Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen (Filmkritik)

1962 umkreist John Glenn (Glen Powell) als erster Amerikaner die Erde in einem Raumschiff. Wem ist das zu verdanken? Neben allerhand weißen Männern arbeiten daran drei schwarze Frauen. Deren Namen kennt kaum jemand, doch ihr Einfluss könnte kaum größer sein: Denn dank der harten Arbeit der NASA-Mathematikerinnen Katherine Johnson (Taraji P. Henson), Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe) verläuft Glenns Mission beinahe problemlos….

Wenn ich etwas mag, sind das Filme, die eine gute Geschichte erzählen, die inspirieren und motivieren und nebenbei noch gute Laune machen. Genauso ein Film ist „Hidden Figures“. Erzählt wird die wahre Geschichte von schwarzen Frauen, die bei der NASA für einen Hungerlohn arbeiteten, nicht nur weil sie die Frechheit hatten weiblichen Geschlechts zu sein, sondern auch weil sie die „falsche“ Hautfarbe hatten. Heute kann man es sich kaum noch vorstellen, wie Farbige vor der Aufhebung der Rassentrennung und seien wir uns ehrlich, auch noch lange danach, behandelt wurden. Selbst heute, nachdem mit Barak Obama ein Farbiger an der politischen Spitze der USA war, hat man Rassismus nicht hinter sich gelassen.

Regisseur Theodore Melfi (St. Vincent) verfilmte hier das gleichnamige Sachbuch von Margot Lee Shetterly, die in ihrem Buch verkannte wichtige Figuren in der Geschichte der NASA behandelte. Katherine G. Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson waren Genies, die zu einer Zeit lebten, als Computer noch keine Bezeichnung für Maschinen, sondern für Menschen war – um genau zu sein Frauen, die mit Taschenrechnern komplizierte Kalkulationen für ihre Vorgesetzten durchführten. Dieses Trio schaffte es, Grenzen zu überschreiten, einen Zentimeter nach dem anderen, bis sie beharrlich an ihre jeweiligen Ziele kamen.

Octavia Spencer, die ich bisher hauptsächlich aus „The Help“ als schnippische Haushälterin Minnie kannte, spielt Dorothy Vaughan, eine der ersten Frauen, die bei der NASA eine Führungsposition innehatte. Eine ihrer besten Szenen ist, als sie mit einer weißen Vorgesetzen spricht, die den ganzen Film lang unterschwellig rassistisch ist. Als sie schließlich behauptet, sie habe nichts gegen Farbige, antwortet Dorothy im höflichsten Ton, dass sie sicher sei, dass ihre weiße Kollegin das auch glaube.

Taraji P. Henson (Empire) hat von den drei Hauptcharakteren die meiste Hintergrundgeschichte, denn man gönnte ihr Kinder und einen Verlobten. Katherine Johnson muss sich von ihren meist männlichen Kollegen allerhand gefallen lassen und sich deren Respekt sehr hart erarbeiten. Sie muss einen langen Atem haben, um wahrgenommen zu werden. Als sie von ihrem Vorgesetzen einen Anschiss wegen ihrer langen WC-Pause bekommt, verteidigt sie sich und man sieht ihr Temperament aufblitzen, was Henson fantastisch darstellt.

Janelle Monáe (Moonlight), die einigen unter uns vor allem als Sängerin bekannt sein wird, spielte hier in ihrem zweiten Film mit und ich muss sagen, die Frau hat unverkennbar Talent. Ihr Charakter Mary Jackson ist der Rebell des Trios und ich finde es faszinierend, wie unbeirrbar und beharrlich sie ihr Ziel verfolgt und bei ihrem Gespräch mit dem Richter bekam ich fast feuchte Augen.

Neben den drei Leading Ladies gibt es auch einen guten Supporting Cast. Allen voran ist hier Kevin Costner (Criminal) zu erwähnen, den ich schon lange nicht mehr in einer so guten Rolle gesehen habe. Es wirkt, als ob er diesen Film nicht des Geldes wegen gedreht hat, sondern als ob es ihm ein persönliches Anliegen wäre. Sein Charakter ist eine Kombination aus drei verschiedenen echten Personen und einer der sympathischsten Menschen bei der NASA, alleine schon weil er sich nicht auf die Hautfarbe, oder das Geschlecht einer Person konzentriert, sondern auf deren Talent.

„The Big Bang Theory“-Star Jim Parsons fällt als Einziger unangenehm auf, denn er übertreibt es mit seiner Performance stellenweise schon sehr. Kirsten Dunst (Spiderman) als die bereits erwähnte unterschwellig rassistische Vorgesetzte Vivian Mitchell ist herrlich verachtenswert.

Fazit: „Hidden Figures“ ist nicht nur eine faszinierende Lektion in Puncto Geschichte der bemannten Raumfahrt und den Personen, die diese ermöglichten, sondern noch dazu ein unterhaltsamer Film mit einer inspirierenden und motivierenden Message.

Dieser Film bekommt von mir 8,5/10 nach den Sternen greifende Punkte.


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