Brautalarm – Bridesmaids (Filmkritik)

Das Leben meint es nicht gut mit Annie (Kristen Wiig), denn bei ihr gehts gerade drunter und drüber. Geldnot und die Tendenz immer an den falschen Kerl zu geraten sind nur zwei der Sorgen, mit denen sie sich rumärgern muss. Doch nun eröffnet ihr ihre beste Freundin Lillian (Maya Rudolph), sie sei verlobt und Annie solle ihre Trauzeugin bei der Hochzeit sein.

Selbstverständlich möchte Annie ihre langjährige Freundin nicht enttäuschen und beißt in den sauren Apfel, um ihrer besten Freundin ihre Traumhochzeit zu ermöglichen. Doch sie hat nicht mit Helen (Rose Byrne) gerechnet, die so wirkt, als hätte sie es auf Annie bzw. deren Status als beste Freundin abgesehen.

BRIDESMAIDS

Diese Komödie kommt aus dem Hause Judd Apatow, der sich ja auf Erwachsenen-Komödien förmlich spezialisiert hat. Obwohl es natürlich vordergründig um eine Hochzeit geht, ist der Film keineswegs nur für eine weibliche Zielgruppe geeignet. Hier kommt wirklich ein jeder auf seine Kosten. Regie führte bei der Komödie Paul Feig, der hier ein äußerst gelungenes Leinwand-Debüt gab, nachdem er sonst eher im Fernsehen zu Hause war.

Kristen Wiig (Das erstaunliche Leben des Walter Mitty), die man eigentlich eher als Schauspielerin kennt, schrieb gemeinsam mit Annie Mumolo das Drehbuch, Mumolo hat übrigens einen Kurzauftritt als Annie Sitznachbarin im Flugzeug. Wiig hat sich zwei Filmstunden mit pointierten, cleveren Dialogen und zahlreichen Wortduellen auf den Leib geschrieben. Fünf Jahre hat Kirsten Wiig gebraucht, bis sie ihre Geschichte zusammenhatte und so porträtiert sie ein Bild von weiblicher Frustration und Verlorenheit, einer Frau, bei der man nicht weiß, was sie antreibt, Naivität oder Masochismus.

Wiig ist in Europa eigentlich unbekannt und daher war es eine Überraschung zu sehen, dass auch ein Film ohne einen wirklich großen Namen erfolgreich sein kann. Wiig spielte lange in der „Saturday Night Live“-Show mit, das Äquivalent der deutschen „Wochenshow“ und schafft es daher wie kaum eine andere, zwischen verschiedenen Charakteren hin und her zu hüpfen, denn die Frau hat wirklich Talent. Annie, gegen die sich die Welt verschworen zu haben scheint, verleiht Wiig wirklichen Charakter. Man erkennt als Zuseher sofort den Unterschied zwischen ihrer Fassade und ihrem wirklichen Ich.

Maya Rudolph (Turbo) als Annies beste Freundin Lilian, könnte man im Laufe des Filmes ab und zu mal gerne ohrfeigen, wenn sie über ihre beste Freundin hinweg trampelt und nicht mit bekommt, wie Helen versucht sie mit allen Mittel aus dem Weg zu räumen und zu ersetzen. Sie und Wiig verstehen sich privat sehr gut und das merkt man auch!

Melissa McCarthy (Hangover 3), die ich durch ihre Rolle als verrückte Köchin Sookie in „Gilmore Girls“ kennen lernte, hat sich in der letzten Zeit immer mehr zu einem Geheim-Tipp gemausert, denn McCarthy ist eine geniale Komikerin, die vor so ziemlich nichts zurück schreckt und hier als burschikose Megan überzeugt.

Rose Byrne (Bad Neighbors) als noble Helen wird gleich zu Beginn durch ihr vornehmes Getue unsympathisch. Wenn sie versucht Annie bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu überbieten (bei den Verlobungsgeschenken, bei den Trinksprüchen, bei den Ideen für die Verlobungsfeier…) gibt sie Annie das Gefühl minderwertig zu sein und alleine dafür muss man sie schon hassen.

Weiters mit von der Partie sind die naive, frisch verheiratete Becca (Ellie Kemper – 21 Jump Street) und die frustrierte Mutter Rita (Wendi McLendon-Covey – The Goldbergs), die nicht davor zurück scheut, Lilian und Co einen höchst unschönen Einblick in ihr Leben als Mutter und Ehefrau zu geben.

Ebenfalls mit von der Partie ist Chris O’Dowd (Thor 2), der einen Polizeibeamten mit einem Herz aus Gold spielt. Er ist eindeutig einer der Guten und Annie kann und will das einfach nicht sehen. Er hat längst sein Herz an Annie verloren, doch sie ignoriert ihn und spricht nonstop über jemand anderes – allerdings nicht über ihren miesen Liebhaber Ted, sondern über Lillian.

Fazit: „Bridesmaids“ ist eine tolle Komödie, die vom Humor her sehr an „Knocked Up“ erinnert. Die Szene, in der sie ihre Kleider probieren und von Montezumas Rache heimgesucht werden, wird mir auf ewig unvergesslich bleiben, denn sie hat sich förmlich in mein Gedächtnis gebrannt.

Dieser Film bekommt von mir 8/10 frisch verlobten Punkten.


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