American Ultra (Filmkritik)

Mike (Jesse Eisenberg) ist ein Kiffer, der sein Dasein in einer kleinen Stadt in West Virginia verbringt, die er nicht verlassen kann, da er unter extremen Panikattacken leidet. So gerne würde er mit seiner Freundin Phoebe (Kristen Stewart) nach Hawaii fliegen, doch er schafft es einfach nicht. Als ihn eines Tages eine geheimnisvolle Dame (Connie Britton) anspricht, ändert sich sein langweiliges Leben, jedoch schlagartig.

Mike ist nämlich der letzte noch lebende Teilnehmer des geheimen Ultra-Programms der CIA, doch wurden seine Erinnerungen gelöscht und er bekam eine neue Identität. Nun wird er aber als Sicherheitsrisiko eingestuft und ein Tötungsbefehl wurde für ihn erteilt. Die seltsame Dame war jedoch seine frühere Chefin und sie hat ihn reaktiviert, um ihm sein Leben zu retten. Gut dass sich Mike daher schlagartig wieder daran erinnert, wie man möglichst effizient Feinden das Leben nimmt. Wann der richtige Zeitpunkt für einen Heiratsantrag an Phoebe ist, weiß er aber noch immer nicht.

American Ultra

Nach „Project X“ ist dies erst die zweite Regiearbeit von Nima Nourizadeh. Bei Kosten von 28 Millionen Dollar, konnte der Film nur ungefähr die Hälfte davon wieder einspielen und gilt daher klar als Flop. Der Regisseur hat sich daraufhin verärgert über die amerikanischen Sehgewohnheiten geäußert, da aktuell scheinbar nur mehr Fortsetzungen und Filme innerhalb einer Franchise, finanziell erfolgreich sind. Stimmt durchaus, zusätzlich ist sein neuester Streich ziemlich schräg und er hält ganz offensichtlich nichts von weichgespülter PG13 Kost.

Die Aufräumarbeiten nach einem Unfall beobachtend, fragt Mike seine Freundin Phoebe, ob er der Baum in ihrem Leben ist (und sie klarer Weise der Baum). Selbstzweifel, für seine Liebe über sich hinaus wachsen wollen, voller Begeisterung stundenlang über die Abenteuer der selbst erfundenen Comicfigur berichten. Mike mag man eben und ich behaupte mal ziemlich viele Männer, haben sich an irgendeinem Punkt in ihren Leben, schon mal so als Verlierer gefühlt, wie er. Doch dann kommt die Enthüllung seiner wahren Identität und ein Traum wird wahr.

Vom sich von der Welt ausblendenden Kiffer, zum die Welt rettenden Agenten. So einfach ist es aber natürlich nicht, denn obwohl Mike mehr oder weniger unbeschadet sämtliche Angriffe übersteht, will ihn dennoch ständig jemand umbringen. Dabei gibt es durchaus ernste Charaktermomente, der komödiantische Unterton, bleibt aber klar die treibende Kraft hinter dem Geschehen. Dass dies alles nicht zum irrwitzigen, den Zuschauer aber kalt lassenden Spektakel verkommt, liegt neben dem Drehbuch, vor allem auch an den Darstellern.

Jesse Eisenberg (The Double) treibt hier seine Fähigkeit, den stink normalen Typen bzw. Außenseiter perfekt porträtieren zu können, gekonnt auf die Spitze. Man mag ihn einfach, gönnt ihm etwas Glück in seinem verkorksten Leben und hofft, dass er über sich hinauswachsen kann. Die Chemie zwischen ihm und Kristen Stewart (Still Alice) ist wahnsinnig gut und ich muss sagen, dass ich sie noch nie so sympathisch gefunden habe, wie hier. Liebevoll, verständnisvoll, kämpferisch, einfach die perfekte Frau für einen Nerd wie Mike es eben ist.

Auf der Seite der Bösen spielt Toper Grace (Eiskaltes Duell) äußerst amüsant den völlig unfähigen Anführer der Truppe, die Mike zur Strecke bringen soll. Ein selbstverliebter Schleimer, der noch nie etwas von Moral und Ethik gehört hat. Connie Britton (Nashville) hingegen, will ihren Sitz nicht kampflos an ihn abgeben und nimmt im weiteren Verlauf, eine Mentoren/Mutter-Rolle ein. John Leguizamo (The Take) als dauerquasselnder Drogendealer und Walton Goggins (Django Unchained) als irrer Killer Laugher, sorgen für überdrehten Ausgleich, zu den doch zahlreichen brutalen Szenen.

Besonders bei Laugher und seinem letzten Auftritt merkt man dann, dass auch die Nebenfiguren, den Machern nicht egal sind, was eine feine Sache ist. Äxte in Köpfe und Löffel in Hälse stecken ist keine schöne Sache, passiert auch fast immer im Bild, ist jedoch immer schnell gefilmt und passiert eigentlich nebenbei und in überspitzer Form, weswegen nie ein voyeuristischer Eindruck entsteht und die Art der Inszenierung, auch einiges an Intensität abschwächt. Dennoch natürlich ist der Film klar an ein erwachseneres Publikum gerichtet.

Insgesamt daher eine schräge Action-Komödie, die mit ihrer Liebe zu ihren Figuren und deren Darstellung auftrumpfen kann und deren geringer finanzieller Erfolg für mich wieder mal beweist, dass Amerikaner oft nicht wissen, was gut ist. Einfach abschalten und Mike zujubeln, wie er die Welt zu einem besseren Ort macht (oder so ähnlich). Ein „Wohlfühlfilm“ mit Gras (das zum Rauchen), Gewalt (der plakativen Art) und geheimen Projekten (die schiefgehen müssen). Für mich ein klarer Film zum „Immer wieder mal Ansehen und sich nachher besser fühlen“.

„American Ultra“ bekommt von mir 8,5/10 den mit Gras betäubten Helden in dir aufweckende Empfehlungspunkte.


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