The Hollow Point (Filmkritik)

Eine kleine Stadt entlang der amerikanisch-mexikanischen Grenze, wird mit eiserner Hand von Sheriff Leland (Ian McShane) geführt, der des Öfteren auch Tendenzen hin zur Selbstjustiz zeigt. Als er es wieder einmal übertrieben hat, wird Wallace (Patrick Wilson), der eigentlich diese Stadt hinter sich gelassen hat, damit beauftragt ihn seines Amtes zu entheben und seine Nachfolge anzutreten.

Neben emotionalen Schwierigkeiten mit seiner früheren Liebe Marla (Lynn Collins), macht Wallace gleich zu Beginn ein Waffenschmuggel zu schaffen, der scheinbar ziemlich schief gegangen ist. Das Kartell hat nämlich einen Mann namens Atticus (John Leguizamo) beauftragt, eine bestimmte Liste abzuarbeiten. Und dieser Atticus nimmt seinen Job sehr ernst und wird erst aufhören, wenn alle Personen auf dieser Liste, unter der Erde gelandet sind.

Der neue Thriller des Spaniers Gonzalo López-Gallego (Open Grave), fühlt sich von der Art wie er funktioniert und der Atmosphäre die er vermittelt, im Prinzip wie ein Western an. Da die Botschaft eindeutig ist und auch ausgesprochen wird, dass die Zeit für Verhaftungen vorbei ist und hier die Sheriffs auch Jagd auf die Verbrecher machen, um diese zu töten, müsste man diesen Handlungsstrang eigentlich – bei einem anderen Genre – als ein klares ja zur Selbstjustiz auffassen.

Betrachtet man den Film als Ganzes, wäre eine Diskussion in diese Richtung sicherlich trotzdem legitim wenn nicht sogar notwendig, ich lasse hier aber einfach mal die Ausrede mit „den Regeln eines Westerns arbeitend“ gelten. Vielleicht ist ein Streitgespräch zu diesem Thema aber genau die Intention des Regisseurs gewesen, ich habe keine Ahnung.

Auf jeden Fall geht es hier um Menschen, denen schon einiges an Hoffnung verloren gegangen ist, die desillusioniert vergangenen Fehlern nachweinen oder sich in ihre Jobs flüchten, obwohl es offensichtlich ist, dass keiner hier eine Ahnung hat, was es heißt glücklich zu sein. Da ist es nur logisch dass gleich mehrere der Verlockung des schnellen Geldes nachgeben, auch wenn es illegal ist und nicht zu unterschätzende Gefahren mit sich bringt.

Als Zuschauer wird man genau wie Wallace von dieser drückenden Grundstimmung geschluckt, auch wenn er sich noch eine gewisse Distanz bewahren will. Als er dann einen schweren Rückschlag erleidet, kämpft er sich zurück und ist bereit, seinen moralischen Kompass der Situation anzupassen. Bis auf ein paar plötzliche, durchaus auch brutale Action-Momente, verlässt sich der Film dabei auf seine Charaktere und auf die Atmosphäre, deren Bedrohlichkeit niemals abzunehmen scheint.

Patrick Wilson (Bone Tomahawk) als Wallace ist nicht unbedingt der sympathische Held, doch lernt man ihn schon bald zu schwätzen, einfach weil er nach dem Abbröckeln seiner Fassade von seinen Emotionen übermannt wird und dabei richtig ehrlich wirkt. Ian McShane (Hercules) als Leland lässt einen gewissen „Dirty Harry“ Charme hochleben, trinkt zuviel und stellt genau die Fragen, die sein Gegenüber zum Ausflippen bringen, was wiederum nicht ungefährlich für ihn ist.

Lynn Collins (John Carter) spielt Marla als desillusionierte Dame, die Wallace einerseits mit Vorwürfen überhäuft, andererseits ihn noch immer liebt und ihre restliche Hoffnung auf ihn setzt. John Leguizamo (American Ultra) schließlich ist der eiskalte Killer, der der Beste ist, in dem was er tut. Er ist nicht die Art von Killer, die Freude am Töten hat, aber er erfüllt seine Aufträge sehr effizient und ohne Emotionen, was ihn zu einer ziemlich bedrohlichen Erscheinung macht.

Insgesamt daher ein streckenweise elegisch und auch depressiv wirkender Thriller, bei dem am Ende keiner sauber bleibt, jedoch einige ein Happy End eindeutig mehr verdient haben als andere. Gut gespielt, professionell gemacht und klar provokant vom Thema her, ist dieses Erlebnis zumindest eines sicher nicht und das ist langweilig. Die Szene im Schlussspann hingegen, die kann ich nur als comichafte Übertreibung bezeichnen.

„The Hollow Point“ bekommt von mir 6,5/10 es mit Gesetzen nicht so ernst nehmende Empfehlungspunkte.


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