Chernobyl (Serienkritik)

Am 26. April 1986 passierte das Unmögliche: Der Wassertank eines Reaktors im Kernkraftwerk explodierte. Die Behörden hatten alles unter Kontrolle. Bis sie es nicht mehr unter Kontrolle hatten und die Wahrheit eingestehen mussten. Nicht ein Wassertank ist explodiert, sondern der Reaktor selbst. Der radioaktive Kern lag frei und Strahlung trat aus.

Bis hierhin wussten wir alle Bescheid. Was wir nicht wussten, war, was wirklich auf dem Spiel stand. Valery Legasov (Jared Harris) hat sich das Leben genommen, damit die Wahrheit ans Licht kommt. Wer Valery Legasov ist? Willkommen in „Chernobyl“ …

Ich denke, wir alle wissen, was in Chernobyl passiert ist. Zumindest war das immer meine Meinung. Ich kann mich erinnern, als es hieß, ich darf ein paar Tage nicht nach draußen und nicht im Sandkasten spielen, weil das gefährlich ist. Irgendwann habe ich gehört, dass es „radiaktiven Staub“ geben kann. Man solle auch keine Pilze essen für längere Zeit.

Ich habe nach der Ansicht dieser 5-teiligen Miniserie meine Eltern angerufen und gefragt, was sie über Tschernobyl wissen. Was sie damals gesagt bekommen haben. Nämlich das, was da oben steht. Dann fragte meine Mutter: „Warum? Weißt du was anderes?“

Ich habe ihr die Serie in die Hand gedrückt mit folgenden Worten: „Du hast keine Ahnung, wie knapp das damals alles war.“ Tatsache: Die russische Regierung hat ein paar Kleinigkeiten in der Serie widersprochen, aber im Grunde lautete das Kommentar: Ja. Genau das ist passiert.

Bereitet euch darauf vor schlecht zu schlafen. Bereitet euch darauf vor ein Heldenepos zu sehen, welches nicht die Amerikaner preist, sondern völlig normalsterbliche Russen (bzw. Ukrainer/innen), die ihr Leben bewusst geben, damit andere überleben können. Helden im Alltag, die in einer völlig surrealen Situation über sich hinauswachsen.

Ich will nicht viel sagen, außer, dass alle in dieser Serie involvierten Personen absolut wahnsinnig gute Arbeit leisten. Die Schauspieler (Jared Harris, Stellan Skarsgard, Emily Watson und alle anderen) sind ein Wahnsinn. Absoluter Wahnsinn. Die Kameraaufnahmen sind fantastisch. Die Effekte astrein. Der Schnitt perfekt. Die Musik punktgenau und die Spannung nach Minute Fünf weg bis zum Ende kaum auszuhalten.

Immerzu im Hinterkopf: Das ist alles passiert.

Für mich doppelt überraschend: Der Drehbuchautor, der Überlebende interviewt hat und jahrelang recherchierte, ist der gleiche, der die drei Hangover-Teile geschrieben hat. Da brauchte wohl jemand ein wenig Abwechslung. Und – Hui, sag ich nur – Chernobyl liefert auf allen (wirklich allen!) Ebenen.

Ein Meisterwerk. Ohne Untertreibung die beste (und furchteinflößendste) Serie seit … überhaupt. Sollte jeder Mensch gesehen haben. Ehrlich.

Chernobyl bekommt von mir 10 von 10 möglichen, die Welt in Atem haltende, Punkte.


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