Sherlock 2010 (Neue Serie)

Ein Serienmörder treibt in London sein Unwesen. Anfangs noch unbemerkt von der Polizei, scheint es erst, als ob eine Reihe von seltsamen Selbstmorden die Stadt in Atem hält, doch nach 4 sehr ähnlichen Selbstmorden, alle durch ein Gift, beginnt auch die Justiz die Sache für nicht koscher zu halten. Aus Mangel an Alternativen zieht Inspector Lestrade (Rupert Graves) jemanden zu Rate, den eigentlich keiner ausstehen kann: Sherlock Holmes (Benedikt Cumberbatch). Sherlock aquiriert gleich in der ersten Folge Dr. James Watson (Martin Freeman) als seinen Freund/WG-Genossen/Helfer. Der Afghanistan-Veteran weiß nicht so recht wie ihm geschieht, aber über kurz oder lang steckt er mitten in den Ermittlungen von Holmes.

Sherlock-2010

Sherlock Holmes in der Gegenwart? Geht denn das? Die Antwort ist ja. Es mögen vielleicht manche widersprechen, die sehr an den Originalen von Sir Arthur Conan Doyle hängen, aber ich bin immer offen für Neues und störe mich nicht an der nur losen Anlehnung an Doyles Charaktere.

Sherlock erinnert stark an die Figur die Robert Downey jnr. in „Sherlock Holmes“ darstellte – ein Soziopath wie er im Buche steht, hochintelligent, uninteressiert an den Gefühlen und Meinungen anderer, die Einhaltung von Regeln ist ein absolutes Fremdwort für den Guten. Sherlock ist eine Art Freelance Berater der Polizei (ein Beruf den er seiner Meinung nach erst geschaffen hat). Er wird erst zu Rate gezogen wenn die Situation auswegslos ist. Sein Können in der Deduktion (Schlussfolgerung vom Allgemeinen auf das Besondere) demonstriert er gleich bei seinem ersten Treffen mit Watson, wo er gleich aus einigen Beobachtungen schlussfolgert, dass er ein Army-Doktor ist, einen alkoholkranken Bruder hat und dass sein Hinken psychosomatisch ist.

Gespielt wird Sherlock von Benedikt Cumberbatch, der einen wirklich guten Job macht, soweit man das nach der ersten Folge sagen kann. Man kauft ihm seine Darstellung dieser sehr komplexen Figur ab und kann nicht umhin sich zu fragen, ob er in Wirklichkeit auch Ähnlichkeit mit Sherlock hat. Entgegen mancher Gegenstimmen finde ich keineswegs, dass er für diese Rolle zu jung wirkt. Man kennt ihn wohl am ehesten aus „Die Schwester der Königin“ und „Abbitte“.

Watson wird gespielt von Martin Freeman, den man wohl von „Per Anhalter durch die Galaxis“ wieder erkennt. Auch er spielt überzeugend und man kann gar nicht anders als zu schmunzeln, wenn man sieht, wie Watson in einer Verfolgungsszene auf einmal sein Hinken vergisst und wie der Blitz hinter Sherlock her rennt. Watson ist ein Kriegsveteran, der nach einem Schuss in die Schulter zurück ins regnerische London kehrt, das er sich aber von seiner kleinen Army-Pension aber eigentlich gar nicht recht leisten kann.

Seine Psychotherapeutin regt ihn an, einen Blog zu schreiben, um seine Erfahrungen im Krieg zu verdauen, doch ihm fällt einfach nichts zu schreiben ein, denn sein Leben ist gelinde gesagt fad. Durch einen Freund lernt er Sherlock Holmes kennen, der ihn schon beim ersten Treffen wie oben erwähnt analysiert und dadurch seinen Respekt und sonderbarerweise auch gleich sein Vertrauen gewinnt. Bevor er weiß wie ihm geschieht, teilt er sich mit Holmes nicht nur eine Wohnung, sondern ist auch bei dem wohl brisantesten Fall der Polizei an vorderster Front dabei.

Lestrade wird gespielt von Rupert Graves, ein für mich bis dato unbekannter Schauspieler, der schon in der ersten Folge klar macht, wie es ihm widerstrebt Sherlock hinzu zu ziehen und tut dies nur als letzten Ausweg. Als er Sherlock zur Kooperation drängt, indem er dessen Wohnung auf Drogen filzen lässt kommt es darauf hin zu einer skurrilen Situation, in der Lestrade und Holmes ihre Nikotinpflaster vergleichen.

Vinette Robinson spielt die Sgt Sally Donovan, die Sherlock mit einer Leidenschaft hasst, die sich fast nur durch verschmähte Liebe erklären lässt. Als Sherlock dann auch noch feststellt, dass sie wohl mit einem Kollegen fremd gehe, weil sie nach dem gleichen Deo riechen, platzt ihr beinahe der Kragen und so rät sie Watson aufs dringendste, sich von Holmes fern zu halten. Ich will nichts über den Mörder verraten, aber auch SPOILER (Phil Davies) SPOILER ENDE tat einen super Job und war herrlich unsympathisch und man war froh, als er tot war.

Was die ganze Sache ein wenig auflockert ist die Filmmusik, die so gar nicht in diese moderne Zeit passen will, aber dann die beachtliche Leistung vollbringt, dem ganzen ein wenig von dem Flair den London vor wohl etwa hundert Jahren gehabt hat, zurück gibt.

Alles in allem: Well Done! Definitiv empfehlenswert für alle die keine Probleme mit britischen Akzent haben und der englischen Sprachen ausreichend mächtig sind würde ich natürlich die OV empfehlen, wobei auch die deutsche Synchro nicht einmal so schlecht geworden ist.

Noch ein Zitat zum drüberstreuen – Sherlock Holmes: Anderson, don’t talk out loud. You lower the IQ of the entire street

Sherlock bekommt 8/10 sehr britischen Punkten.


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