St. Vincent (Filmkritik)

Vincent (Bill Murray) ist ein Zyniker, der sein Leben mit Alkohol und Tabak totschlägt und das bisschen Geld, dass er hat, bei Pferdewetten verzockt. Eines Tages zieht Maggie (Melissa McCarthy) nebenan ein und Vincent fällt eher zufällig die Aufgabe zu, auf ihren Sohn Oliver (Jaeden Liebher) aufzupassen. Obwohl Vincent normalerweise keinen anderen Menschen mag, werden aus dem ungleichen Paar so etwas wie Freunde.

St Vincent Film Bill Murray

Regie führte an dieser Stelle Theodore Melfi, der hier sein Debut in dieser Funktion gab. Melfi schrieb ebenfalls und zwar bereits 2011 das Drehbuch. Dieses wurde im selben Jahr in die Hollywood Black List (eine Art Best-Of-Liste unverfilmter Drehbücher) aufgenommen. Ursprünglich sollte Gerüchten zu Folge Jack Nicholson (The Departed) die Hauptrolle übernehmen, was sich aber letzten Endes nicht bestätigt hat.

So gerne ich Nicholson auch habe, so finde ich dass Bill Murray (Zombieland) hier vermutlich die bessere Wahl war. Zwar würde die Rolle des Vincent prinzipiell zu beiden passen, aber dennoch hat Murray einen hauchdünnen Vorteil wenn es um den Sympathiewert seiner Rollen geht. Egal wie viel Blödsinn Murray in seinen Rollen macht, ist es kaum möglich ihm böse zu sein – ja man muss ihn einfach gerne haben.

Seiner Rolle als Vincent verleiht Murray seinen gewissen Charme. Ja der Typ ist ein Taugenichts der glaubt, schlauer als alle anderen zu sein und dafür auch schon mal gepflegt eine in die Fresse bekommt und trotzdem mag man ihn. Sich im selben Film wie Murray zu befinden und im Vergleich nicht völlig unterzugehen, ist eigentlich eine eigene Kunst.

Obwohl Jaeden Liebher als Oliver hier in seiner ersten Rolle in einem Spielfilm zu sehen ist, macht er einen erstklassigen Job. Oliver ist so dermaßen liebenswürdig und freundlich, dass es vor allem zu Beginn möglicherweise schon etwas befremdlich wirkt. Oliver und Vincent sind so verschieden, wie man es nur sein kann und dennoch/gerade deswegen funktionieren die beiden so hervorragend miteinander.

Was die eigentliche Geschichte betrifft, so folgt man in erster Linie dem später heiliggesprochenen Vincent. Man führt den Charakter ein, lernt in kurz kennen und bringt ihn mit Oliver zusammen. Jemanden wie Vincent auf ein Kind wie Oliver aufpassen zu lassen, ist per se schon einmal keine gute Idee, aber als Alleinerziehende Mutter, hat man es nicht leicht.

Melissa McCarthy (Bridesmaids) ist sonst eher in lustigen Rolle zu sehen, vermittelt an dieser Stelle aber gekonnt auf sehr ernste Weise die Herausforderungen, mit denen man in dieser Situation zu kämpfen hat. Frisch geschieden von ihrem Ex, der zufällig Anwalt ist, kämpft sie um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn und hat hier auch sonst nicht viel Grund zu lachen.

Letzten Endes ist die Geschichte sehr gelungen. Wenn man sich etwas vorzuwerfen hat, dann dass man einmal eingebaute Handlungsstränge später links liegen lässt. (Achtung Spoiler!) Etwa kommt der von Terrence Howard (Iron Man) gespielte Geldeintreiber später einfach nicht mehr vor und auch die Tatsache, dass Vincent Oliver um einen nicht unerheblichen Geldbetrag betrogen hat, fällt unter den Tisch. (Spoiler Ende)

Alles in allem ist „St. Vincent“ ein toller Film mit zwei unglaublich guten Hauptdarstellern und einem erstklassigem Soundtrack. Theodore Melfi zeigt hier, dass er nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern sie auch inszenieren kann und ich hoffe noch den einen oder anderen Film von ihm zu sehen.

Insgesamt bekommt der Film „St. Vincent“ 8/10 Zeit seines Lebens heiliggesprochene Empfehlungspunkte.


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