Ironclad (Filmkritik)

Wir schreiben das 13te Jahrhundert. King John (Paul Giamatti) tyrannisiert sein Volk seit Jahren, bis ihn einige feudale Barone dazu zwingen, die Magna Carta zu unterschreiben und so seiner Schreckensherrschaft ein Ende zu setzen. Mit Hilfe von angeworbenen dänischen Soldaten beginnt John jedoch bald darauf sein Land zurückzuerobern. Systematisch erobert er dabei sämtliche Schlösser und Burgen und tötet jeden, der ihn damals zur Unterzeichnung der Magna Carta gezwungen hatte.

Den letzten Widerstand leisten nur Baron Albany (Brian Cox) und der erfahrene aber des Kämpfens müde Kreuzritter Marshall (James Purefoy) und ihre handvoll Verbündeten, die sich im strategisch unheimlich wichtigen Rochester Castle verschanzt haben und bereit sind, gegen die unglaubliche Übermacht die Burg bis zum letzen Mann zu verteidigen. Kann Erzbischof Langton (Charles Dance) die Verhandlungen mit den Franzosen rechtzeitig abschliessen, damit diese Baron Albany zur Hilfe eilen können, bevor es zu spät ist?

Ironclad

Ironclad war im Jahre 2009 mit einem Budget von 25 Millionen Euro eine der größten Independent-Produktionen Britanniens. Gefilmt wurde ausschließlich in Wales, wo extra im Studio ein Nachbau vom Rochester Castle angefertigt wurde, da man dieses dann so schön zerstören konnte bzw. durfte. Regie führte Jonathan English, der hiermit erst seinen dritten Film gemacht hat. Die Produzenten haben in Interviews erzählt, dass sie die Belagerung der Burg so authentisch wie möglich gestalten wollten um dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln, sich mitten im Kampfgeschehen zu befinden.

Ob dieses Vorhaben gelungen ist? Auf jeden Fall! Bei Ironclad liegt der Schwerpunkt eindeutig auf den dreckigen und blutigen Actionsequenzen, in denen die beeindruckende Schauspielriege zeigen kann, dass Töten kein schöner Job ist doch wenn es richtig gefilmt wird, ziemlich cool aussehen kann. Wobei vor allem positiv auffällt, dass hier nur richtige Männer am Werk sind, keine Weichspülhelden wie sie Hollywood uns gerade ständig präsentiert. Die Kerle hier tragen Bärte, schwitzen, bluten, wirken ungepflegt, sind archaisch in ihren Verhaltensweisen. Solchen Typen traue ich die harte Schlacht durchaus zu, zumal die jahrelangen Kämpfe nicht nur in Form von sichtbaren Wunden ihre Narben hinterlassen haben.

Besetzt man James Purefoy (The Philanthropist) als gequälten Helden, dann kann man eigentlich nichts falsch machen. Egal ob als Gutmensch in der Philanthropist Serie oder als Solomon Kane, der Kerl hat einfach Charme und das gewisse Etwas, außerdem kann er so ziemlich alles spielen. Sein Love Interest ist Kate Mara (Transcendence) und auch wenn sie ihre Sache gut macht und dabei auch noch wunderschön aussieht ist die Liebesgeschichte doch ein unnötiger Teil in diesem Film. Da aber auf die Sexszene verzichtet wurde, die in diesem Film völlig unpassend dahergekommen wäre, werd ich wohl noch mal ein Auge zudrücken.

Kernige Typen wie Brian Cox (R.E.D.) als das Volk liebender, nicht mit lockeren Sprüchen sparender Baron, Jason Flemyng (X-Men: Erste Entscheidung, Kampf der Titanen, Wer ist Hanna) als ständig grantiger, gewaltbereiter und ungehobelter Frauenfreund und Mackenzie Crook (City of Ember, Solomon Kane) als wortkarger aber ziemlich effektiver Bogenschütze kämpfen auf Purefoys Seite. Paul Giamatti (Cold Souls) hingegen darf seine menschenverachtende, machtverliebte Ader voll ausleben, was er mit einer besorgniserregenden Intensität vollbringt.

Die Kulissen sind überzeugend und authentisch, die Musik wuchtig und die gezeigten Bilder erzeugen eine kalte, unwirtliche Grundatmosphäre. Insgesamt aber liegt hier der Schwerpunkt wie bereits erwähnt klar auf den Actionszenen, die teilweise durch den Wackelkamerastil etwas unübersichtlich werden, doch die meiste Zeit ihr Ziel nicht verfehlen, nämlich unglaublich dynamische und in das Geschehen hineinsaugende Bilder zu erzeugen. Die Story ist da eigentlich nur Nebensache, einfach auf den Zug aufspringen und das teilweise doch recht brutale Spektakel und all die coolen Typen bewundern, das macht einfach Spass.

Ironclad bekommt von mir 8/10 die Burg mit allen Mitteln und dem eigenen Leben verteidigende Empfehlungspunkte.


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