Kill Theory (Filmkritik)

Ein Mann schnitt bei einem Unfall bei einer Bergtour das Seil durch, an dem seine drei besten Freunde hangen. Es hieß entweder alle vier stürtzen gemeinsam in den Tod, oder wenigstens einer kann überleben.
Bei der anschließenden Psychotherapie behauptet der Mann, dass jeder in seiner Situation so gehandelt hätte. Der arrogante Therapeut teilt diese Meinung nicht, er sieht zwar Fortschritte in der Behandlung, verlängert diese aber um ein Jahr.

Eine Gruppe von 8 Collageschülern (unter ihnen Agnes Bruckner und Taryn Manning) feiert im Haus vom Vater ihres Mitschülers Brent eine Party. Mitten in der Nacht segelt plötzlich eine der Freunde tot durch eine Fensterscheibe. Eine Videobotschaft informiert die Jugendlichen über ihre derzeitige Situation. Bis 6 Uhr früh darf nur mehr einer im Haus am Leben sein, oder es werden alle sterben. Der irre Sender der Botschaft lauert draußen, und er wird jede aus dem Haus flüchtende Person töten.
Es heißt also entweder sterben oder seine besten Freunde töten.

Kill-Theory

Kill Theory ist das Regiedebut von Chris Moore, der bis jetzt vor allem als Produzent zahlreicher Filme gearbeitet hat (unter ihnen Feast, Joy Ride, American Pie). Moore hatte 6 Millionen Dollar, ein einsames Haus und ein paar hochmotivierte Jungschauspieler zur Verfügung, um eine Geschichte über die gute alte „jeder ist sich selbst der nächste“ Thematik zu verfassen.

Nach dem Filmbeginn, in dem man das Gespräch zwischen dem Therapeuten und dem nicht erkennbaren Patienten sieht, geht die Geschichte zuerst ganz locker los. Die Jugendlichen trinken, rauchen, albern herum und geniessen ihre Jugend. Bis auf kleinere Konfilkte scheinen sie eine eingeschworene Truppe zu sein.

Als die Aufforderung des Irren kommt sich gegenseitig zu töten, halten sie anfangs noch zusammen. Gemeinsam schaffen wir das. Ha, natürlich nicht. Über die Jahre aufgestaute Emotionen brechen plötzlich durch und lassen sowohl die Mädchen als auch den harmlosesten Kerl der Gruppe zum Killer werden. Einer der jungen Leurte ist schwer verletzt? Den opfern wir, der schafft es doch sowieso nicht mehr.

Ein Mädchen wurde von ihrem Freund betrogen? Mal schauen wie er die Schaufel ins seinem Gesicht betrügen will! Langsam aber sicher schrumpft die Gruppe und bald schon vertraut jeder nur mehr sich selbst.

Die Charakterisierung der jungen Leute ist dabei angenehm zurückhaltend in ihrer Klischeehaftigkeit, natürlich gibt es den dicken Verlierer, der herumkommandiert wird. Auch die unnahbare Zicke, der Party- und Alkoholsüchtige Prolet und der Typ, der viel zu nett ist um wahr sein zu können sind mit dabei.

Wie sie sich in der der zunehmend auswegslosen Situation verhalten bleibt aber immer nachvollziehbar, dass einige Mordszenen over the top wirken ist da eher absichtlich und soll wohl den Zuseher zusätzlich erschrecken. Wird am Ende einer überleben und wenn, wer? Das werde ich natürlich nicht verraten.

Dass hier gezeigt wird, dass alle bis auf einen (ok, manche kamen nie in so eine Lage, da sie schon vorher tot waren) lieber geliebte Menschen töten würden als selber zu sterben, dass wirkt leider ziemlich realistisch für mich. Man weiß zwar nie was man tun würde bis man sich wirklich in so einer Situation befindet, doch unserer von Egoismus geprägten Gesellschaft traue ich sofort zu so zu handeln, wie es die meisten Figuren in diesem Film tun. Der gute alte Joker in „The Dark Knight“ hätte seine Freunde an so einem Szenario wie es Kill Theory beschreibt.

Der Film insgesamt ist solide gemacht, die Schauspieler wachsen im sich steigernden Irrsinn über sich hinaus, und ich habe auch ein Wiedersehen mit Agnes Bruckner bekommen. Manche Charaktere wird man lieben, manche hassen, und einige wechseln im Verlauf des Films innerhalb des Sympathielevels von oben nach unten. Die Thematik finde ich hier aber noch spannender als den Film selbst.

Kill Theory bekommt von mir 6/10 tödlich freundschaftliche Empfehlungspunkte.


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