Alien: Resurrection (Filmkritik)

200 Jahre nachdem Ellen Ripley (Sigourney Weaver) auf dem Gefängnisplaneten ihr Ende gefunden hat, erwacht sie wieder. Alles ist anders, alles ist neu. Vor allen neu ist die Tatsache, dass sie nicht die „echte“ Ripley ist, sondern ein Klon, der erschaffen wurde, um das Alien-Embryo, dass sie in sich trug, wenn möglich, entfernen und aufziehen zu können. Dass dabei einiges schief gehen kann ist wohl klar und langsam aber sich bemerkt Ripley, dass sie selbst nicht mehr zu einhundert Prozent menschlich ist.

Zeitgleich kommt Annalee Call (Winona Ryder) mit ihren Raumpiraten-Kollegen auf die Forschungsstation und liefert ihre Fracht ab. Was sie aber nicht ahnen, ist, dass die Aliens (den ein Embryo war nicht genug) auf der Station sind und ausbrechen. Aber Annalee hat ein Geheimnis und einen ganz besonderen Grund, genau zu diesem Zeitpunkt auf dieser Station mit Ripley zu sein.

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1997 war es also soweit und Sigourney Weaver („Avatar„) hat sich – dank des Drehbuchs, wie es heißt – dazu überreden lassen ein weiteres Mal für die Rolle der Ellen Ripley vor die Kamera zu treten. Um es gleich mal vorweg zu sagen: Der vierte Teil der Alien-Saga entfernt sich atmosphärisch ein stückweit von den anderen Teilen der Serie (die ja auch nicht unbedingt immer zusammenpassten) und führt ein paar Änderungen im Ton und Stil ein. Daran mag Regisseur Jean-Pierre Jeunet die Schuld tragen, war der Mann doch davor für die skurrilen, dystopischen und schrägen „Die Stadt der verlorenen Kinder“, sowie „Delicatessen“ verantwortlich. Seinen Stil merkt man „Alien: Die Wiedergeburt“ zu 100% an und da ich persönlich ein großer Fan von Jeunet bin, kann ich leider nur bedingt nachvollziehen, was an dem Teil so schlecht sein soll (wird der Film doch immer wieder – meist in einem Atemzug mit „Alien 3“ als „Sargnagel des Franchise“ bezeichnet).

Die Schauspielriege ist zu einhundert Prozent (von Weaver abgesehen) neu und präsentiert sich dementsprechend frisch. Da die Geschichte 200 Jahre nach dem letzten Teil spielt braucht man sich auch um eventuelle Anschlussfehler keine Sorgen machen. Die Einführung der neuen Charaktere ist wundervoll gelungen. Ob es sich nun um den rabiaten, durchgeknallten und eigentlich ziemlich unsympathischen (und trotzdem schlussendlich liebenswerten) Johner handelt, der perfekt von Ron Perlman („Hellboy„) dargestellt wird, den Rollstuhl fahrenden Mechaniker Vriess (Dominique Pinon, „Amelie“) oder die liebreizende und herzensgute Annalee Call (personifiziert von Winona Ryder, „Black Swan„, „Homefront„) – alle sind auf ihre eigene Art sympathisch. Ganz im Gegensatz zu den durchgeknallten Wissenschaftlern (Brad Dourif, Grima Schlangenzunge aus „Herr der Ringe„) und Militärs (Dan Hedaya, „Phantom Commando“), die passend irre, geldgierig oder sich in ihr Forschungsstück (das Alien, nicht Ripley) verliebt habend, präsentiert werden.

Der neue Ton geht mehr in Richtung Comicverfilmung, was die Farbgebung des Films betrifft, sowie auch ein paar der One-Liner, die sich durch den Film ziehen. Dabei ist die Interaktion der Figuren (allen voran Johnser, Annalee und Vriess) wirklich gut gelungen. Auch Ripley, sich ihres neuen Daseins als „Monster“ bewusst, genießt ihr neues Ich sichtlich und kommt nicht umhin, sich die eine oder andere abartige Aktion zu leisten. Vor allem die Tatsache, dass es lange nicht klar ist, ob Ripley jetzt zu den „Guten“ gehört oder nicht, hat mir besonders gut gefallen.

Das Design der Aliens ist wirklich super geraten und die Viecher sind wieder schön schleimig und dieses Mal dunkler und – lernfähig. Was sich in ein paar Szenen wirklich super auswirkt und gut eingefangen wird. Ein paar der Szenen sind mit einem emotionalen Schlag verbunden (Ripley findet eine Klonkammer), welche jedoch mit zum Charakter passenden One-Linern aufgefangen werden („What a waste of ammo“). Relativ spät in der Story, die im Kern auf die übliche „Wir müssen hier entkommen“-Formel zurückgreift, kommt dann zum Tragen, dass sich die Gene von Ripley und dem Alien vermischt haben. Die Auswirkungen auf Ripley sind von Anfang an klar, was aber mit dem Alien passiert … nun ja, das war damals einer der großen Kritikpunkte am Film. Das Design des „neuen“ Aliens. Ich finde es absolut passend und gelungen ambivalent. Auch die Verbindung zwischen Ripley und dem neuen Alien ist streckenweise (gerade am Ende) herzzereißend.

Alles in allem ist „Alien: Resurrection“ in erster Linie also ein Jean-Pierre Jeunet-Film (samt seines Stamm-Cast) und erst in zweiter Linie ein „Alien“-Film. Aber gerade deshalb habe ich die frischen Inputs wirklich gut gefunden und hatte (auch damals im Kino bereits) großen Spaß an dem Film. Und so viele im Kopf bleibende Momente wie aus diesem Teil („I thought you were dead“ – „Yeah, I get that a lot“) hatte ich bei keinem anderen Alien-Film. Ich sage nur: Kamerafahrt bis in den Brustkorb und dann … naja. Unbrutal ist der Film keinesfalls. Witzig, dass Jeunet danach sein – meiner Meinung nach – Meisterwerk abgeliefert hat, der für mich einer der besten Filme aller Zeiten ist: „Die fabelhafte Welt der Amelié“. Genau. Der Mann hinter „Amelie“ hat vorher „Alien 4“ gedreht – man glaubt es kaum, gell?

Witzig übrigens, dass Jean-Pierre beim Statement zum Director’s Cut sagt, dass er nicht versteht, warum das jetzt der Director’s Cut sein soll, weil sein Cut ist der, der damals im Kino lief und zu einhundert Prozent der Film, den er machen wollte. Sympathisch der Mann.

„Alien: Resurrection“ bekommt von mir 8,5 von 10 möglichen, die Alien-Saga plausibel und mit Pepp fortsetzende Punkte.

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