Survive the Night (2020 Filmkritik)

Rich (Chad Michael Murray) macht gerade eine schwere Zeit durch. Er ist Arzt und hat nach einem fatalen Fehler seine Arbeit verloren und so kämpft er gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter, um finanziell über die Runden zu kommen. Vorübergehend wohnen sie deshalb im etwas abgelegen liegenden Farmhaus seiner Eltern. Vor allem mit seinem Vater Frank (Bruce Willis) gibt es jedoch immer wieder Konflikte.

Dieser hätte sich einen kämpferischen Sohn gewünscht, der nicht gleich aufgibt. Die privaten Probleme rücken jedoch abrupt in den Hintergrund, als plötzlich zwei bewaffnete Männer in das Haus eindringen und alle Bewohner als Geiseln nehmen. Die beiden sind Räuber und Mörder und einen von ihnen mit einer Schussverletzung soll Rich operieren, damit die zwei mit ihrer Beute über die Grenze flüchten können…

Hurrah! Bruce Willis hat nach Brian A. Miller, für den er bei The Prince, Vice, Reprisal und 10 Minutes Gone vor der Kamera gestanden hat, einen neuen Lieblingsregisseur gefunden, der ihn ohne zu viel Aufwand, billig sein Geld verdienen lässt. Matt Eskandari heißt der gute Mann, hat zuletzt Trauma Center mit ihm gedreht (aka verbrochen), ist nun mit Survive the Night zurück und macht als nächstes „Hard Kill“ mit dem guten alten Bruce in der Hauptrolle.

Um gleich bei ihm zu bleiben: als grantiger Ex-Cop ist er hier wieder weit stabiler unterwegs, als zuletzt unter der Führung von Eskandari. Natürlich muss er nicht viel tun, aber den angefressenen Gesichtsausdruck, weil er wohl genau weiß in was für einem belanglos/beliebigen Film er gerade mitspielt, das macht er gut und er ist auch bei der Sache, wenn es um emotionalere Momente geht. Schön für dich Bruce, kannst es ja doch noch.

Dafür ist der Film genau das, was man in kompakterer Form aus sämtlichen Krimiserien kennt, nur mit einigen Längen. Der missverstandene ältere Bruder, der aus seinem Beschützer-Instinkt heraus mit hinunter gezogen wird und der aufbrausende jüngere Bruder, der Probleme ausschließlich mit Gewalt zu lösen scheint. So weit so plakative, langweilige Charaktere. Eigentlich ist dies aber sowieso die Geschichte von Rich.

Der ist in den Augen seines Vaters ein Mann, der nicht für sich und seine Familie gekämpft hat und sie deshalb nun finanzielle am Ende sind. Praktisch, dass genau jetzt eine Extremsituation in Form der beiden verbrecherischen Brüder ins Haus schneit, schon hat er die Möglichkeit mit seinem Vater Frieden zu schließen und sich als starker Held für Frau und Tochter zu etablieren.

Wie das dann passiert, ist fad und wirkt auch stellenweise unbeholfen und lebt von der Einfältigkeit des überforderten und von seinen Gefühlen kontrollierten Antagonisten. Jede ansatzweise Tiefgründigkeit glaubt man nicht dank der Inszenierung, sondern nur weil es die Darsteller auch vermitteln können. Chad Michael Murray (House of Wax) macht seine Sache als Rich glücklicherweise sehr gut, was die Dialoge und Entscheidungen der Figuren einigermaßen erträglich macht.

Überhaupt sieht man ihn zu selten, denn er hat eine gute Leinwandpräsenz. Shea Buckner (First Kill) als sein Gegenspieler Jamie, ist so richtig schön plakativ böse, ein unsympathischer Kerl durch und durch. Neben Willis hat sich hier auch Lydia Hull (Precious Cargo) als Frau des Helden etwas rehabilitiert (sie war furchtbar lächerlich in dem bereits oben genannten 10 Minutes Gone), denn als Frau des Helden ist sie durchaus kämpferisch veranlagt, auch wenn sie wenig zu tun bekommt.

Insgesamt also kein Willis-Film, bei dem ich den Kopf schütteln musste (zumindest nicht wegen ihm), aber leider sind die Figuren plus die Handlung so geraten, dass man kaum noch schneller im Einheitsbrei der Krimi/Thriller Welt untergehen hätte können. Willis indessen hat bereits drei weitere Filme abgedreht und zumindest zwei von ihnen, klingen stark nach doch unterhaltsamen guilty pleasure Abenteuern. Ich bleibe dran, Treue muss sich einfach irgendwann mal bezahlt machen.

„Survive the Night“ bekommt von mir 4/10 sich die Nacht um die Ohren schlagende Empfehlungspunkte.


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