The Turing Test (Game-Review)

Die Ingenieurin Ava Turing wird aus dem Cryo-Schlaf geweckt, da das Bodenteam, welches die Proben auf dem Jupitermond Europa testen sollte, sich nicht mehr meldet. Mehr noch: Sie haben sich eingeschlossen und wollen mit T.O.M. (Technical Operations Machine), der künstlichen Intelligenz, welche die gesamte Operation mehr oder weniger leitet, keinen Kontakt mehr.

Noch dazu haben sie T.O.M.s System gehackt und die Bodenstation, die aus blockförmigen Würfeln besteht, zu einer Art „Schloss“ umgewandelt, damit dieser auch keinen Zugang mehr zu ihrem Bereich haben kann. Deshalb braucht T.O.M. Avas Unterstützung, denn diese Blockräume sind Rätsel und sie sind so gebaut, dass nur eine menschliche Intelligenz sie lösen kann.

Die Frage ist : Warum versteckt die Crew sich vor T.O.M.? Ist er verrückt geworden und nutzt er Ava aus? Oder ist die Crew verrückt geworden und will T.O.M. wirklich nur helfen?

Der „Turing Test“ wurde von (wie kreativ) Alan Turing entwickelt und soll im Grunde genommen nur eines feststellen: Ist die Person mit der ich kommuniziere ein Mensch oder eine Maschine. Das ist die große Frage. Ein Test bzw. ein Experiment, welches schon mehrfach diskutiert wurde und auch das „chinesische Raum“-Experiment spielt diesbezüglich eine Rolle. Wer jetzt schon nur noch Fragezeichen im Kopf hat, der oder die kann beruhigt aufatmen, denn diese Dinge müssen euch VOR dem Spiel eigentlich nichts sagen. Nach dem Spiel werdet ihr allerdings viel nachdenken über Menschen, Maschinen, Unsterblichkeit und Moral. Und ihr werdet wissen, was der Turing-Test ist, wo seine Grenzen liegen, was die Kritik daran darstellt, was das „Chinesicher Raum“-Experiment ist und warum es wichtig ist und vor allem – ihr werdet ziemlich sprachlos sein ob der Konsequenz mit der die Entwickler Bulkhead Interactive ihre Vision umsetzen.

Eigentlich ist es völlig einfach. Ihr habt eine Knarre. Mit der könnt ihr maximal drei Energiekugeln einsammeln oder wegschießen. In dafür vorgesehene Steckdosen, welche dann Strom weiterleiten und damit Brücken ausfahren, Türen öffnen und Schranken ausschalten – oder eben das Gegenteil. Dazu gibt es später noch viereckige Energiewürfel, die eben nur in viereckige Steckdosen passen. Und kleine Dronenroboter. Und Kameras.

Was tut ihr jetzt mit all dem Zeug? Nun, im Grunde genommen betretet ihr einen Raum (von klein bis riesengroß) und überlegt wie ihr mithilfe all dieser kleinen Dinge zum Ausgang kommt. Und das macht verdammt viel Spaß. Die Rätsel an sich sind bereits super, weil sie in Summe logisch und eigentlich ganz einfach sind – man muss nur ein wenig mitdenken und wirklich alle Möglichkeiten im Raum nutzen. Zugegeben, es gab zwei Rätsel, an denen ich fast scheiterte, das lag allerdings daran, dass die Lösung nichts mit Hirnschmalz sondern mit einer pixelgenauen Platzierung eurer in der Ersten-Person gesteuerten Figur zu tun hatte. Das war ein wenig frustig. Ansonsten: Alles erste Sahne.

Stichwort Sahne: Für mich ist das Sahnehäubchen jedoch die Story oder besser: Die Diskussionen, die innerhalb der Story zwischen eurer Figur Ava und T.O.M.stattfinden, da die beiden sich über „Bewusstsein“ oder „freies Denken“ und viele weitere Dinge unterhalten. Und ich habe jedes einzelne Gespräch mit T.O.M. genossen. Und ich meine wirklich: genossen.

Meine Frau allerdings weniger, denn immer wenn ich mit dem Spielen aufhörte, hatte ich das große Bedürfnis über das eben gehörte zu sinnieren und zu diskutieren und dazu war sie (verständlicherweise) nicht immer in der Stimmung. Trotzdem hat „The Turing Test“ mein Hirn absolut bereichert und zwar in Bezug auf die Informationen und Diskussionen als auch in Bezug auf die tollen Rätsel.

Dass die Story dann noch einen (vorhersehbaren) Twist hat und eine moralische Frage ins Spiel gebracht wird, das finde ich großartig. Und gerade das (je nachdem) sehr ambivalente Ende (es gibt zwei mögliche Enden und beide sind ambivalent) hat mich nochmals zum Denken gebracht.

Ohne groß weiter herumzureden: „The Turing Test“ ist „Portal“ und „Portal 2“ sehr ähnlich, ist auch ähnlich aufgebaut, spielt allerdings meiner Ansicht nach philosophisch in einer völlig eigenen Liga und nimmt sich im Gegensatz zu den beiden genannten auch selbst und seine Story ernst.

„The Turing Test“ bekommt von mir 9 von 10 möglichen, die ewige Frage auf ewig diskutierende, Punkte.


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