freiwilliger) Komik, ergeben einen anspruchslosen Dutzendfilm, den man nicht gesehen haben muss, der aber auch nicht bzw. nur in ganz wenigen Szenen richtig weh tut.

Legion bekommt von mir 5/10 zu nahe an der Apokalypse vorbeigeschrammte Empfehlungspunkte.


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