Die Legende der Wächter – Legend of the Guardians: The Owls of Ga`Hoole (Filmkritik)

Im Eulenkönigreich Tyto lebt eine Familie von Schleiereulen. Vater Noctus (gesprochen von Hugo Weaving) erzählt seinen beiden Söhnen Soren (gesprochen von Jim Sturgess) und Kludd (gesprochen von „True Blood“ Star Ryan Kwanten) und seiner kleinen Tochter am Liebsten die Geschichte der Wächtereulen von Ga´Hoole und deren aufregenden Kampf gegen den finsteren Bösewicht Eisenschnabel. Bei einer nächtlichen Flugübung stürzen Soren und Kludd aus ihrem elterlichen Nest ab und landen unsanft auf dem Boden. Dem Angriff eines Tasmansichen Teufels entkommen sie dabei nur knapp, doch werden sie dafür von zwei fremden, bösartigen Eulen entführt.

Die beiden Brüder landen in einem Gefangenenlager von Eisenschnabel, seiner Frau Nyra (gesprochen von Helen Mirren) und ihrer Truppe von „Reinsten“ unter der Eulen. Während Kludd sich hier wie zu Hause fühlt und zum Soldat ausgebildet werden soll, gelingt Soren und seiner neuen Freundin der Elfenkäuzin Gylfie, die waghaslige Flucht. Die beiden Ausbrecher haben nun nur mehr ein Ziel, die Wächtereulen von Ga´Hoole zu finden, damit diese Eisenschnabel und seine Armee stoppen können. Unerwartete Hilfe naht dabei in Form der beiden Außenseiter Digger dem Kaninchenkauz (gesprochen von David Wenham) und dem singenden Bartkauz Morgengrauen (gesprochen von Anthony LaPlagia), die den Weg zu den Wächtern kennen und sich nur allzu gerne auf ein aufregendes Abenteuer einlassen wollen.

Legend-of-the-Guardians

Legend of Guardians basiert auf den ersten drei Teilen einer 15 Teile umfassenden Fantasybuchreihe der amerikanischen Schriftstellerin Kathryn Lasky. Regie führte Zack Snyder, der nach seinen Filmen „Dawn of the Dead“, „300“ und „Watchmen“ zu einem meiner absoluten Lieblingsregisseuren geworden ist, was die gesamte Optik seiner Filme, die Bildkomposition und den Ablauf von Actionszenen betrifft. Er lässt seine Filme eben nicht filmen, er lässt sie malen bzw. inszenieren wie ein Kunstwerk.

So ist es dann auch bei diesem Film kein Wunder, daß er mit Abstand zu den optisch beeindruckensten Animationsfilmen gehört, die ich jemals gesehen habe. Wenn diese Eulen durch die Lüfte gleiten (und das tun sie ziemlich häufig), dann hat man wirklich das Gefühl, hier fliegende Lebewesen in Aktion zu beobachten. Die Hintergründe und Naturkulissen sehen täuschend echt aus, sogar Wasser, Feuer und Wind sind von den echten Elementen nicht zu unterscheiden. Eine total künstliche Welt eben, die natürlicher nicht wirken könnte.

Das alles wäre ja nur die halbe Miete, wenn nicht sogar in der Mimik der Tiere jede einzelne Gefühlsregung ablesbar wäre. Einen großen Anteil daran, daß einem diese tierischen Darsteller so ans Herz wachsen, haben neben der Technik natürlich auch die als Sprecher fungierenden Schauspieler. Vor allem die Stimmen hinter der Bande rund um Hauptcharakter Soren, den Jim Sturgess mit einem absolut sympathischen Sturm und Drang Gefühl in der Intonation durch die Handlung hetzt, sind mit unüberhörbarer Spiel- bzw. Redefreude dabei. Geoffrey Rush als Sorens kauziger Mentor Ezylryb, der auch ein erfahrender Kriegsveteran ist, liefert dazu einen angenehm bodenständigen Gegenpol ab. David Wenham als ständig überdrehter Digger und Anthony LaPlagia als Morgengrauen, der immer ein Lied zur jeweiligen Situation anstimmen will und dabei bei einem Schlaflied auch schon mal laut losbrüllt, sorgen hier für die meisten Lacher.

Humor ist überhaupt ein Thema, daß sich angenehm unaufdringlich durch die Handlung zieht. Auf Zack Snyder typische Actionsequenzen, muss man glücklicherweise aber auch hier nicht verzichten. Verfolgungsjagden mit waghalsigen Flugmanövern, Vogelkrallen und Klingen, die sich in Zeitlupe kreuzen und ineinander verkrallen. Das alles und noch mehr „fliegt“ (jaja, das ist wörtlich gemeint) dem Zuseher um die Ohren. Wenn Soren in zwei Szenen auf sein Bauchgefühl vertraut und dabei in Slow Motion zu epischen Klängen durch die Lüfte driftet, dann ist das einerseits zwar kitschig, andererseits aber auch wunderschön zu beobachten.

Das dies ja im Prinzip ein Kinderfilm ist, darin liegt auch der größte Angriffspunkt der meisten Kritiker. Angeblich ist die Grundatmosphäre für die Kleinen zu düster, die Handlung für Erwachsene aber zu einfach gestrickt. Der deutsche Markt hat darum sogar drei Minuten herausgeschnitten, um ein „Freigegeben ab 12“ zu vermeiden und auf ein „ab 6 Jahren“ runtergehen zu können. Ok, dann gebt ihn eben ab 12 frei (find ich auch gerechtfertigt), doch schneidet bitte nicht daran herum. Das Argument mit der einfachen Story lass ich so auch nicht gelten, denn welcher Blockbuster dieses Jahr abgesehen von „Inception“ hatte denn bitte eine Handlung, die das Gehirn eines erwachsenen Menschen in irgendeiner Weise gefordert hätte?

Ok, die Legende der Wächter bietet eine alt bekannte Geschichte, doch in dieser Form, vor allem was die visuellen Aspekte betrifft, wurde sie eben noch nie erzählt. Großartige Optik, tolle Sprecher, feine Musik, Action, Humor und Dramatik, Spannung bis zum Schluss und das Herz am rechten Fleck. Als Erlebnis-Film für die Großen und eben nicht ganz so Kleinen, ist dieser Film eine einfach gestricktere Alternative zu Pixar (die ich immer spitze finde) und Dreamworks (die manchmal auch spürbar schwächeln). Ich fühlte mich wieder wie ein Kind, das die Spannung und Düsterkeit beim Zusehen eines Filmes, den es eigentlich noch nicht sehen dürfte, fast nicht aushält, doch das Ganze unbedingt bis zum Ende sehen will. Das allein ist für mich schon Grund genug, mein infantil hohes Rating völlig richtig zu finden.

Legend of the Guardians: The Owls of Ga`Hoole bekommt von mir 8,5/10 die innere Eule in mir weckende Empfehlungspunkte.


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