American Fighter IV: Die Vernichtung – American Ninja IV: The Annihilation (Filmkritik)

Die Amerikaner mischen sich in einem Land in die Politik ein, natürlich undercover und bewaffnet – fliegen aber auf und müssen deshalb unter Gewehrfeuer fliehen. Ein paar davon werden gefangen genommen und gefoltert. Deshalb schicken die USA eine neue Truppe hin – bestehend aus zwei Leuten, nämlich Agent Sean Davidson (David Bradley) und seinen Kumpel. Sie sollen die „guten“ Jungs da rausholen, damit ihnen nicht das gleiche Schicksal widerfährt, wie es den Leuten in Guantanamo widerfährt. Ich meine ehrlich: So geht man ja nicht mit amerikanischen Soldaten um. Pfui.

Tragischerweise geht die Sache schief. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände – im Volksmund Dummheit und Arroganz genannt – wird auch die zweite (nochmal: aus zwei Personen bestehende) Einheit erwischt. Also wendet man sich an den einzig echten „American Ninja“ Joe Armstrong (Michael Dudikoff), der seinen Freund Sean aus der Patsche helfen soll …

Gleich vorweg – dieser Film ist auf so vielen Ebenen großartig, das ist schon fast nicht auszuhalten. Ich versuche mal, meine Begeisterung in Worte zu gießen, hoffentlich ist nachvollziehbar, was ich damit meine, denn „American Ninja IV“ ist in meinen Augen der mit Abstand beste Teil der Reihe und – das muss ich ganz offen sagen – ein subversiv absolut politischer Film, der trotzdem als „Guilty Pleasure“ perfekt funtkioniert.

Die Story an sich ist ja schon mal ein Wahnsinn: Die „Guten“ fliehen (in einer Szene, die wirkt als hätte man sie aus „Rambo II“ rausgeschnitten) vor den Bösen, werden gefangen und müssen befreit werden, weil der Böse Lösegeldforderungen stellt. Nämlich. Die Frage: Was haben die dort überhaupt gemacht? wird gleich gar nicht mal gestellt, weil es einfach völlig klar ist, dass Amerikaner mit Waffen und Guerilla-Kleidung eine Aufenthaltsberechtigung in jedem Land haben, weil … weil … sie halt die Guten sind. Punkt.

Dann schicken die nochmals zwei Kerle hin, um die anderen rauszuhauen. Die fetzen von Kontaktmann zu Kontaktmann, landen in einer Bar und müssen in einem (amerikanischen, macho-lastigen) Bar-Fight beweisen, dass sie die Richtigen für den Job sind. Genau dieser Macho-Beweis bringt den „bösen General“ Mulgrew auf ihre Spur. Sie werden verraten (weil jemand um sein Leben fürchtet) und müssen abhauen, werden von einer Amerikanerin (wie unverdächtig) versteckt und fliehen weiter – werden aber nach einer kurzen und coolen (und absolut sinnfreien, blöden, objektiv betrachtet dämlichen, aber absolut großartigen-80iger-Jahre-Style-witzigen) Ninja-Einlage erwischt.

Und hier sind wir bereits in der Mitte des Films angekommen. Hier wechselt der Hauptcharakter. Es dauert tatsächlich 45 Minunten bis Michael Dudikoff vorkommt. Als Lehrer. Der Kindern erklärt, was die Umwelt ist. Nämlich „alles um uns herum“. Sehr richtig. Und glaubwürdig. *räusper* Aber der coole Teil kommt jetzt: Alles was Sean in der ersten Hälfte gemacht hat, wird von Joe in der zweiten Hälfte … wiederholt. Weil er fast die gleichen Stationen abklappert, aber – und das finde ich so großartig – die Unterschiede zwischen den beiden sind super.

Während Sean der coole Amerikaner ist, der sich in seiner Mission für seine Landsleute einsetzt und der halt einfach der „Gute“ ist, so ist Joe viel pragmatischer und universeller veranlagt. Erstens spricht er so gut wie nie und zweitens ist ihm völlig egal in welchem Land er ist und wer gegen wen austeilt – ihn interessiert weder Amerika noch „Gut“ oder „Böse“ – er will einfach seinen Freund Sean befreien.

Das alles spricht er nie aus – aber man hat die ganze Zeit über genau dieses Gefühl – jeder gelangweilte Blick, jeder pragmatische „Okay, ihr wollt also kämpfen“-Moment, ruft ganz laut: „Echt jetzt? Ich, Joe Armstrong, der einfach Lehrer sein will, muss dir, Amerika, schon wieder den Hintern retten, nur weil du mit deinen verdammten Black Ops, glaubst, dich überall einmischen zu müssen?“.

Das mündet in – Vorsicht: leichte Spoiler – zwei großartigen Momenten: Als Joe Sean dann befreit verbrennt neben ihm ein anderer amerikanischer (vorher im Film als „richtiger“ Sympathieträger aufgebauter) Soldat, was Joe verhindern könnte, aber den lässt das absolut und völlig kalt. Der zuckt nicht mal mit der Wimper, weil „ich kenn den eh nicht, einer mehr auf der Totenliste, wen kümmert es“. Und die zweite Szene ganz am Ende des Films, als Joe das Schlachtfeld verlässt und alle „Guten“ auf der Treppe hinter ihm sitzen, blickt er nochmals auf all die Toten und sieht dann zurück zu Sean mit den Worten „Du findest mich im Klassenzimmer.“ Und geht. In dieser Szene wirkt er absolut wie ein Lehrer, der seinen Schülern einfach aufzeigt: „Seht ihr, was ihr angerichtet habt? Ja? Seht ihr es? Und? Macht euch das glücklich?“ Und braucht dazu noch nicht einmal irgendeine Mimik.

Was die Action-Szenen betrifft, so gibt es wirklich gelungene Szenen – und Dudikoff hat tatsächlich dazu gelernt. Hier glaubt man ihm über weite Strecken sogar, dass er Martial Arts kann. Das gleiche gilt für David Bradley – die beiden haben scheinbar in den Jahren dazwischen wirklich geübt. Und gut so. Die Kämpfe sind cool anzusehen (wenn auch unspektakulär) und spannend – teilweise sogar super geschnitten. Speziell das Doppel-Finale war sehr fein.

Ich habe keine Ahnung, ob die subversive Botschaft des Films oder die Ironie (der Oberbösewicht ist wirklich, wirklich böse – aber ein Amerikaner, der für einen – wie schrecklich – muslimischen Millionär arbeitet) beabsichtigt war, aber ich denke schon. Denn immerhin sagt zum Beispiel der Millionär, als er vorführt wie seine Ninjas für ihn freiwillig in den Tod gehen „Weißt du, warum sie so gerne für mich sterben? Ich sage ihnen, dass es sie näher zu Allah bringt“ – dann lacht er. Die Kritik ist also nicht einseitig, sondern beidseitig. Hier wird niemand bevorzugt.

Und das wird durch den Charakter von Joe super ausgedrückt: Es mir völlig schnurz, wer von euch angefangen hat – ihr habt doch alle einen an der Waffel.

Wer das alles nicht so sieht, oder wen das nicht juckt – auch kein Problem, denn der vierte Teil hat die bis dato besten Action-Momente der Reihe und ist – wer drauf steht – der mit Abstand brutalste Teil bisher. Da wird gefoltert und Menschen werden erschossen, obwohl sie kooperieren. Im Grunde beinharte Momente, die auch mit dem Wissen, es handelt sich um einen Trashfilm, nicht weniger unangenehm rüberkommen. Mulgrew wird definitiv als wirkliches Übel dargestellt, dem man aus Zuseher auch wirklich ein Ende wünscht – unabhängig von der oben erwähnten „Kritik“ an beiden Seiten, ist hier schon klar, wer unser Held ist. Nämlich nicht einmal Sean, sondern Joe – selbst wenn der erst so spät auftaucht.

„American Ninja IV: The Annihilation“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, unerwartet kritische und wenn man nicht denken will, einfach super unterhaltsamen Trash-Ninja-Film-Spaß abliefernde, Punkte.

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