Bird Box (Filmkritik)

Malorie (Sandra Bullock) ist schwanger. Während sie im Krankenhaus in Begleitung ihrer Schwester eine Untersuchung über sich ergehen lässt, gibt es in den Nachrichten Informationen über eine seltsame Epidemie, die sich an diversen Orten auf der Welt ausbreitet. Scheinbar ein Virus, welches Menschen in den Wahnsinn und in den Selbstmord treibt. Auf dem Weg nach Hause vom Krankenhaus passiert es – die Menschen in ihrer Stadt scheinen ebenfalls betroffen.

Es dauert nicht lange und Malorie findet sich mit mehreren Fremden im Haus von Douglas (John Malkovich) ein. Dort verbarrikadieren sich alle, denn da draußen – da ist kein Virus. Da sind Kreaturen, deren Anblick Menschen in den Wahnsinn treibt …

Ein „A Quiet Place“ mit Ton, dafür mit Menschen, die nicht sehen dürfen. So ungefähr hatte man sich „Bird Box“ vorgestellt – das trifft es nur nicht. Denn während „A Quiet Place“ seine Geschichte in der Zeit der Monster erzählt und es um die Familie geht, die sich vor diesen Bestien (mehr oder weniger gelungen) zur Wehr setzt bzw. trotz der Monster überleben will, geht es in „Bird Box“ um das klassische „10 Personen sind im Haus gefangen und werden einer nach dem anderen ermordet“-Prinzip.

Es gibt zwar eine Handlung, die Jahre später spielt, in welcher Malorie versucht zwei Kinder (die sie nur „Boy“ und „Girl“ nennt) in eine sichere Umgebung zu bringen, von der sie nicht zu einhundert Prozent überzeugt ist, dass es sie überhaupt gibt. Tatsächlich nimmt diese nur eine minimale Zeitspanne der Laufzeit des Films ein und ehrlich gesagt ist sie relativ ereignislos.

Das bringt uns zur Haupthandlung, die im Haus von Douglas spielt und sich wie eine zusammengekürzte und vereinfachte Version von Stephen Kings „The Mist“ ausnimmt: Da draußen ist etwas und können wir allen hier drin eigentlich vertrauen? Spoiler: Nein, könnt ihr nicht.

Nach der Reihe gehen Personen „verloren“, entweder weil jemand Mist baut oder weil sie die Kreaturen ansehen und sich das Leben nehmen. Ironisch dabei: John Malkovichs Charakter Douglas ist zwar ein kleiner Kotzbrocken (was er selbst auch weiß), aber tatsächlich behält er mit allen Befürchtungen und Aussagen recht. Fand ich witzig. Vor allem, weil er das selbst auch sagt: „That’s my problem: I am never wrong.“).

Der Film verhält sich also wie jeder x-beliebige „Gefangen mit einem Monster vor dem Haus“-Film und bietet (von den Augenbinden abgesehen) nichts Eigenständiges. Sogar die Spannungen in der Gruppe werden für meinen Geschmack zu kurz und bündig abgehandelt, weil ohnehin jede Person stirbt bevor es echte Konflikte geben könnte. Alles, was euch bei so einem Film einfällt kommt auch vor und zwar in genau der Form, wie ihr es erwartet (Expedition zum Nahrung besorgen, eine zweite Schwangere – was wird wohl passieren -, ein Fremder, der um Einlass bittet und so weiter).

Das Ende bzw. die Ankunft am Zielort ist dann, wie ich finde, logisch und erstaunlich gut gelöst. Eine Szene – Vorsicht, kleiner Spoiler – mit den Kindern am Ende finde ich dann etwas dick aufgetragen, aber das ist sicher (wie üblich) Geschmackssache.

Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank sehr gut, niemand sticht wirklich hervor – am meisten Screentime hat klarerweise Sandra Bullock. Bei John Malkovich würde es mich freuen, ihn wieder mal in einer anderen Rolle (der überhebliche, selbstverliebte Narzist ist mittlerweile Standard) zu sehen.

„Bird Box“ bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen, sein Potential nicht nutzende, Punkte.

Der Film ist auf Netflix zu sehen.


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