Alles Geld der Welt – All the Money in the World (Filmkritik)

Italien – 1973. John Paul Getty III. (Charlie Plummer), der 16 Jahre alte Enkel des Öl-Millionärs John P. Getty (Christopher Plummer) wird entführt. Die Entführer verlangen für den Jungen 17 Millionen Dollar Lösegeld, doch der Geschäftsmann weigert sich, die geforderte Summe zu zahlen…

Immer wenn ein Film aus den falschen Gründen in den Medien ist, weckt dies mein Interesse. Schon bevor ich wusste, worum es in dem Film eigentlich geht, konnte man von dem Skandal rund um Schauspieler Kevin Spacey lesen, der eine Rolle in „All the Money in the World“ gehabt hätte. Klar ist, dass unter anderem Ridely Scott (The Martian), der als Produzent und Regisseur fungierte Schadensbegrenzung betreiben musste.

So wurden Spaceys Szenen kurzerhand mit einem anderen Schauspieler neu gedreht. Die harte Arbeit Vieler sollte durch das Fehlverhalten einer Person nicht entwertet werden. Teilweise ging die Rechnung auch auf. So erhielt Christopher Plummer die Rolle und wird für seine Darstellung just mit Lob überhäuft. Der Aufwand lohnte sich allerdings nur begrenzt, denn der Film lockte kaum Fans in die amerikanischen Kinos und floppte.

Doch zeitgleich bekam die Presse von den gravierenden Unterschieden bei der Bezahlung von Michelle Williams und Mark Wahlberg Wind. So erhielt Wahlberg für die Nachdrehs (wegen der Ersetzung Spaceys) 1,5 Millionen Dollar und Williams pro Tag nur 800 Dollar, was eine neuerliche Diskussion über die Gehälterdifferenz in Hollywood mit sich brachte. Irgendwie Meta, wenns bei einem Film vor und hinter den Kulissen ums liebe Geld geht.

Der Film basiert auf dem Buch „Painfully Rich: The Outrageous Fortunes and Misfortunes of the Heirs of J. Paul Getty“ von John Pearson und erzählt die wahre Geschichte der Entführung von John Paul Getty III, den Erben eines Millionenreichtums. Doch wirklich bekannt ist die Geschichte nur, weil sich der Großvater des Jungen, John Paul Getty, sich weigerte, das Lösegeld für seinen Enkel zu zahlen. Seine Begründung? Er hätte so viele Enkel und könne nicht anfangen für jeden Lösegeld zu zahlen. Das zeugt schon mal von einem liebevollen Wesen. Und tatsächlich stellt ihn der Film nicht gerade in einem schmeichelhaften Bild dar.

Als John Paul Getty brilliert wie bereits erwähnt Christopher Plummer (The Girl with the Dragon Tattoo). Getty mangelt es an Empathie und wie Dagobert Duck genießt er es reich zu sein, sieht es aber auf keinem Fall ein, es mit „unwürdigen Personen“ zu teilen. Er riskiert wissentlich das Leben seines Enkels und will nur eine gewisse Summe zahlen, weil diese Steuervorteile bringt.

Plummer ist als Getty komplett unsympathisch, gierig, geizig, kaltherzig – einfach ein Ekel. Ein so verachtenswertes Individuum zu spielen ist sicher nicht ganz einfach, aber Plummer meistert diese Herausforderung mit links. Sein Casting war ohnehin ein Segen, denn ich habe mir gerade einen Trailer mit Kevin Spacey als Getty gesehen und muss sagen, dass er unter den vielen Schichten Make-Up, die es brauchte um ihn altern zu lassen, wie eine Karikatur aussieht.

Leider schafft es der Film trotz der faszinierenden Performance von Plummer nicht komplett zu überzeugen und ist stellenweise sehr monoton und konnte mich nicht immer fesseln. Anstatt Jagd auf die Entführer zu machen wird ewig herumgeeiert. Optisch macht „All the Money in the World“ schon was her und man fühlt sich tatsächlich, wie wenn man in der Zeit zurück gereist wäre.

Michelle Williams (My Week with Marilyn) als Gail Harris ist neben Plummer der zweite Lichtblick. Oft sieht man wie unter Gails gleichgültiger/beherrschter Fassade Gefühle brodeln, die sie unterdrückt. Mark Wahlbergs (Transformers 4: Age of Extinction) Performance ist absolut nichts Besonderes.

Dieser Film bekommt von mir 6,5/10 Punkten.


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