Der Geist und die Dunkelheit (Filmkritik)

Col. John Henry Patterson (Val Kilmer) bekommt einen relativ einfachen Auftrag: Er soll nach Afrika und dort einen Brückenbau beschleunigen. Die Zeit dafür: 3 Monate. Warum? Weil er genau das macht: Brücken bauen. Außerdem wollte er schon ewig nach Afrika. Seine Frau ist allerdings schwanger – da kommt ihm der zeitliche Druck eh gerade recht um wieder rechtzeitig zuhause sein zu müssen.

Und anfangs läuft alles nach Plan. Bis ein Löwe ein paar Menschen tötet. Patterson kümmert sich darum und erschießt ihn. Das hat aber nach einer anfänglichen Euphorie zur Folge, dass kurz darauf zwei weitere Löwen auftauchen. Und diese beiden benehmen sich nicht einfach wie Löwen. Diese jagen Menschen. Und zwar sehr gezielt. Also muss Patterson sich Hilfe holen bei Charles Remington (Michael Douglas), einem renommierten Jäger, der noch alles umgelegt hat, auf das er es abgesehen hatte …

1996. Das sind über zwanzig Jahre. Und in dieser Zeit kann viel passieren. Vor allem Karrieren können in dieser Zeit nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals baden gehen. Wenn man sich vorstellt, dass Val Kilmer mal ein Garant für belegte Kinositze war (The Saint, irgendwer?), dann fragen heutzutage wohl die meisten „Val wer?“. Und in Anbetracht seiner letzten Filme (und ich meine das letzte Jahrzehnt) wohl auch berechtigt. Es wird ja behauptet, dass George Clooney das Batman-Franchise gemeinsam mit Joel Silver zerstört hat, aber sind wir ehrlich: Das hat Kilmer schon einen Film davor erledigt. Und mit aktuelleren Filmen wie „Twixt“ oder „Hardwired“ lief es für ihn ja auch nicht so toll.

„Der Geist und die Dunkelheit“ allerdings entstand zu einer Zeit als Val noch der Held eines Films sein konnte. Im Fall von diesem Film hier nicht ohne Unterstützung seines Produzenten Michael Douglas, der in die Haut von Remington schlüpft und versucht extrem cool zu sein. Was witzig dabei ist: Michael Douglas ist cool, weil er Michael Douglas („Ant-Man„), ist. Und wenn er versucht(!) cool zu sein, dann wirkt das wie Overacting ein wenig lächerlich.

Diversen Aussagen zufolge haben sich Produzent Douglas und Regisseur Stephen Hopkins (unter anderem: „A Nightmare On Elm Street 5“ oder „Predator 2„) während dem Film so richtig zerstritten und den Schnitt haben sie den Regisseur weggenonmmen. Das merkt man den Film streckenweise – wenn man es vor Sichtung weiß – auch an, denn nicht alles ist ganz stimmig, aber – ganz ehrlich: Heutzutage würde der Film in Summe als zu 100% logisch durchgehen, weil – wen jucken denn heutzutage noch Anschlussfehler? (*seufz*)

Der Film selbst ist ein Abenteuerfilm mit Horroranleihen, der eine wahre Geschichte (Brückenbau, Löwen, Patterson) mit Fantasieelementen mischt (Remington) und so ein unterhaltsames Erlebnis bietet, was vor allem an den Löwen liegt, die wirklich als hinterlistige Viecher dargestellt werden. Es gibt ein paar wirklich spannende Szenen (Ladehemmung, Finden der Höhle), aber auch ein paar richtig unnötige (Shamanentanz) Szenen und alles was dazwischen liegt.

Der Film ist kurzweilig, über die Dialoge muss man großteils hinwegsehen/hören, und bietet auch optisch einiges an Schauwerten, denn die Kamera fängt immer wieder tolle Bilder ein. Was ich auch toll finde: Da Patterson verheiratet ist und ein Kind erwartet gibt es keine aufgesetzte, doofe Love-Story im Hintergrund, sondern es geht wirklich um das Problem mit den Löwen und den damit einhergehenden (berechtigten) Panikattacken unter den Arbeitern.

Der immer wieder eingestreute Situationshumor trifft oftmals aufgrund des Sarkasmus perfekt (als der Arzt Patterson sein Spital mit den Worten zeigt: „This is my hospital. My advice to you: Don’t get sick.“) oder John Beaumont, der Patterson gleich mal erklärt, dass er ein Monster ist, der seine Arbeier ausbeutet und sich einen Dreck um alles andere schert, was Patterson zu der Aussage „Any more words of encouragement?“ verleitet. Dafür muss man auch Zeilen wie diese aushalten: „You build bridges, John. You need to go where the water is.“. Autsch.

„Der Geist und die Dunkelheit“ ist ein unterhaltsamer Abenteuerfilm, der alles in allem Spaß macht, wenn man nicht weiter nachdenkt, die Geschichte einfach so nimmt und primär einen Abenteuerfilm mit gemeinen Löwen sehen will. Da funktioniert er als trashiges Erlebnis sehr gut.

„Der Geist und die Dunkelheit“ bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen, trashig unterhaltsame Punkte.

Anmerkung am Rande: Bei der Blu-Ray, die ich erworben habe, hat man wohl – wenn ich mir die Bildqualität so ansehe – aus versehen eine DVD auf eine Blu-Ray gebrannt.

Der Geist und die Dunkelheit [Blu-ray]


von Stephen Hopkins [Splendid Film/WVG]
Preis: EUR 9,99


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