Sherlock – Staffel 3 (Serienkritik)

Er hat überlebt. Sherlock (Benedict Cumberbatch) hat den Fall überlebt und ist wieder zurück. Nachdem er jahrelang undercover in der Welt herumgedüst ist, um Moriartys Netzwerk zu zerstören wird er von seinem Bruder Mycroft nach London zurückgerufen, um dort eine Terrorzelle auszuheben.

Was sie alle nicht ahnen: Es gibt da jemanden, der politisch die Fäden zieht und über alle möglichen Menschen in England die Macht und die Kontrolle hat. Er kontrolliert die Presse und dadurch wer aufsteigt und fällt. Aber (noch) agiert er im Hintergrund und er wird gerade erst auf Sherlock aufmerksam.

Da kommt es diesem Mann gerade recht, dass John Watson (Martin Freeman) nun eine fixe Freundin (Amanda Abbington) hat, die er auch heiraten will – denn dies sorgt nicht nur für Ablenkung, es sorgt auch für einen absolut folgenschweren Schwur …

Zwischenspiel: Many Happy Returns

Als kleinen Vorgeschmack auf die Rückkehr von Sherlock in der dritten Staffel im Jänner 2013 gab es diesen Kurzfilm, in welchem Anderson (ein Polizist aus LeStrades Gruppe, der mehr oder minder Moriarty längere Zeit in die Hände gespielt hat) nach Anzeichen und Kriminalfällen auf der ganzen Welt sucht, die „unlösbar“ waren, aber gelöst wurden, was ihn dazu bringt LeStrade einreden zu wollen, Sherlock sei noch am Leben.

Fazit: Nett und ganz unterhaltsam.

Folge 1: The Empty Hearse

Es gab so viele Spekulationen im Internet, so viele Theorien und so viele Leute, die meinten, sie hätten die Wahrheit mit dem Löffel gefressen. Wie hat Sherlock den Fall überlebt? Und dann kommt Staffel 3 und die Auflösung dieser Frage – oder doch nicht?

Nein, nicht so richtig, denn wir bekommen als ZuseherInnen mehrere Möglichkeiten angeboten, aber keine davon erklärt wirklich alles. Schön, denn wenn es „die eine“ Erklärung gegeben hätte, dann wäre das sicher auch eine unterwältigende Erklärung, die ohnehin nicht zufriedenstellend gewesen wäre. Überhaupt geht es in dieser Folge eh wieder weniger um einen Fall oder ähnliches, sondern um den Umgang der „anderen“ Figuren mit Sherlocks Rückkehr.

Genial dabei der mehrfache Anlauf von Sherlock und John. Am emotionalsten, schönsten und herzerwärmendsten ist das Treffen mit LeStrade. Hach. So einfach und so toll. Außerdem wird Mary eingeführt, die von der mir bis dato unbekannten Amanda Abbington, gespielt wird. Der Plot im Hintergrund ist nicht der großartigste, aber da hier ohnehin die Charaktere im Vordergrund stehen und die Versöhnung von John und Sherlock, geht das schon durch.

Fazit: Witzige und coole Folge, die weit mehr Humor beinhaltet als man annehmen sollte. Auf sich allein gestellt eine „okay“-Folge. Ab dieser Folge hier ist es empfehlenswert auch alle vorherigen Folgen gesehen zu haben, um noch dabei zu sein.

Folge 2: The Sign Of Three

Es ist soweit – John und Mary heiraten. Natürlich bleibt es nicht bei der Hochzeit und ein Attentat ist geplant, allerdings weiß niemand so recht auf wen und auch überhaupt, ob es wirklich eines gibt. Die Folge lebt viel von Rückblenden und von den Erzählungen von Sherlock. Diese Folge benötigt viel Vorwissen, da die Verwandlung von Sherlock aus der ersten Staffel zu dieser Person, die hier sitzt unglaublich ist.

Sicher, er ist immer noch sozial leicht eingeschränkt und ein wirklich großartiger Redner wird er nie werden (auch wenn die Rede super ist). Hand aufs Herz – ich hatte Tränen in den Augen während seiner Ansprache über John und Mary.
Aber auch diese Folge dient eigentlich nur dazu, die nächste und letzte Folge einzuleiten. Diese Folge hier – die Beziehung zwischen Sherlock und John und nun auch Mary dazu – das ist enorm wichtig für alles, was danach noch kommt, denn am Ende dieser Folge gibt Sherlock ein Versprechen. Und dieses Versprechen fordert Opfer.

Oh – ein betrunkener Sherlock ist übrigens super anzusehen.

Fazit: Lustige, witzige Folge mit ein paar Längen, die aber absolut notwendig und wichtig für alles ist, was danach passiert und aufzeigt, wie weit Sherlock als Mensch gekommen ist. Rührend, lustig. Tolle Folge.

Folge 3: His Last Vow

Ja, der Bösewicht ist nicht der Wahnsinn. Allerdings muss man anmerken – was soll nach Moriarty noch kommen? Eben. Da kann es nur bergab gehen. Lars Mikkelsen spielt Magnussen wirklich gut, ekelerregend und überheblich. Da kann man nichts Schlechtes sagen. Das Drehbuch schwächelt ein wenig, wenn es um die Bedrohung geht, die Magnussen darstellt, da kann Sherlock ihn noch so oft als „den gefährlichsten Mann der Welt“ bezeichnen. Das kommt nicht so richtig rüber.

Was allerdings super rüberkommt ist, wie wichtig Mary für John ist. Und vor allem die Hintergrundgeschichte von Mary. Dass die Frau nicht einfach nur irgendjemand ist, war wohl allen klar. Spätestens als sie in der ersten Folge dieser Staffel mit Sherlock spricht, weiß man das. John läuft davon, weil er sauer ist, dass Sherlock ihn in dem Glauben gelassen hat, Sherlock sei tot. Mary blickt John nach und sagt dann zu Sherlock: „Ganz ruhig, ich spreche mit ihm, das kriegen wir wieder hin.“ Spätestens da weiß man, wie großartig diese Frau ist/sein muss.

Und – oh Junge, da bekommen wir ja halbwegs was aufgetischt. Dann kommt nochmals ein Mary-John-Moment mit den Worten: „Die Probleme deiner Vergangenheit sind mir egal. Aber deine Probleme der Zukunft sind mein Privileg.“

Und spätestens am Ende dieser Folge sollte allen klar sein, warum die ersten beiden Filme dieser Staffel so wichtig waren. Kontext ist alles. Überraschenderweise ist dies auch die Staffel, in welcher der Fokus weggeht von den Kriminalfällen, hin zu emotionalen Momenten. Es geht nicht mehr um die Lösung von Kriminalfällen. Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen und darüber, wie sehr Sherlock „menschlich“ geworden ist. Über den Wert von Freundschaft. Darüber, wie viel man für das Glück seiner Freunde opfert, auch wenn man nicht darum gebeten wird und selbst dabei auf der Strecke bleibt.

Fazit: Kriminaltechnisch enttäuschend, aber emotional extrem packend.

Staffel-Fazit: Diese Staffel ist die erste, die man nur in Summe richtig beurteilen kann, denn sie funktioniert nur zusammenhängend. Die drei Filme erzählen eine Geschichte und ein Film baut auf den anderen auf. Diese Staffel ist auch eine, die von den SeherInnen gespalten aufgenommen wurde. Viele fanden die Abkehr von den Kriminalfällen falsch und mochten die neue Ausrichtung nicht. Die anderen – so wie ich – sind Fans der Charaktere und ihrer Interaktion, die fanden sie großartig. Leider hat man den Bösewicht ein wenig vernachlässigt (immerhin musste man am Ende andeuten, dass ein „alter“ Bösewicht zurückkehrt, um spannend zu bleiben), aber der ist hier auch nur Mittel zum Zweck. Erneut: Unter diesem Gesichtspunkt – großartiges Fernsehen.

„Sherlock – Staffel 3“ bekommt 9 von 10 möglichen, mehr auf Emotion als auf Logik setzende, Punkte.

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