Backtrace (Filmkritik)

Macdonald (Matthew Modine) ist der einzige Überlebende eines Überfalls, doch hat er dabei eine schwere Kopfverletzung erlitten. Er kann sich seither an nichts mehr erinnern, verurteilt wurde er natürlich trotzdem. Nach sieben Jahren im Gefängnis spricht ihn eines Tages ein neuer Häftling namens Lucas (Ryan Guzman) an und versichert ihm, er könne ihn aus dem Gefängnis befreien.

Nach erstem Zögern willigt er schließlich ein und kurze Zeit später sind er, Lucas und zwei Komplizen mit Hilfe einer experimentellen Droge – die sein Gedächtnis wieder in Schwung bringen soll – auf der Suche nach der Beute, die Macdonald damals versteckt hat. Doch auch der Polizist Sykes (Sylvester Stallone) hat den Fall nie vergessen und nimmt die Fährte wieder auf, genau wie ein paar finstere Gestalten…

Regisseur Brian A. Miller hat es wirklich drauf. Was er kann, sehe ich so nur selten. Die Rede ist von der Tatsache, dass er mit jedem neuen Film, ein schlechteres Gesamterlebnis abliefert. Man sollte ja meinen, er lerne mit der Zeit dazu. Wenn, dann ist das ein Fall von „Reverse-Psychology“ nach dem Motto: wie baue ich so weit ab, dass ich irgendwann einen tollen Trash-Film abliefern kann?

The Prince, dann kam Vice und zuletzt folgte Reprisal, es ging stetig bergab (und nein, seine ersten Werke hole ich nicht nach, nur um meine Theorie zu bestätigen). Backtrace habe ich nur eine Chance gegeben, um den guten alten Sylvester (Judge Dredd) wieder mal zu sehen. Das ist dann auch einer von zwei Gründen, warum der Film bei einmaliger Sichtung, halbwegs erträglich ist. Er hat zwar nichts zu tun, aber alleine weil genau er seine Sprüche aufsagt, wirkt es gleich irgendwie cooler.

Zweitens ist der Weg zur Wahrheitsfindung gar nicht so unspannend inszeniert und auch der Twist (wenn auch nicht gerade sehr glaubwürdig) ist gelungen. Wie Macdonald die Orte seiner Vergangenheit wieder aufsucht um sein Gedächtnis wieder zu erlangen, man vergönnt ihm da schon die Wahrheit zu erfahren und man will auch wissen, wo die Beute versteckt ist (selbst wenn es nur darum geht, sie als Zuschauer als Schmerzensgeld zu kassieren).

Atmosphäre kommt dabei ganz klar nie auf, die kalten Bilder wirken teilweise eher wie aus einer Dokumentation. Auf zusätzlich langweilige Action-Momente wird wenigstens verzichtet, nur Stallone darf am Ende aufdrehen und so etwas kann man sich immer ansehen. Achja, was das Finale betrifft: dieser seltsame von „Bromance“ angehauchter „jetzt wird alles gut“ Kitsch, der kommt aus dem Nichts, ist unpassend und einfach nur unfreiwillig komisch. Danke aber Sly, den treuen Dackelblick werde ich so schnell nicht wieder vergessen.

Schauspielerisch sind viel unbekannte (aus gutem Grund) jüngere Leute dabei und ein paar Altstars, denen das Geld sicher nicht geschadet hat. Von den neueren „Stars“ kann nur Ryan Guzman (Heroes Reborn) als Lucas überzeugen, der hat eine gewisse unberechenbare Präsenz und man weiß erst kurz vor dem Ende, wie er wirklich tickt, ob er Egoist oder Team-Spieler ist. Dass Stallone als erfahrener Cop dabei ist, das ist eine nette Sache, was jedoch null mit dem Film oder der Rolle zu tun hat.

Matthew Modine (Stranger Things) als tragischer Held stolpert fast den gesamten Film über mit gequältem Gesichtsausdruck durch die Handlung und ich kann nur sagen: I feel you brother, ich fühle klar mit dir. Mit Christopher McDonald (The Collection) als FBI-Agent ist noch ein weiterer Routinier mit dabei, der immer noch gut im Geschäft ist. Hier darf er aber nicht mehr machen, als ständig unsympathisch und selbstverliebt zu agieren.

Nennt es ruhig Masochismus aber ich will wissen, wie schlimm Miller´s nächster „10 Minutes Gone“ mit Bruce Willis wirklich sein kann. Backtrace ist belanglos, ohne Möglichkeit mit den Charakteren eine Verbindung aufzubauen und ziemlich kalt inszeniert. Was ihn am Leben hält ist ein gewisses Grad an „Rest-Spannung“ und die Nostalgie, die Action-Oldie Stallone versprüht. Das zu missbrauchen, ist wenn ich darüber nachdenke, jedoch ebenfalls eine unfeine Sache.

„Backtrace“ bekommt von mir 3/10 die Vergangenheit lieber vergessen wollende Empfehlungspunkte.


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