Dragon Quest Heroes 2 (Game-Review)

Vor 1000 Jahren gab es einen großen Krieg. Die Brüder Fractos und Unos haben sich gegenseitig die Köpfe eingeschlagen und die gesamte Welt zerbrach in sieben Reiche. Diese sieben Reichen sollten für immer in Frieden leben, auf das nicht nochmals solch ein Krieg über die Welt hereinbreche.

Aber es kommt natürlich anders: Unsere Heldin besucht ihren Cousin in Harba, der dort auf Auslandssemester studiert und sich zum Schwertkämpfer ausbilden lässt. Just als die beiden sich treffen wird Harba aber von Dunisia angegriffen. An der Spitze der Armee steht ihr alter Freund: Prinz Cesar.

Irgendetwas ist passiert, denn ohne Grund würde Cesar niemals angreifen. Aber bevor man dieses Mysterium lösen kann muss erst einmal die fremde Stadt vor der landeseigenen Armee gerettet werden.

Ja, ich hatte „Dragon Quest Heroes“ bereits gespielt und für gut befunden. Die simple Mechanik gepaart mit den feinen, humorvollen, emotionalen und teilweise überraschenden Momenten in der Story haben genau meinen Geschmack getroffen. Die putzigen Charaktere und die knuffigen Monster sowie die sehr gelungene Optik sein ein Fest für die Augen – es hat von Anfang bis Ende Spaß gemacht.

2017 kam der zweite Teil der Massenklopperei in den Handel und ich muss Square Enix, Omega Force und alle anderen beteiligten Entwicklerstudios ausdrücklich loben, denn der zweite Teil ist in allen Belangen besser als der erste. Die Monster sind noch immer genauso putzig wie vorher – mit dem Unterschied, dass es dieses Mal sogar noch viel knuffigere Wesen gibt (die Hoodlums! Die Lynx! Die Esel der Bone Riders!) und die (Umgebungs-)Grafik an allen Ecken und Ende zwar nicht per se aufgebohrt, aber zumindest poliert wurde: Mehr Details, schönere Umgebungen und mehr Abwechslung. Was ich zuerst eher skeptisch betrachtet habe, sich aber als toll herausgestellt hat, ist das Vorhandensein einer zusammenhängenden Karte, die zwar einzelne Abschnitte bereit hält, sich aber (mit Ladepausen) dennoch frei von A nach Z durchqueren lässt.

So haben wir jetzt Wüstengebiete, Wälder, Sümpfe, Schneegipfel und Städte. Da gibt es auch optisch mehr Abwechslung und auch wenn sich manche Monster wiederholen (die Katzen zB gibt es im Winterland in weißer und im normalen Land in brauner Farbe und so weiter), so existieren dennoch genug eigenständige Monster pro Zone, damit auch da die Abwechslung gewahrt bleibt.

Das Gameplay bleibt ebenfalls wie gehabt: Monster verprügeln und das in ziemlich, ziemlich großen Mengen. Immer noch zieht man mit maximal vier Charakteren ins Feld, sammelt Erfahrungspunkte, schaltet neue Fähigkeiten frei, kauft neue Waffen, verbessert seine Ausrüstung, sammelt Mini-Medaillen und erfüllt Haupt- und Nebenaufträge, in denen es aber nun deutlich mehr Abwechslung bzw. Herausforderungen zu erwarten gibt.

War es im Vorteil primär so, dass alle Quests darauf hinausgelaufen sind ein bestimmtes Gebiet von Monstern zu säubern, so ist es beim zweiten Teil so, dass es darauf hinausläuft, das ihr ein bestimmtes Gebiet … von Monstern … säubert. Hm. Aber die Neuerungen liegen im Detail: Hat es uns im ersten Teil nur manchmal sumpfiger Boden schwer gemacht, so kommen im zweiten Teil Teleporter dazu, Säure und Giftdämpfe in der Umgebung, rutschiger Untergrund, Abhänge, Felsen, die uns niederrollen können, Falltüren und so weiter und so fort.

Das macht die ganze Angelegenheit um einiges intensiver und abwechslungsreicher, auch wenn das Prinzip natürlich immer gleich bleibt: Hau alles aus den Latschen, was sich aus den Latschen hauen lässt. Aber hui – das macht immer noch Spaß.

Die Story an sich ist wie bereits im Vorgänger auf zwei Zeilen reduziert nicht besonders neu oder innovativ, aber trotzdem gut inszeniert und spannend erzählt. Die Verschwörungen, die Intrigen, das Ausspielen der einzelnen Könige gegeneinander – all das ist wirklich spannend und super in Szene gesetzt und auch wenn keine großen Überraschungen im großen Bogen der Erzählung auf euch warten, so war es doch ein paar Mal so, dass ich der Meinung war ich hätte den Finalkampf vor mir, nur um dann eine weitere Storywende vor die Füsse geworfen zu bekommen. So bin ich mehrmals drauf und dran gewesen zu glauben, ich wüsste wer hinter allem steckt, nur um dann von der Story eine Kehrtwendung serviert zu bekommen, die mich jedes Mal doch wieder überrascht hat. Kurz: „Dragon Quest Heroes 2“ hat eine lange Story, keine Sorge.

Auch kommt es in diesem Teil zu wirklich, wirklich, wirklich(!) epischen Schlachten. Soll heißen: Wer bei Massenschlachten automatisch an Herr der Ringe denkt, der oder die wird auch hier genug zu gucken haben. Was sich da alles auf dem Schlachtfeld tummelt, das ist teilweise schon verdammt beeindruckend. Die ersten Blicke auf die Monstermassen mit dem Wissen, welche großen Kaliber dabei sind, da läuft es einem schon mal kalt den Buckel runter. Und das Adrenalin peitscht sich ganz von selbst nach oben, wenn man sich bereits im Ansturm auf die Gegnerhorden eine Strategie zurechtlegt (die braucht man hier immer wieder mal) in welchen Teil der Front man zuerst krachen wird und wie man sicherstellt, dass die eigenen Linien halten – das macht Spaß. Da kommt wirklich ein verdammt episches Gefühl auf.

Gerade diese Momente in denen man auf eine Horde Monster zustürmt und sich mit Schwertern in die Gegnermassen wirft, herumwirbelt und nach allen Seiten austeilt, nur um dann für eine Sekunde zur Ruhe zu kommen und zu sehen, wie die Gegner rundherum vom Himmel stürzen oder auf den Bogen geknallt sind und man im Alleingang zwanzig Monster zurückgedrängt hat: Das ist schon ein ziemlich cooles Gefühl.

Dazu kommen streckenweise wirklich schwere Kämpfe gegen starke Bossgegner und so manch eine Nebenquest die ihr mit bestimmten Charakteren im Schlepptau bestreiten müsst hat es in sich, auch wenn es anfangs nicht so wirkt. Da kann die Unterstützung eines liebestollen Burschen schon mal in eine derartige Massenschlacht ausarten, dass man sich unweigerlich fragt, wer der Kerl denn bitteschön ist, wenn ihm der Brautvater solche Typen entgegenwirft (und ja, die Auflösung ist erschreckend und gleichzeitig sehr romantisch).

Die Riege an Charakteren ist auch im zweiten Teil wieder toll. Die beiden Hauptcharaktere (neu: Sie können bei Bedarf ihre Klasse wechseln) sind im Grunde ähnlich wie im ersten Teil, nur umgekehrt: Sie plant gern, er ist spontan – aber das passt schon. Sie füllen ihre Funktion sehr gut aus. Dann gibt es noch jene, die aus dem ersten Teil zurückkommen, eben wie Kiryl und Alena, aber auch Terry und sogar Jessica und Maya sind wieder dabei. Wobei Maya in diesem Fall extrem cool in die Story eingeführt wird.

Dazu kommt eine ganze Reihe an neuen Gesichtern wie eben Prinz Cesar, der Schläger/Tischler Carver, die großmaulige Maribel mit ihrem mit Wölfen sprechenden Begleiter Ruff, der Händler Torneko, die rothaarige Axtschwingerin Desdemona, der großkotzige und (wie sich herausstellt zurecht) arrogante und sich mit Jessica super Wortgefechte liefernde Angelo als auch die Schwester von Maya namens Meena. Allesamt super Personen mit Charakter, die man einfach trotz all ihrer Mankos (Angelo) gern haben muss.

Auch alle anderen Teilaspekte des Spiels sind verbessert worden. Die Ausrüstung kann man mittlerweile sogar pro Stück aufwerten (und mehrere Effekte drauf legen), besondere Quests geben bestimmte Ausrüstungsgegestände her, Nebenaufgaben beinhalten auch bestimmte Voraussetzungen (zB bestimmte Gegner nur mit bestimmten Elemten zu erlegen) und erzählen teilweise sogar eigene, mehrstufige Geschichten. Es gibt einen Martial-Arts-Trainer, der euch zusätzlich zu euren Skillpunkten noch Fähigkeiten mitgibt – je mehr ihr mit zB dem Schwert kämpft, desto mehr Boni für diese Fertigkeit bekommt ihr – und euch sogar Fähigkeiten als Gruppe beibringt. Dazu kommen Attacken beim Charakterwechsel, so dass man sich nicht nur überlegen sollte, wer in der Gruppe sich gemeinsam in die Schlacht stürzt, sondern auch in welcher Reihenfolge. Und glaubt mir: sich einfach vier Charaktere zu schnappen und damit das ganze Spiel zu beschreiten funktioniert nicht: Ihr werdet sie alle irgendwann brauchen. Ich habe selten ein Spiel erlebt in welchem tatsächlich jeder Charakter seine Daseinsberechtigung hatte (und es stehen immerhin 15 davon zur Auswahl).

Alles in allem ist „Dragon Quest Heroes 2“ im Vergleich zum ohnehin bereits tollen Vorgänger eine Verbesserung in allen Belangen und es macht nicht nur genauso viel, sondern sogar noch mehr Spaß.

„Dragon Quest Heroes 2: Twin Kings And The Prophecy’s End“ bekommt von mir 8,5 von 10 möglichen, erneut gegen Monstermassen antretende, Punkte.

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