Die Entdeckung der Unendlichkeit – The Theory of Everything (Filmkritik)

Während seines Studiums an der renommierten Cambridge University in den 1960er Jahren, verliebt sich der brillante Naturwissenschaftler Stephen Hawking (Eddie Redmayne) in die Sprachenstudentin Jane Wilde (Felicity Jones). Einen herben Schicksalschlag erfährt der theoretische Physiker, im Alter von nur 21 Jahren, als bei ihm die degenerative Nervenkrankheit ALS diagnostiziert wird. Die Ärzte geben ihm nur noch etwa zwei Jahre zu leben.

Doch schiere Willenskraft und nicht zuletzt die Liebe Janes, die ihn nach dem niederschmetternden Befund nicht etwa verlässt, sondern seine Frau wird, helfen ihm, den immer größeren körperlichen Einschränkungen zu trotzen und schließlich mit seinen bahnbrechenden Forschungen in die Geschichte einzugehen.

theory of everything

Die Geschichte rund um Stephen Hawking ist eine sehr faszinierende und daher wurde es auch höchste Zeit, diese in einen Film zu verpacken, der dem Genie und Menschen gerecht wird, oder dies zumindest versucht.

Ich muss sagen, dass dies bei weitem das beste Bio-Pic war, das ich seit langer Zeit gesehen habe. Man merkte förmlich das Herzblut, das in das Erzählen dieser tragischen, komischen und immer (be)rührenden Geschichte geflossen ist. Erzählt wird die Geschichte von Stephen Hawking, ein absoluter Ausnahmedenker, der mit seinen Theorien das Universum betreffend die Welt auf den Kopf stellt. Doch der junge Mann zeigt seltsame Symptome, die ihm z.B. das Schreiben und Gehen immer schwerer machen. Nach einigen Untersuchungen bekommt er eine folgenschwere Diagnose: ALS, Lebenserwartung 2 Jahre.

Hawking lässt sich allerdings nicht entmutigen und versucht in dieser Zeit möglichst viel zu arbeiten. Doch nebenbei verliebt er sich auch und gründet gemeinsam mit Jane eine kleine Familie. Dass Hawking inzwischen schon über 70 Jahre alt ist, grenzt schon an ein medizinisches Wunder. Da er wegen Komplikationen bei einer Pneumonie nicht mehr sprechen konnte, lernte er eine andere Art des Sprechens und diktierte über einen Sprachcomputer ganze Bücher.

Im Film werden ca 30 Jahre von Hawkings Leben gezeigt, wenngleich hier natürlich in 2 Stunden nur ein Best-Off zu sehen ist, was stellenweise ein bisschen holprig wirkt. Regisseur James Marsh (Shadow Dancer) inszeniert das Ganze sehr geschmackvoll und macht es dem Zuseher leicht, Mitgefühl für den Mann zu finden, in dessen verschobenen, gelähmten Körper immer noch ein brillanter Geist steckt. Zu beobachten, wie Hawking es schafft selbst einem schweren Leben immer noch gute Seiten ab zu gewinnen, ist inspirierend. Doch bei alledem wird nichts verschönt, die Tatsachen liegen schonungslos am Tisch – es gibt keinen Zuckerguss à la Disney.

Noch ein kleiner Side-Fact: Hawking hat sogar Gastauftritte in TV-Serien wie „Star Trek: Das nächste Jahrhundert“, „Die Simpsons“ oder „The Big Bang Theory“ absolviert. Wie cool ist das denn bitte?

Eddie Redmayne (Les Misérables) als Hawking war echt eine Wucht. Ich habe selten einen Schauspieler gesehen, der eine reale Person so verkörpert hat wie er. Detailgetreu zeigt er den körperlichen Verfall des Genies und schafft es in Szenen, in denen sein Charakter schon völlig gelähmt und unfähig zu sprechen ist, alleine über seine Augen zu kommunizieren. Wenn Redmayne schließlich im Rollstuhl sitzt, seine Gliedmaßen fast unrealistisch verschoben wirkend, gleicht er Hawking wirklich verblüffend und man hat das Gefühl, Redmayne spielte den Physiker nicht nur, nein, er wurde förmlich zu ihm.

Felicity Jones (Rogue One) als Hawkings aufopferungsvolle Frau Jane war eine wirkliche Überraschung. Wenn sie sich um Stephen kümmert, tut sie das nie um Aufmerksamkeit zu heischen, sondern tut dies mit einer Normalität, die wohl auch ihrem Ehemann das Gefühl gibt, ihr keine komplette Last zu sein. Die zierliche Schauspielerin beweist als Jane, dass sie ihm intellektuell durchaus ebenbürtig ist und zeigt nuanciert, was es Jane an Kraft kostete eine Fassade der Normalität rund um ihre Familie und sich selbst aufzubauen.

Fazit: Ein Film der es schafft, gleichzeitig die Geschichte eines Genies zu erzählen, der zum Opfer seines verfallenden Körpers wird und eine berührende Liebesgeschichte, die zwar kein Happy End hat, aber nichts desto trotz träumen lässt.

Dieser Film bekommt von mir 8,5/10 die Unendlichkeit entdeckende Punkte.


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