Orwell (Game-Review)

„Wir danken dir, Bürger, dass du dich entschieden hast im ORWELL-Programm mitzumachen. Wir händigen dir nun den Zugang zum Programm aus und dein Handler wird dich über alle wichtigen Funktionen aufklären. Danke, dass du uns hilfst THE NATION sicherer zu machen.“

So ähnlich beginnt dein erster Arbeitstag. Es ist deine Probezeit im ORWELL-Programm. Deine Aufgabe: Durch Recherche die Sicherheit der Bürger*innen in THE NATION sicherzustellen. Dumm nur, dass genau an diesem Tag eine Bombe hochgeht und es an euch liegt, die Täter zu finden. Also nutzt ihr alle Möglichkeiten der Überwachung, die euch das ORWELL-Programm bietet. Ihr hört Telefone ab, lest Mails, checkt Webseiten und Profile auf Sozialen Medien und ihr hackt – notfalls – sogar die persönlichen Geräte (Handys, Laptops) eurer Zielpersonen, denn ORWELL muss sich erst noch beweisen. Und was würde sich dazu mehr eigenen als die Attentäter zu finden?

Das ist jetzt mal ein Spiel, welches mich fast unruhig hat schlafen lassen, den es zwang mich zur sehr genauen Reflexion über meinen Umgang mit meinen Daten. Es ist schauerlich, was man durch Online-Einträge und ähnliche Dinge für ein Bild von einem (oder mehreren) Menschen bekommt. Orwell schafft es perfekt zu vermitteln, wie rasch man sich in einem überwachten Staats kriminalisieren kann.

Der Clou ist einfach: Wir entscheiden nicht selbst, wen wir anklagen und welche Personen wir aushorchen, sondern wir melden unserem Vorgesetzten wichtige Informationshäppchen. Finden wir zB auf einer Internetplattform einen Beitrag, in welchem die Zielperson meint, dass man „das Regime in die Luft jagen muss“, dann liegt es an uns, diesen Text weiterzugeben oder eben nicht. Je nachdem wie wir als Spieler die Aussage werten (glaubt die Person das wirklich? War es Sarkasmus?), melden wir das weiter. So kann zum Beispiel eine sarkastische Aussage sehr rasch von unserem Vorgesetzten als Absichtserklärung verstanden werden und so sich so der Verdacht gegen unschuldige Bürger*innen erhärten.

Oder es gibt unterschiedliche Angaben zur gleichen Person. Steht auf Seite X, dass die Person alleinerziehende Mutter ist und auf Seite Y, dass sie keine Kinder hat … was glauben wir dann? Steht auf Seite B, dass sie eine Waffe besitzt und auf Seite C, dass diese ihr bereits abgenommen wurde, was melden wir dann? Und überhaupt – viele unserer Informationen haben wir aus Zeitungen und Nachrichtenschnipseln … wer sagt uns allerdings, dass die gut recherchiert haben? Oder es stellt sich heraus, dass der Artikel von einer Drittperson der einer Zielperson von uns gewalttätige Handlungen unterstellt, von einer unserer anderen Verdächtigen unter falschem Namen verfasst wurde. Und wir haben uns darauf verlassen!

Die Schwierigkeit dabei: Da ORWELL nur bestimmte Datenmengen verarbeiten kann, ist es so, dass wir Informationen, die wir bereits ins System eingeschleust haben, nicht mehr rückgängig machen können. Das bedeutet: Haben wir die Lügen geglaubt, dann glaubt das System sie auch und das kann schon dazu führen, dass plötzlich die Polizei schwer bewaffnet die Tür einer (unschuldigen) Verdächtigen eintritt.

Das Interface ist simpel und die Grafik ist zwar stilsicher, aber Mittel zum Zweck. Wir ziehen aus Spalte X Infos zu den Zielpersonen im System und schauen so, dass wir ein möglichst stimmiges, korrektes Bild der Person wiedergeben. Oder eben nicht. Das ist unsere Entscheidung. Und am Ende sehen wir ja, was rauskommt.

Tatsächlich ist es so, dass es schon bestimmte Storywege gibt an denen wir nicht vorbeikommen. So gibt es einen Hacker, es gibt eine Verschwörung und es gibt immer eine Person, die bereits (ohne unser Wissen bereits von Anfang an) tot ist. Die Mischung macht es jedoch und die Art und Weise, wie Orwell und vor allem wann Orwell uns diese Informationen herausfinden lässt haben ziemlich Eindruck bei mir hinterlassen.

Es ist ein simples Konzept, das aber sehr viel aussagt. Über Freiheit. Über Überwachung. Über Gewalt. Über politische Einflussnahme. Über Bomben. Und über den Umgang mit der freien Meinungsäußerung im Internet und wie diese verwendet werden kann.

Kurz: Orwell ist ein MUST PLAY für die heutige Zeit.

„Orwell“ bekommt von mir 9,5 von 10 möglichen, durch seine Einfachheit und Offenheit absolut mitreissende, Punkte.


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