Sherlock – Staffel 1 (Serienkritik)

Gerade aus dem Krieg zurückgekehrt, versucht Dr. John Watson (Martin Freeman) sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Es ist schwer einen Job zu finden und generell ist es nicht einfach als Veteran mit kaputtem Bein, an einen Stock gebunden, in London wieder Fuß zu fassen, wenn man wenig Einkommen hat, dafür aber von (Alb)Träumen aus dem Krieg geplagt wird. Durch Zufall wird John Watson einem Herrn namens Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) vorgestellt, der interessanterweise jemand sucht, mit dem er sich eine Wohnung teilen kann.

Rasch stellt sich dieser Holmes als der Polizei ziemlich bekannt heraus, weil er sie bei ihren ganz harten Fällen unterstützt und durch seine geniale Methode der Deduktion absolut absurde, aber meist wahre, Schlussfolgerungen aufstellt, welche schon viele Fälle gelöst haben. John ist fasziniert und abgestossen von dieser Intelligenzbestie, die leider mit einem sehr großen Ego und sehr wenig Mitgefühl gesegnet ist.

Dennoch beginnt er über die Fälle von Sherlock Holmes zu bloggen, was ihm auch seine Therapeutin rät, und rasch gewinnt Holmes an Berühmtheit. Das lockt aber auch mächtige (und intelligente) Gegenspieler auf den Plan …

Folge 1: „A Study In Pink“

In der ersten Folge, die hier von meiner Kollegin bereits rezensiert wurde, werden die Charaktere eingeführt und klar gemacht, wie ein Sherlock Holmes in der Neuzeit funktionieren kann. Bereits hier merkt man, mit welchem Eifer alle Beteiligten dabei sind und wie sehr die Schreiber der Serie die Bücher von Sir Arthur Conan Doyle zu schätzen wissen, denn es befinden sich etliche Anspielungen in dieser Folge wieder. Nur ein sehr plakatives Beispiel: Im Buch löst Sherlock den Fall unter anderem weil er um die englisch/deutsche Übersetzung des Wortes „Rache“ weiß. Im Film wird Sherlock darauf hingewiesen, dass „Revenge“ ja „Rache“ bedeutet – woraufhin Sherlock ihn zurechtweist, weil das ja eh jeder weiß und es nichts zur Sache tut.

Die Drehbuchschreiber sind wirklich grandios. Hut ab vor Steven Moffat und Mark Gatiss, welche die Serie erfunden und auch alle Drehbücher geschrieben (und sogar mitgespielt) haben. Auch der Cast war wirklich perfekt gewählt, denn wenn auch damals niemand wirklich wusste (außer ein paar Auserwählten) wer Benedict Cumberbatch war und wer Martin Freeman, so sind die beiden mittlerweile so berühmt und begehrt, dass sich der Dreh zu Staffel 4 von Sherlock wirklich lange hinzog.

Fazit: Als erster Fall und für den Einstieg überaus passend (am Ende wird der „große Bösewicht im Hintergrund“ eingeführt, den alle Holmes-Kenner lieben), da die titelspendende Geschichte auch der erste Auftritt von Holmes auf der Literaturbühne war.

Folge 2: „The Blind Banker“

Diese Folge fand ich persönlich eher nett, weil es die Charaktere näher zusammenbringt und ein paar neue Seiten (gerade von John) ins Spiel bringt. Die Geschichte selbst war nicht besonders großartig, wie ich anmerken möchte, wenn auch super gemacht und inszeniert.

Langsam stellt sich heraus, welche Charaktere für „Sherlock“ funktionieren und welche er um sich herum braucht um als Figur zu überzeugen und als Charakter überhaupt leben zu können. Da ist gleich mal John Watson und nach so kurzer Zeit fragt man sich bereits, wie Sherlock je ohne ihn überleben konnte. Dann taucht auch noch Mrs. Hudson auf (gespielt von Una Stubbs), die die Vermieterin der beiden ist (nicht ihre Haushälterin!). Auch Molly Hooper (genial verkörpert von Louise Brealey) taucht auf, die in den kommenden Folgen zwar mal mehr mal weniger oft vorkommt, aber für die Figur von Sherlock immer wichtig bleiben wird.

Am Ende der Folge bereitet uns eine kurze Szene darauf vor, dass auch hier der gleiche Bösewicht wie im ersten Film die Finger im Spiel hatte. Und Spiel trifft es, denn „The Game Is On!“.

Fazit: Ein an sich spannender Fall mit tollen Dialogen, witzigen Momenten und ein paar unerwarteten Action-Szenen. Alles in allem eine gute Folge, aber keines der Highlights. Natürlich kann man jetzt schon sagen: Eine „Okay“-Folge von Sherlock ist immer noch besser als eine „Wow“-Folge einer anderen Serie.

Folge 3: „The Great Game“

Die dritte Folge und das Finale der ersten Staffel – spätestens ab hier war völlig klar, wie genial das Konzept der Neuverfilmung von Sherlock funktioniert. Nämlich gleich auf mehreren Ebenen:

Gleich mal bei den Charakteren: Sherlock weiß nicht alles (geben wir es zu: In den Büchern ist er hin und wieder schon ein wenig ein alleswissender Klugsch****r), aber er weiß, wie er die modernen Medien nutzen muss (Internet, Handy, etc). Auch hier ist er immer wieder überheblich und ein Klugsch****r, keine Frage, aber im Gegensatz zum Literatur-Sherlock klopft man sich bei diesem hier auf die Stirn, weil man selbst nicht darauf gekommen wäre a) und b) zu googeln und danach zusammen zu zählen. In den Bücher fragt man sich manchmal nur, wie ein Mann sowas auswendig wissen kann. Die Figuren rund um ihn sind glaubwürdig geworden und sie definieren sich durch ihn, genauso wie er sich durch sie.

Die Inszenierung: Action und sogar die Gespräche(!) reißen mit, da keine Sekunde vergeht in welcher nicht entweder ein verbaler Schlagabtausch zwischen zwei Personen stattfindet oder eine neue Entdeckung gemacht wird. Die Schnitte und die Effekte sind großartig – das ist Fernsehen auf einem technischen Niveau auf dem sich manche Filme etwas abschauen könnten. Die SchauspielerInnen haben bis hier bewiesen, dass sie geradezu dafür geboren wurden, diese Rollen auszufüllen und man kann sich keine anderen mehr darin vorstellen. Und der Bösewicht: Grandios, sag ich nur. Grandios gespielt und perfekt geschrieben. Diese Folge holt die SeherInnen am Anfang mit Schwung ab und wirft sie am Ende mit einem Fußtritt wieder raus. Wow, sag ich nur. Wow.

Fszit: „Sherlock“ auf dem Höhepunkt, genau das was man sich von der Serie in Zukunft erwartet. Eine verdammt rasche Folge mit vielen kleinen Fällen, die alle zusammen ein großer Fall sind. Unerwartete, aber passende Wendungen und Charaktere, die langsam, aber sicher zusammenwachsen.

Staffel-Fazit:
Die Idee drei Filme pro Staffel zu machen bei denen die ersten beiden zwar theoretisch für sich stehen können, der dritte aber a) ohne die ersten beiden weder story- noch emotionstechnisch funktionieren kann und der b) einen übergeordneten Storybogen mehr oder weniger abschließt … ist grandios Und hält so für das Staffelfinale wirklich super Momente bereit, die nur aufgrund der großartigen Vorbereitung in den vorigen Folgen so funktionieren können. Der Cast ist wirklich perfekt, die Musik ebenfalls und die Dialoge – großartig. Wobei ich hier nur die englische Version gesehen habe – britisches Englisch! Das muss man im Original sehen.

„Sherlock – Staffel 1“ bekommt von mir 8,5 von 10 möglichen, mit „The Blind Banker“ für mich ein bisschen schwächelnde, Punkte für einen grandiosen Serienauftakt.

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