Westworld – Staffel 1 (Neue Serie)

In der nahen Zukunft sehen Freizeitparks etwas anders aus. Westworld ist eine Welt die von Robotern, sogenannten Hosts, bevölkert wird und in der die Gäste tun und lassen können was sie wollen ohne die Konsequenzen fürchten zu müssen. Seit dem letzten Update, das die sogenannten Reveries beinhaltet, entwickeln die Hosts unvorhersehbare Eigenheiten.

Diese Serie basiert auf dem gleichnamigen Film, bei dem Science Fiction Autor Michael Crichton für Regie und Drehbuch verantwortlich war. Warner Bros. hatte bereits seit einigen Jahren mit der Idee eines Remakes gespielt. Irgendwann landete das Projekt beim Bezahlsender HBO und Jonathan Nolan bzw. Lisa Joy.

Nach außen hin schien die Serie Probleme zu haben, denn die Produktion wurde Anfang 2016 für einige Monate angehalten, damit Nolan und Joy ihre Geschichte vollenden konnten. Doch wie sieht nun das Ergebnis aus? Anbei eine kurze Spoilerwarnung, auch wenn ich versuchen werde so wenig wie möglich zu verraten.

Zu Beginn lässt man es vergleichsweise ruhig angehen. Der Zuschauer wird in die Welt eingeführt und lernt schön langsam die wichtigsten Charaktere kennen. Nach dem neuen Update gibt es dann kleinere Fehlfunktionen. Aus diesem Grund hat Peter Abernathy beim Anblick eines Fotos der Außenwelt quasi einen Nervenzusammenbruch und auch seine Tochter Dolores hat scheinbar diverse Fehlfunktionen.

Dolores, übrigens der älteste Host im Park, beginnt eine Stimme zu hören und hat Flashbacks. Sie ist dann auch eine der zentralen Figuren dieser Geschichte, wobei es noch einige weitere gibt. Da gibt es unter anderem Bernard Lowe, der Dolores bei ihrer Reise in Richtung Bewusstsein helfen will und Dr. Robert Ford, dem Leiter des Parks der nichts Gutes im Schilde führt.

Der Mann in Schwarz versucht hinter das Geheimnis des Labyrinths zu kommen, da er alles andere in Westworld bereits kennt während Maeve, die Chefin des Bordells, beschließt aus Westworld zu flüchten nachdem sie einmal während der Wartungsarbeiten munter geworden ist. Das klingt erst einmal viel für nur zehn Folgen mit je einer knappen Stunde.

Noch mehr wird es allerdings dadurch, dass die Geschichte in unterschiedliche Zeitlinien aufgeteilt ist. Während die ersten paar Folgen verhältnismäßig ziellos wirken, wird später keine einzige Szene vergeudet. Jeder Moment fühlt sich ein wenig wie ein Hinweis auf ein größeres Rätsel an und es ist kein Wunder, dass das Internet schon nach kurzer Zeit mit Theorien überging.

Hier gibt es so vieles zu entdecken. Nolan ließ sich unter anderem von Videospielen und klassischer Literatur inspirieren. Je mehr man über gewisse Aspekte der Geschichte nachdenkt umso mehr kann man interpretieren und entdecken. Das die einzelnen Elemente dann problemlos ineinander verschmelzen zeugt von einer unglaublichen Liebe zum Detail was die Handlung betrifft.

Die Liebe zum Detail macht sich dann auch in der Charakterentwicklung bemerkbar. Man hat hier das Gefühl es mit echten Personen zu tun zu haben und versteht auch weitgehend deren Beweggründe. Generell trifft hier eine großartige Geschichte mit erstklassigen Dialogen auf erstklassige Schauspieler die preisverdächtiges leisten um ihren Rollen Leben einzuhauchen.

Jeden einzelnen zu nennen würde hier klar den Rahmen sprengen, darum werde ich mich auf die wichtigsten (und selbst da gibt es noch viele) beschränken: Evan Rachel Wood (The Ides of March) verglich ihre Rolle als Dolores in einem Interview mit den Olympischen Spielen der Schauspielkunst. Wenn man die erste Staffel dann gesehen hat, kann man sich relativ konkret vorstellen, was sie gemeint hat.

So ist sie verwirrt und ängstlich bis der Techniker ihr Emotionslevel verringert oder sie verliert, ebenfalls wegen des Technikers, mitten im Gespräch ihren Dialekt. Das Ganze dann noch nebenbei nackt und irgendwie hat man das Gefühl, man hätte es als Schauspieler halt doch nicht immer leicht. Abgesehen davon gibt Wood als Dolores überzeugt das Mädel vom Lande.

Dolores sieht nicht nur ansprechend aus, sondern besticht durch eine positive Lebenseinstellung – man muss sie einfach gerne haben. Gemeinsam mit einem Gast des Parks, William, macht sie sich auf die Suche ohne das Ziel zu kennen. Anthony Hopkins (Thor) muss man eigentlich nicht vorstellen und ist eine Klasse für sich.

Als Dr. Ford beweist er nicht nur erneut, dass er sein Handwerk bestens beherrscht, sondern zeigt auch, was passiert wenn ein erstklassiger Schauspieler erstklassige Dialoge bekommt. Hopkins muss sich an dieser Stelle die Geschichte mit so vielen seiner Kollegen teilen und dennoch haben gerade seine Szenen etwas Magisches.

Thandie Newton (Mission: Impossible II) als Maeve ist ebenfalls herausragend. Maeve wird bei einer Wartung munter und beschließt, dass es Zeit ist aus Westworld zu fliehen. Hilfe bekommt sie dabei, nicht ganz freiwillig, von zwei Technikern. Dieser Teil der Geschichte ist zeitweise schön schräg und es ist spannend wie sie fortgesetzt wird. Abgesehen davon spielt Newton jeden emotionalen Aspekt ihrer Rolle perfekt.

Ed Harris (Pain & Gain) hinterlässt als Man in Schwarz Eindruck, wobei seine Geschichte erst ganz zum Schluss zur Gänze erklärt wird. Jeffrey Wright (Casino Royale) verleiht seiner Rolle etwas vergleichsweise Komplexes, während James Marsden (X-Men) als Teddy für die Unterhaltung der Gäste sorgt und dabei vergleichsweise sympathisch wirkt.

Optisch ist die erste Staffel von Westworld eine Wucht – muss sie wohl auch, denn immerhin hatte man hier ein Budget von sage und schreibe 100 Millionen Dollar zur Verfügung. HBO scheint hier erneut keine Serie, sondern einen Film mit Überlänge gemacht zu haben. Von der Landschaft über die jeweiligen Kulissen und der Art der Inszenierung sieht alles perfekt aus.

Allerdings gibt es einen ganz, ganz kleinen Grund zur Beschwerde: Der mittels CGI verjüngte Dr. Ford ist auch deutlich als solcher zu erkennen. Allerdings sind diese Szenen, wohl auch aus diesem Grund, auf einige, wenige Minuten insgesamt beschränkt. Was das Ende der ersten Staffel betrifft, wurde vorab (meines Wissens von Lisa Joy) versprochen, es würden keine Fragen offen gelassen werden.

Das Versprechen wurde zwar gehalten, aber nur weitgehend. Das Schicksaal gewisser Charaktere ist gänzlich unklar und gewisse Handlungselemente sind wohl generell darauf ausgelegt, erst in der zweiten Staffel aufgelöst zu werden. Dennoch ist es schön, dass man sich eine zusätzliche halbe Stunde für das Finale Zeit genommen hat.

Allerdings habe ich selbst hier noch das Gefühl es wäre noch ein klein wenig mehr drinnen gewesen. Dennoch ist das Ende ein gelungenes und sollte das Ziel gewesen sein Stimmung für die zweite Staffel zu machen und vermutlich war das zumindest ein Aspekt, dann ist das klar geglückt.

Alles in allem ist die erste Staffel von „Westworld“ ein Paradebeispiel für die Art und Weise wie eine Geschichte und deren Inszenierung zu sein hat. Wenn man an dieser Stelle überhaupt etwas kritisieren kann, dann den Umstand, dass man zu Beginn schein ein kleines bisschen ziellos war und man sich am Ende etwas mehr gewünscht hätte. Allerdings sind das Kleinigkeiten und die Serie zum jetzigen Zeitpunkt eine klare Empfehlung.

Die erste Staffel von „Westworld“ bekommt 9,5/10 sich selbst suchende Empfehlungspunkte.

Staffel zwei ist übrigens bereits genehmigt, soll allerings erst 2018 erscheinen.


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