American Fighter – American Ninja (Filmkritik)

Joe Armstrong (Michael Dudikoff) ist ein Soldat. Ein schweigsamer, einsamer Soldat. Aktuell ist er auf den Philippinen stationiert. Dort werden immer wieder ganze Ladungen von Lastwagen von Guerilla-Kriegern entführt und niemand weiß genau, was damit passiert. Bei einem dieser Überfälle wollen die Angreifer aber auch die Tochter von Col. Hickock (Guich Koock) entführen, was Joe – der sich als überragender Ninja-Kämpfer herausstellt, verhindert.

Durch seinen Widerstand kommen aber auch ein paar Soldaten ums Leben und das nehmen ihm die Jungs in der Basis übel. Allen voran Jackson (Steve James), der bis dato immer das Alpha-Tier im Camp war.

Niemand weiß etwas über Joes Vergangenheit, am allerwenigsten er selbst, doch er wurde von einem Ninja-Meister aufgezogen und in die geheimen Künste der Ninja eingeweiht. Die Aufklärung der Diebstähle bedeutet für Joe auch eine Reise in seine eigene Vergangenheit …

Oh – die 80iger Jahre. Das waren noch Zeiten. Da kam man als Filmemacher mit der einfachsten Story durch und wenn man die Actionszenen von damals mit heute vergleicht, dann muss man ja fast schon weinen. Vor allem als Filmemacher müssen die Neulinge heutzutage schon tausendfach mehr drauf haben als die Profis damals. Gleiches gilt natürlich für die SchauspielerInnen. Wer sich „American Ninja“ ansieht, der kann jetzt, 20 Jahre später nur mehr breit grinsen und aufgrund nostalgischer Gefühle Spaß an den Filmen haben, denn wirklich gut sind sie nicht. Das muss man objektiv mal festhalten.

Keine Ahnung mehr, wie oft ich die ersten beiden „American Fighter“ damals gesehen habe. Dutzende Mal, vielleicht sogar öfter als die erste Star Wars Trilogie. „Guilty Pleasure“ würde man wohl heutzutage dazu sagen, aber damals waren das noch echte Hits. Während man Stallone und Schwarzenegger aufgrund ihrer Muskelmasse noch glaubte, sie könnten anderen mit ihren Fäusten zu Brei schlagen, so wenig glaubwürdig waren andere als Helden. Zum Beispiel Michael Dudikoff. Der war mehr Feschak und Pseudo-James-Dean als alles andere, aber hey – es hat funktioniert.

Und ganz ehrlich: Das tut es immer noch. Ja, die Kämpfe sind langsam und peinlich. Ja, man klar erkennen, dass die Jungs sich nicht treffen, ja, die Schwertkämpfe sind so geschnitten und ausgeführt, dass es von der Optik und der Soundkulisse her mehr wie ein Wettstreicheln als ein Kampf wirkt, aber trotzdem … man muss es einfach lieben, wenn sich „unerwartete“ Story-Twists entfalten und alle Beteiligten absolut ernst bei der Sache bleiben.

Regisseur Sam Firstenberg hatte zum Zeitpunkt des ersten „American Ninja“, wie die Filme im Original heißen, bereits Erfahrung hinter der Kamera gesammelt und zwei Filme mit ähnlicher Thematik hinter sich, nämlich „Revenge Of The Ninja“ und „Ninja III: The Domination“. Der gebürtige Pole hatte mit „American Fighter“ immerhin so großen Erfolg, dass er auch beim zwei Jahre später erschienen zweiten Teil die Regie über hatte.

Der Film mit dem Michael Dudikoff als Action-Star bekannt wurde – so konnte Dudikoff damals weder Martial Arts, noch wirklich schauspielern. Das Problem beim Martial Arts war, dass sein Co-Star, nämlich Steve James ein Stuntman war, der wirklich etwas von Martial Arts verstand und so eigentlich weit besser für die Rolle geeignet gewesen wäre. Noch dazu musste James laut Drehbuch gegen Dudikoff, der keine Ahnung von dem hatte was er tat, verlieren. Da trafen Egos aufeinander. Es dauerte bis gut zur Hälfte der Dreharbeiten vom zweiten Teil bis die beiden sich endlich zusammenrauften.

Glücklicherweise merkt man dem Film das so gut wie gar nicht an. Dudikoff ist primär cool und James ist mehr oder minder da um groß die Klappe aufzureißen. Mehr ist im Grunde nicht dahinter. Witzig finde ich, dass die Schauspieler-Biographie auf der IMDB von Steve James bis heute noch mit folgenden Zeilen beginnt: „Üblicherweise wurde James als Sidekick für andere engagiert obwohl er meistens der bessere Kämpfer und auch Schauspieler war als die Stars.“ Da hat wohl jemand wirklich was nie so richtig verkraftet. Leider ist James 1993 verstorben.

Dudikoff dagegen hat nach dem Film einige/viele absolut durchschnittliche Actionstreifen gemacht und werkt aktuell immer noch in manchen Filmen. Witzigerweise kann man nicht sagen, dass diese an Qualität eingebüßt haben, da viele davon „Amerian Fighter“ in Optik, Effekten, Schnitt und Schauspielleistung sehr ähnlich sind. Allerdings haben diese den Nachteil nicht über 20 Jahre alt zu sein (zum Beispiel: „Navy Seals vs Zombies“) und deshalb keinen Nostalgiebonus, der sie sehenswert macht.

Filmnamen-Anmerkung: Als der erste Trailer veröffentlicht wurde, hieß der Film noch „American Warrior“, dann wurde er auf „American Ninja“ umgetauft und in Europa heißt er „American Fighter“. Warum auch immer.

„American Fighter“ bekommt von mir 6 von 10 möglichen, und mindestens zwei davon der Nostalgie schuldende, Punkte.

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