Fran Bow (Game-Review)

Die kleine Fran hat ein großes Problem. Das liegt in ihrem Kopf. Vielleicht auch ein wenig an oder in ihrer Umwelt, denn sie befindet sich in einer Anstalt für psychisch kranke Kinder. Der Grund dafür ist ziemlich schlimm, denn sie hat angeblich ihre Eltern ermordet. Erstochen und zerstückelt. Aber Fran kann sich nicht daran erinnern und glaubt ein großes Monster hätte das getan. Nur kann sie das eben nicht beweisen. Außerdem – und das macht ihr noch viel mehr zu schaffen – ist ihre Katze, namens Mr. Midnight, an just jenem Abend, an welchem ihre Eltern ermordet wurden, auch verschwunden. Dabei war Mr. Midnight doch ihr bester Freund. Abgesehen von einer imaginären Gestalt, die sich in Form eines Totenkopfes mit Zylinder manifestiert.

Jetzt will ihr Psychiater auch noch neue Medikamente testen und scheinbar weiß er nicht, dass diese Tabletten Fran in eine Parallelwelt bringen. Und diese ist eine ganze Ecke blutiger und brutaler als es unsere Welt ist. Vielleicht liegt darin der Schlüssel zur Wahrheit. Vielleicht hat ein Monster aus dieser Parallelwelt ja ihre Eltern ermordet …

Fran Bow ist ein durch Kickstarter finanziertes Point & Click-Adventure. Das Spiel ist in mehrere Kapitel unterteilt, die teilweise in völlig anderen Welten spielen und eigentlich nur lose zusammenhängen. Durch Frans psychische Probleme hatten die Entwickler eine perfekte Ausrede gefunden, um sich da so richtig austoben zu können und was da für Gestalten durch das Spiel stapfen oder sitzen (gerade relativ am Anfang und gegen Ende wieder) ist großartig.

Auch ein paar wirklich gemeine Horrorfilmmomente und Jump Scares sind eingebaut – an diesen Stellen macht das Spiel richtig Spaß und sein schräges Design hebt die Stimmung noch weiter. Die Grafik – in der „realen“ Welt bunt und nett und fast kinderfreundlich, ist zwar vom Stil her auch in der Parallelwelt genauso, aber was dargestellt wird ist schon verdammt schräg und sicher nichts für Kinder.

Die Möglichkeit durch das Einnehmen von Tabletten zwischen diesen beiden Ebenen (Realwelt und Parallelwelt) zu wechseln ist eine gute Idee und bringt ein wenig Pepp in die an sich logischen Rätsel, da ist viel Potential vorhanden und auch gut genutzt worden. Allerdings – und das ist ein großes, fettes Minus – hat man sich im Laufe der Story so richtig verzettelt.

Damit meine ich jetzt nicht das – in meinen Augen geschlossene und völlig klare, aber in den Weiten des Internet breit diskutierte „Was kann das jetzt heißen?“ – Ende, sondern schon weit, weit vorher. Fran kommt nämlich in eine Welt, in welcher sie als Baum „aufersteht“ und dort beginnt das Spiel dramatisch nachzulassen. Elendig lange Dialoge, die unnötig kryptisch und nervig sind. Da wird eine komplette Parallelwelt aufgebaut inklusive physikalischen Gesetzen, Hierachien, Jahreszeiten-Uhren und ähnlichem und bringt uns (und Fran) in der eigentlichen Handlung (wer hat die Eltern ermordet? War es Fran?) keinen Schritt weiter.

Durch das Erklären so vieler Dinge – und das zieht sich von da an durch das gesamte Spiel – verliert die Atmosphäre viel von ihrer Morbidität und das Spiel viel an Spannung. Ich muss nicht alles erklärt bekommen – das Kind ist traumatisiert: Was immer die sieht ist okay für mich, da brauche ich keine physikalischen (nicht psychologischen, nein, physikalischen!) und meta-phyischen Mist hören, der noch dazu in viel zu langen und eigentich nichtssagenden Dialogen pseudophilosphisch abgehandelt wird. Schade. Wenn man ein Drittel rausgekürzt hätte, wäre das Spiel vermutlich eine ganze Ecke besser gewesen.

Wie dem auch sie: Selbst in der jetzigen, etwas langwierigen Fassung, ist Fran Bow ein optisch gelungenes und teilweise sogar ziemlich geniales (das Haus der Zwillinge, die Anstalt) Adventure, welches man allerdings von Kindern fernhalten sollte. Die Rätsel sind die meiste Zeit über logisch, teilweise allerdings war mir ein Weiterkommen nur durch „Try & Error“ möglich und sollte ein zweiter Teil kommen, dann bitte die Handlung und die Dialoge straffen, straffen und nochmals: Straffen!

„Fran Bow“ bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen und psychischen kranken (oder aus der Parallelwelt beeinflusste) Punkte.

Fran Bow ist auf STEAM oder GOG erhältlich.


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