Spectral (Filmkritik)

Ein Delta Force Soldat wird von einem Wesen getötet, das unsichtbar für das natürliche Auge ist. Die Aufnahmen werden unter Verschluss gehalten und Doktor Clyne (James Badge Dale) – Experte für hyperspektrale Bilder – wird gerufen, um die Erscheinungen ohne großes Aufsehen zu untersuchen. Da er aus der Ferne keine Erklärung abgeben kann, begleitet er gemeinsam mit der CIA Lady Madison (Emily Mortimer) und ausgerüstet mit einer Spezialkamera, ein Einsatzteam.

Gleich mehrere Wesen werden dabei zwar gesichtet, doch sterben auch die meisten der Soldaten und die restlichen Überlebenden stranden im feindlichen Gebiet. Sind es Geister des Krieges? Aliens aus einer fremden Welt? Oder gibt es vielleicht doch eine wissenschaftliche Erklärung für die Erscheinungen? Die Zeit sie aufzuhalten wird jedenfalls knapp, denn sie vermehren sich schlagartig und vernichten alles, was sich ihnen in den Weg stellt.

„Spectral“ ist das Regiedebüt von Nic Mathieu, der bis jetzt sein Geld mit dem Drehen von Werbespots verdient hat. Universal Pictures wollte den Film ursprünglich veröffentlichen, doch schließlich kam es nicht dazu, Netflix kaufte die Rechte und Anfang Dezember 2016, erblickte die Sci-Fi/Kriegs-Action weltweit das Licht der Online-Filmwelt. Erfreulicherweise kann ich nun sagen, dass der Wechsel der Anbieter nichts mit dem Unterhaltungswert des Produktes zu tun hat.

Zunächst mal sieht der Film wirklich fantastisch aus. Dass man in der Werbebranche ein Händchen für bestechende Optik haben sollte, ist zwar klar, aber das auch in einen Spielfilm übertragen zu können, ist doch noch mal ein ganz anderes Level. Um authentische, vom Krieg gezeichnete Drehorte zu wählen, wurde in Ungarn und Budapest gedreht. Für die futuristischen Waffen und die Spezialeffekte war Peter Jackson´s Weta Workshop (Herr der Ringe) zuständig. Der Filmscore stammt von Junkie XL (Mad Max Fury Road).

Diese starke (technische) Basis trifft dann auf eine Story, die extrem zügig erzählt wird und Klischees gekonnt umschifft. Beispiele dafür? Der Wissenschaftler, den die harten Soldaten nur ungern mitnehmen und als Ballast ansehen? Diese Situation wird mit einer kurzen Rede abgefangen und der Kerl ist dann im weiteren Verlauf so was von hilfreich, dass er schon bald zum wichtigsten Teil der Truppe wird. Oder die mögliche Liebesgeschichte. Die wird nicht mal angedeutet, die Beziehung von „Held und Heldin“ ist schon bald von gegenseitigem Respekt geprägt.

Ja, die in gut 100 Minuten erzählte Geschichte hat in Bezug auf die Spektral-Wesen und vor allem wie man sie stoppen/verlangsamen kann ein paar Punkte, die man unlogisch finden kann, doch entstehen solche Gedanken höchstens erst nach dem Filmgenuss und fallen auf Grund der Geschwindigkeit insgesamt, nicht weiter auf. Die momentane Hilflosigkeit im Angesicht eines offensichtlich übermächtigen Feindes, der aus dem Nichts zuschlagen kann, dieses Gefühl ist außerdem einfach permanent spürbar und daraus resultieren einige richtig spannende Momente.

James Badge Dale (Stretch) als Clyne ist eine richtig erfrischende Hauptfigur. Er ist ziemlich intelligent, erkennt Zusammenhänge die andere nicht sehen, wirkt dabei aber nie arrogant und hat auch seine sozialen und rhetorischen Fähigkeiten, nicht verkümmern lassen. Emily Mortimer (Shutter Island) als Madison liefert da einen leicht geerdeten Gegenpol zu ihm, da sie schnelle logische Erklärungen sucht, praktisch an die Sache herangeht und Ergebnisse braucht, da sie Druck von Oben erhält.

Den Beschützer-Instinkt und die möglicherweise verschüttete Menschlichkeit weckt dann gekonnt Ursula Parker (Cold Comes the Night) als Sari, ein kleines Mädchen, deren Insider-Wissen der Gruppe ein gutes Stück weiter hilft. Max Martini (Pacific Rim) ist der immer cool bleibende und nach einem Ausweg suchende Anführer der Einsatztruppe und Bruce Greenwood (I, Robot) sorgt als General überzeugend für die bedeutungsschwangere Rede, die unsere Helden in den finalen Kampf führt.

Insgesamt daher ein aus diversen bekannten Genrefilmen und auch Spielen zusammengemixter Film, der durch eine bestechende Präsentation und den unverbraucht wirkenden Zugang der Darsteller weit aus besser unterhält und auch besser funktioniert, als man es auf Grund der Handlung hätte erwarten können. Wenn Netfilx auch weiterhin solche Mid-Budget Filme mit dieser Qualität präsentiert, dann sind sie klar auf dem richtigen Weg.

„Spectral“ bekommt von mir 8/10 im Namen der Wissenschaft eine Vielzahl an Monstern/Opfern erschaffende Empfehlungspunkte.


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