Match Point (Filmkritik)

Chris Wilton (Jonathan Rhys Meyers) ist ein ehemaliger Profitennisspieler, der durch die Hochzeit mit Chloe (Emily Mortimer), Teil einer stinkreichen Familie wurde und seitdem das Luxusleben geniesst. Eigentlich hat er alles was er braucht, doch wie es bei Menschen eben so ist, will man immer noch mehr. Als Chris eine Affäre mit der verführerischen Nola Rice (Scarlett Johansson) beginnt, merkt er vorerst nicht, dass er damit sein gesamtes ach so schönes neues Leben aufs Spiel setzt. Als es für ihn eng wird, greift er zu durchaus drastischen Methoden, um seine scheinbar heile Welt aufrecht erhalten zu können.

Match-Point

Woody Allen ist ja schon längst ein alter Hase im Filmgeschäft. Eigentlich abonniert auf lustige Dramen (oder melancholische Komödien, wie man will), markierte sein im Jahre 2005 entstandene „Match Point“ in mehreren Punkten einen Neustart. Erstens wurde Allens 36ster abendfüllender Film erstmals auschliesslich in England gedreht, zweitens wurde damit seine längere Serie von Kinoflops beendet und drittens fehlt bei diesem Thriller-Drama der Humoranteil völlig.

„Bist du lieber einer von den Guten oder einer, der Glück gehabt hat im Leben?“ Die Story an sich ist altbekannt und ist in der Geschichte unserer Erde, sicherlich schon unzählbar oft vorgekommen. Eine reiche Dame heiraten, ohne sie von ganzem Herzen zu lieben, der Ruf des leichten Lebens lockt eben. Sich das was fehlt holen, indem man eine leidenschaftliche Affäre beginnt. Wenn es dann aber um eine Entscheidung – schönes Leben oder große Liebe geht – wird der vorhandene Luxus mit allen Mitteln verteidigt, auch wenn man dafür das Gesetz brechen muss (mehr zu verraten wäre hier zuviel gespoilert).

Was mir hier gut gefallen hat, ist die elegische Erzählweise. Die Figuren agieren miteinander, entwickeln sich, nichts wirkt überhastet oder erzeugt das Gefühl, man hätte etwas verpasst. Dass so aber auch einige Längen entstehen und die spürbar melancholische Atmosphäre durchaus auch für den einen oder anderen Blick auf die Uhr sorgt, ist leider auch eine Tatsache. Mit der Spannung ist es daher so eine Sache, in den besten Momenten des Filmes, kann das Gesehene wirklich fesseln, dazwischen ist aber auch der eben erwähnte Leerlauf eine fester Bestandteil der guten zwei Stunden Spielzeit.

Scarlett Johansson (The Avengers), die mit Allen später noch zwei weiter Filme gedreht hat („Scoop“ und „Vicky Christina Barcelona“), funktioniert großartig als begehrenswerte Dame, die alle Blicke auf sich zieht. Jonathan Rhys Meyers (From Paris with Love) ist ebenso stark, als von den angeblich schönen Seiten des Lebens leicht verführbarer junger Mann, dessen Verzweiflung und sein im Laufe der Handlung klar noch gewachsener Egoismus, ihn am Ende zu einer unerwartet radikalen Tat drängen. Emily Mortimer (Harry Brown) als seine Braut, Matthew Goode (Stoker) als ihr Bruder und Brian Cox (Ironclad) als smarter Brautvater, runden das starke Ensamble ab.

Auch die Kamera und die von Allens anderen Filmen inspirierte Musik, sind von gewohnt hoher Qualität. Fast schon ironisch kommt da der Blick auf die englische Mittelschicht daher, mit der sich der Regisseur in London selbst, sicherlich nicht nur Freunde gemacht hat. Da ich mich nicht gerade als Woody Allen Fan bezeichnen würde und seine bisher gesichteten Filme (was nicht allzu viele sind, wie ich zugeben muss) zu harmlos und belanglos fand, bin ich mit diesem von Verführung, Passion und schließlich Obsession getragenen Beziehungsthriller, druchaus positiv überrascht worden.

„Match Point“ bekommt von mir 6/10 das liebe Geld der lieben Liebe vorziehende Empfehlungspunkte.


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