Dragon Quest Heroes (Game-Review)

In der Hauptstadt Arba wird gefeiert. Die Monster dieser Welt sind gute Freunde der Menschen und gemeinsam feiert man ein großes Fest. Plötzlich zieht eine große Dunkelheit über das Land und alle friedlichen Monster greifen an. Die Menschen müssen sich wehren.

Unter ihnen sind die Palastwachen und Leibwächter von König Doric. Die beiden langjährigen Freunde können natürlich nicht tatenlos zusehen, wie die Hauptstadt überrannt wird, also ran an die Waffen und durchschlagen zu König Doric.

Damit fängt die Geschichte allerdings erst an, denn das Geheimins welches hinter der Dunkelheit liegt und welches die Monster zu ihrem Angriff gebracht hat, muss noch gelüftet werdem. Vorher gilt es jedoch die Königreiche der Zwerge, Elfen und aller anderen zu befreien.

Ich sag es, wie es ist: Ich kenne kein einziges der „Dragon Quest“-Rollenspiele. Die Serie mag in Japan oder sonstwo wirklich berühmt sein, ich kenne keines davon. Aufgefallen ist mir „Dragon Quest Heroes“ ja nicht einmal wirklich. Das Ding ist klammheimlich erschienen und ich habe es nicht mitbekommen. Im Zuge der Information, dass Dragon Quest XI scheinbar auch in Europa erscheinen wird, bekam „Dragon Quest Heroes II“ in diversen Medien zu mehr Aufmerksamkeit und – ich gestehe: Ich habe mich den Look der Serie verliebt.

Ja, ganz ehrlich: „Dragon Quest Heroes“ ist das erste Spiel seit Jahren, welches ich mir nur(!) zugelegt habe weil ich die Monster und die Figuren so dermaßen niedlich fand, dass ich einfach wissen wollte, wie sich das Ganze spielt. Die Figuren wurden entworfen von Akira Toriyama, der auch Dragonball Z und ähnliche Figuren/Welten entworfen hat (und die mich genau Null interessieren). Aber in dieser Form, in diesen 3D-Modellen, sind sie einfach – zuckersüß.

Worum geht es eigentlich? Nun, eigentlich besteht „Dragon Quest Heroes“ aus nicht sehr viel, außer Monster verdreschen. Ja. Das war es. Dafür sind es Massenschlachten, in die ihr euch mit bis zu vier Charakteren (für einen der beiden Hauptcharaktere in der Story müsst ihr euch entscheiden, ihr dürft ihnen auch eigenen Namen geben) werft. Da wird dann geprügelt, geboxt, getreten und gezaubert was das Zeug hält. Hat sich eine Statusleiste („Tension“) aufgeladen, dann könnt ihr euch für kurze Zeit unverwundbar machen und am Ende einen Gnadenstoß ausführen (der extrem viel Flächenschaden verursacht).

Dazu kommen noch so genannte „Monstermedaillen“, die von verprügelten Monstern zurückgelassen werden und die man aufsammeln und in die Schlacht werfen kann, damit diese auf eurer Seite kämpfen. Außerdem kann man im Laufe der Zeit neue Waffen beim Schmied kaufen (die wichtig sind) und Edelsteine, welche Rüstungen ersetzen. Dazu kann man diverse Gegenstände, die man findet (Ohrringe, Gürtel, Ringe, usw) mit magischen Fähigkeiten (Erhöht den Widerstand gegen Frostschäden und so weiter) ausstatten und diese anlegen.

Aus der illustren Schar von Charakteren könnt ihr immer vier mit in die Schlacht nehmen und auf Knopfdruck zwischen diesen wechseln. Das ist insofern hilfreich, als dass manche eben Fernkämpfer sind, andere haben magische Fähigkeiten und wieder andere hauen so richtig gut drauf. Dazu gibt es leichte und schwere Angriffe als auch mehrere Spezialattacken.

Die Steuerung geht gut von der Hand – es gibt auch zwei verschiedene Steuerungsarten: Eine leichte und eine komplexe. Bei der leichten Version übernimmt der Zufallsgenerator mehr oder weniger die Entscheidung welche Kombo ihr auslöst und bei der komplexen Steuerung müsst ihr schon im richtigen Timing die richtigen Knöpfe drücken. So kurz, so simpel. Oh – und es gibt noch Ausweichrollen und manche Angriffe könnt ihr euch blocken.

Das reicht aus um euch für über 40 Stunden bei der Stange zu halten, euch quer über die ganze Welt und wieder retour zu schicken. Dabei begleiten eure beiden Helden 10 spielbare Charaktere (sowie ein Bonuscharakter im inkludierten DLC, der fast ganz am Ende dazu kommt) sowie euer treuer NPC-Freund Healix, der Heilschleim. Und die Story ist gewaltig. Im Sinne von episch. Nicht neu, aber episch und wirklich unterhaltsam erzählt. Die Zwischensequenzen sind super geschnitten, die Dialoge teilweise brüllend komisch, aber auch angenehm pathetisch und kurz gefasst. Da wird nicht lange geschwafelt, aber das was gesagt wird trifft meist auf den Punkt.

Überhaupt – man mag von „Auserwählte gegen das Böse“-Geschichten halten was man mag, aber wenn sie richtig eingesetzt werden, dann funktionieren sie wunderbar. So auch hier: Die Tatsache, dass Menschen und Monster Freunde sind (im Intro überreicht ein Steingolem einem Kleinkind ein paar Luftballons, ein paar Imps machen Kunststücke, Zauberer spielen Feuershows – alle sind happy) und dass diese Freundschaft plötzlich zerstört wird, dass allein macht schon Lust darauf herauszufinden, was da denn los ist.

Wenn die Monster, die man verdreschen muss, dann noch dazu dermaßen knuffig und lieb sind, dann ist der Anreiz Licht ins Dunkel zu bringen noch viel größer, denn die meisten davon mag man nicht verprügeln, sondern primär kuscheln. Echt. Die sind sowas von lieb. Alle. Sogar die Bossgegner (teilweise sogar gerade die Bossgegner!) sind absolut … knuffig. Ich finde kein besseres Wort. Der Marquis de Leon zum Beispiel (ein vierarmiger, blauer Löwe) oder der grüne Drache am Anfang. Einfach super. Allein schon um alle zu sehen will/muss man weiterspielen.

Und dann die Charaktere: Terry, der mürrische Schwertschwinger, der sich mit dem männlichen Hauptcharakter gerne darüber streitet, wer der bessere Schwertkämpfer ist. Kiryl, der sich auf seine Prinzessin und Schutzbefohlene Alena steht, ihr das aber nicht sagen kann und sie immerzu begleitet, weil er Angst hat, sie könnte sich in Gefahr bringen. Was sie auch immerzu tut, denn das kleine rothaarige Großmaul ist einfach eine verdammt gute Faustkämpferin und betrachtet einfach jeden Kampf als Übung und „bösen Buben“ muss man das „Böse aus der Birne prügeln“. Oder Jessica und Yangus, die Zauberin und der zwergische Räuber, der bekehrt wurde. Die Streitgespräche der beiden sind super – und die Verbindung die Yangus zu Healix aufbaut ist herzallerliebst. Jessica ist einfach eine verdammt coole Socke, die alle ihre Talente (auch die optischen) zum Sieg einsetzt. Die beiden Damen Nera und Bianca, die dermaßen verknallt sind, dass sie jedweder Person, die nur irgendwie Liebeskummer hat, sofort helfen müssen. Oder Maya, die Tänzerin, die einfach nur Geld und Ruhm und Fans will. Dafür aber auch wirklich so richtig auf den Tisch hauen kann. Oder die Erfinderin Isla, hinter der mehr steckt als man anfangs denkt. Oder König Doric, der nicht nur groß und stark ist, sondern in dessen Brust auch ein großes Herz schlägt.

Ihr merkt schon – ich fand die alle toll. Auch die Hauptcharaktere – die weibliche Figur eher hitzköpfig und die männliche Figur der strategische Planer – sind witzig und nie nervig. Das alles funktioniert prächtig.

Dazu kommen in späteren Teilen der Story noch ein paar, nun, vielleicht nicht so richtig überraschende, aber immerhin unerwartete und vor allem sehr willkommene Storywendungen und -entwicklungen und vor allem: Es gibt ein paar Stellen, die sind wirklich emotional geraten. Das hätte ich so einem Spiel gar nicht zugetraut. Und dann die Seitenhiebe auf das „Band der Freundschaft, welches alles bezingt“ und so weiter. Da wird einerseits die Kraft der Freundschaft und der Liebe beschworen und andererseits auch darauf hingewiesen, dass dieses viel erreichen kann – aber eben nicht alles.

Alles in allem war „Dragon Quest Heroes“ ein abosoluter Glückskauf und ich habe keine Minute der (später bockschweren) Schlachten bereut, sondern mich mit den Figuren immer wieder gern in die Schlacht gestürzt und ihren Dialogen, Lebenswegen und manchmal einfach nur One-Linern gelauscht.

Und dazu gefühlte Millionen Monster verprügelt. Nicht umgebracht – verprügelt, denn ganz ehrlich: Solche Monster kann man nicht töten. Da würde man tatsächlich ein richtig schlechtes Gewissen bekommen.

„Dragon Quest Heroes: The world Tree’s Woe and The Blight Below“ bekommt von mir 8 von 10 möglichen, in seiner Optik, Story und (doch eher) repetiven Spielmechanik die richtigen Sachen betonende, Punkte.

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