Bloodshot (Filmkritik)

Ray Garrison (Vin Diesel) ist Soldat und zwar ein richtig guter. Dennoch wacht er eines Tages auf dem Tisch von Doktor Harting (Guy Pearce) auf. Der offenbart ihm, dass er gestorben ist und nur mit Hilfe neuartiger Naniten-Technologie wieder aufgeweckt werden konnte und dass es der erste erfolgreiche Versuch an einem Menschen sei.

Ray kann sich an sein früheres Leben nicht erinnern und hat Schwierigkeiten, mit der neuen Situation zu Recht zu kommen. Er freundet sich mit der ebenfalls technologisch verbesserten KT (Eiza Gonzales) an und als sie gemeinsam anstoßen, kommen plötzlich Erinnerungen zurück. Ray hatte eine Frau und er weiß, wer sie getötet hat. Zeit die Nanomaschinen in seinem Körper auf die Probe zu stellen…

Ja, der gute alte Vin Diesel, er kann einfach keinen Film machen, der nicht auf ein Franchise ausgelegt wäre. Mit Fast and Furious hat er finanziell ja längst ausgesorgt (Teil 9 und 10 kommen noch), doch auch mit den seichten Triple X Filmen als auch mit seinem kultigen Charakter Riddick soll es angeblich weiter gehen. Und Groot spricht er ja ebenfalls (hallo Guardians of the Galaxy). Bloodshot basiert auf dem gleichnamigen Valiant Comic und hätte der erste Film in einem übergreifenden Universum des Verlages sein sollen. Den Erfolg von Marvel, kann man jedoch nicht so einfach kopieren, weswegen diese Pläne wieder auf Eis gelegt wurden.

Der Film hat 45 Millionen gekostet und nur knappe 30 wieder eingespielt, dank dem Corona-Virus muss man sagen, denn nach fünf Tagen im Kino wurde bereits bekannt gegeben, dass er eine Woche später digital erscheinen wird (wo er auf Amazon Prime drei Tage lang der meist gesehene Film war). Regie führt hier erstmals Dave Wilson, der bisher vor allem als Regisseur von cinematischen Trailern von Videospielen sein Geld verdient hat (Star Wars: The Old Republic). Ob es also weiter geht, das steht noch in den Sternen.

Die Story an sich ist zusammen gewürfelt aus diversen bekannten Stücken der Popkultur. Ein verbesserter Soldat der Marke Robocop, Heilkräfte bei denen Wolverine neidisch werden würde und ein beeinträchtigtes Gedächtnis, dass mit dem von Guy Pearce in Memento mithalten kann. Er wird manipuliert, als Waffe missbraucht, bis er darauf aufmerksam gemacht wird und sich gegen seinen Schöpfer wendet. Weiß man, dass Jeff Wadlow (Kick Ass 2, Truth or Dare) am Drehbuch beteiligt war, dann könnte es jedoch durchaus noch viel schlimmer sein (außerdem muss er ja mit dem Ausgangsmaterial der Comics arbeiten).

Was dann doch irgendwie wieder ein wenig anders wirkt, ist wie der Antiheld hier völlig ohne Rücksicht auf sich selbst agiert. Der lässt einfach alles seine Naniten regeln, schluckt Kugeln, produziert Unfälle und liebt Explosionen aus nächster Nähe. Ausweichen war gestern, das sollen die anderen Helden übernehmen. Die Action an sich ist wuchtig inszeniert, mit teilweise schnellen Schnitten und eigentlich nur bei einer Szene wird so viel CGI eingesetzt, dass es doch sehr steril wirkt.

Was wenig wundert, ist dass Vin Diesel einfach sein Programm abruft und die Figuren rund um ihn, um einiges spannender wirken. Außerdem hat man um ihn keine Angst, da er nicht auf sich selbst achtet, also warum sollte ich als Zuschauer dies tun? Da wäre zunächst Eiza Gonzalez (Baby Driver) als KT. Starke Ausstrahlung, geheimnisvoll, verführerisch und im weiteren Verlauf auch die Einzige, die sich (auch ohne Manipulation ihrer Erinnerungen) gegen die ihr zugewiesene Rolle widersetzt. Sie wäre die spannendere Hauptfigur gewesen, aber egal, dafür ist sie auch nicht nur ein Love Interest, sondern eine Partnerin des Helden.

Sam Heughan als Soldat Jimmy genießt es sichtlich außerhalb seiner „Outlander“ Serie, einmal einen richtig egoistischen Mistkerl zu spielen, der sich selbst für den Besten hält und es liebt, mit Ray auf verschiedene Arten zu spielen. Guy Pearce (Iron Man 3) ist der Wissenschaftler, dem es nur ums Geld geht und Menschen für ihn nur Marionetten sind, die er einsetzt, wie er sie gerade braucht. Lamorne Morris (Game Night) schließlich macht Spaß als Techniker, der typische Sidekick Charakter, der als Comic Relief fungiert.

Die Darsteller passen also und sind mit Engagement dabei, die Action fetzt, die Effekte sind großteils stimmig, die Story bekannt bzw. nicht existent. Es ist hier wie mit einem Burger, manchmal hat man eben richtig Laune einen zu essen, das ist dann auch ein feiner Moment, es bleibt dennoch Fast Food. Über Ray und seine Welt denkt man sobald der Nachspann beginnt, nicht mehr nach. Ich hab insgesamt weder den Anspruch groß zu schimpfen, noch kann ich klar eigenständige Highlights hervor heben. Dafür ist das Finale mit der „die Welt steht uns offen“ Botschaft, ohne offene Enden oder klare Hinweise auf Fortsetzungen, eine wahre Wohltat.

„Bloodshot“ bekommt von mir 6,5/10 Comics aus der zweiten Reihe, auch eine durchaus verdiente Chance gebende Empfehlungspunkte.


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