Alita: Battle Angel (Filmkritik)

Im Jahr 2563 ist die Erde geprägt von den Nachwirkungen eines katastrophalen Krieges. In den Ruinen der Stadt Iron City, sucht der Cyborg-Wissenschaftler Dr. Dyson (Christoph Waltz) immer wieder nach Ersatzteilen, um Menschen in Not aushelfen zu können. Eines Tages findet er den zerstörten Körper eines weiblichen Androiden, deren menschliches Gehirn jedoch völlig unversehrt zu sein scheint.

Dyson versorgt das Mädchen mit einem neuen Körper und nennt sie Alita (Rosa Salazar) nach seiner verstorbenen Tochter, da sie keine Erinnerungen an ihre Vergangenheit hat. Von nun an entdeckt sie die Welt mit Kinderaugen und trifft einen Jungen namens Hugo (Keean Johnson), den sie langsam aber sicher, immer mehr ins Herz schließt. Doch in der unscheinbaren Alita schlummern noch ganz andere Fähigkeiten, was eine Vielzahl potentieller Feinde auf den Plan ruft…

Über zehn Jahre plante Regisseur James Cameron (Avatar, Titanic) bereits die Verfilmung des Mangas „Gunm“ alias „Battle Angel Alita“ aus dem Jahre 1990. Regie führte Robert Rodriguez, der mit seinem eigenständigen Stil zum Beispiel bereits Werke wie From Dusk Till Dawn, Machete oder Sin City geprägt hat. Wer jedoch für den Mann arbeitet, der die beiden erfolgreichsten Filme aller Zeiten gedreht hat, der muss sich klar zurück halten.

Das soll heißen, dass sich dies klar wie ein Cameron Film anfühlt, mit kleineren Rodriguez Momenten versehen. Grundsätzlich ist meine Erwartungshaltung hier trotz der beiden beteiligten Männer gering gewesen, immerhin ist Hollywood nicht gerade bekannt dafür, asiatische Stoffe in ordentliche Filme zu verwandeln (siehe zuletzt Ghost in the Shell, oder etwa Blood the Last Vampire oder den furchtbaren Dragonball Evolution).

Zu meiner Freude habe ich hier dann eindeutig die beste Verfilmung eines Manga präsentiert bekommen, die ich aus Amerika je gesehen habe. Ja, es wäre in ein paar Bereichen auch mehr gegangen. Der Subtext aus dem Ausgangsmaterial ist nicht mehr vorhanden, das stört aber nur Kenner des Originals. Was mehr auffällt ist die Handlung, die genau gar nichts Neues bietet und Zielstrebigkeit immer wieder mit verspielten Einlagen ausbremst. Außerdem wird am Ende klar ein Sequel „angedeutet“.

Das Negative, wird jedoch klar von drei Aspekten in den Hintergrund gedrängt. Erstens ist dies eine andersartige Welt, in die man gerne eintaucht. Schräg, aber irgendwie doch faszinierend, abstossend und anziehend zugleich. Roboter-Körper, bei denen nur mehr das Gesicht „echt“ zu sein scheint. So viel stärker als ein normaler Mensch, auch ohne natürlichen Tod, dafür umso mehr verlorener. Die Ruinen der Stadt im Kontrast zu den verstohlenen Blicken, die man von unten auf die fliegende City der oberen Zehntausend wirft.

Über die Perfektion von Effekten bei einem Cameron Film, brauche ich sowieso nichts zu sagen. Mein zweiter Punkt sind dann die Action-Sequenzen, die von der Cinematographie her einfach genial sind. Übersichtlich und spannend hat mich vor allem überrascht, dass sich das auch noch frisch anfühlt. Wie sich Alita dabei bewegt, hat etwas von einem Tanz, der für ihre Partner beinahe immer ein tödliches Ende nimmt.

Drittens kann man die Leistung von Rosa Salazar (Maze Runner, Bird Box) gar nicht genug loben. Man hat sie augenblicklich vom ersten Moment an gern und zwar so, dass es fast schon weh tut. Jede kleinste Emotion ist erkennbar, kein Wunder dass Rodriguez laut Interview gewusst hat, dass Salazar die Richtige für die Rolle ist, als er erstmals beim Casting ihr ausdrucksstarkes Gesicht gesehen hat. Entgegen mancher Befürchtungen, irritieren Alita´s riesige Augen dabei zu keinem Zeitpunkt.

Es sind hier auch ein paar von Rodriguez bekannten Lieblingen dabei, die entdeckt ihr aber am Besten selbst. Der Rest vom Cast, macht seine Sache ebenfalls sehr gut. In Erinnerung bleiben vor allem Christoph Waltz (Django Unchained) als väterlicher Mentor und Mahershala Ali (Hidden Figures) als eiskalt furchteinflössender Vector. Am meisten Spaß hatte ich (und wohl auch er selbst) mit Ed Skrein (Deadpool) als überheblichen Kopfgeldjäger Zapan, der ist einfach herrlich arrogant und man will unbedingt sehen, dass er einen ordentlichen Dämpfer bekommt.

Würde Salazar hier also nicht soviel Menschlichkeit hinein bringen, dann könnte man sich leicht erschlagen fühlen von all den optischen Eindrücken und sich am Ende fragen, ob das nicht alles viel Lärm um Nichts war. Das ist eine treffende Kritik für einen Transformers-Film von Michael Bay, doch bei Alita kann man sich um einiges mehr heraus holen oder bei Bedarf auch hinein interpretieren. Für mich nicht das Beste was Cameron oder auch Rodriguez jemals gemacht haben, doch die positiven Teile überwiegen klar.

„Alita: Battle Angel“ bekommt von mir 7,5/10 Menschlichkeit und Killermaschine in einem Wesen vereinende Empfehlungspunkte.


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