96 Hours 3 – Tak3n (Filmkritik)

Derzeit läuft alles gut im Leben des ehemaligen CIA-Agenten Bryan Mills (Liam Neeson). Zwar hat er nach wie vor kein Gespür dafür, was er seiner jetzt erwachsenen Tochter Kim (Maggie Grace) zum Geburtstag schenken soll, dafür hat er ein gutes, freundschaftliches Verhältnis zu seiner Ex-Frau Lenore (Famke Janssen) und scheint sein jetzt ruhiges Leben zu genießen. Mit diesem ruhigen Leben ist es aber bald vorbei, als Mills seine Ex ermordet in seiner Wohnung vorfindet. Ab diesem Zeitpunkt befindet er sich nicht nur auf der Flucht vor der Polizei, sondern macht es sich auch zur Aufgabe, die wahren Täter zu finden und zur Verantwortung zu ziehen.

Taken 3

Nachdem der Film „Taken“ im Jahr 2008 nicht nur überraschend gut, sondern auch finanziell erfolgreich war, kam 2012 mit „Taken 2“ die Fortsetzung. Die konnte zwar gesamtheitlich nicht annähernd so überzeugen wie der Vorteil, spielte aber erneut genug Geld ein (und zwar mehr als Teil eins) und so ist es wenig überraschend, dass Bryan Mills noch einmal das tut, was er am Besten kann.

Bei Mills drittem Abenteuer treffen sich hinter der Kamera wieder die drei üblichen Verdächtigen. Luc Besson (Malavita) und Robert Mark Kamen (Banditas) schrieben hier zum dritten Mal das Drehbuch, während Olivier Megaton (Colombiana) zum zweiten Mal hinter der Kamera steht. Megaton an dieser Stelle erneut zu engagieren, kann durchaus als mutig bezeichnet werden, war es doch seine Art der Inszenierung, die bei „Taken 2“ ein wesentlicher Kritikpunkt war.

Nun ist er wieder da und hat auch gleich seinen Cutter mitgebracht. Gut ich verstehe zu einem gewissen Grad, dass man als Regisseur seinem Film eine gewisse eigenständige Note verleihen will. Wenn das jedoch auf Kosten der Qualität des Films geht, dann ist man eindeutig zu weit gegangen. Megaton wollte dies offenbar mit einem schnellen Schnitt erreichen und es funktioniert nur sehr bedingt.

Es beginnt damit, dass man in ruhigen Momenten (wie z.B. Dialogen) mindestens alle zwei Sekunden schneidet. Das alleine bringt eine grundlegende Unruhe in den Film, was es ein Stück weit anstrengend macht, ihn sich anzusehen. Dann gibt es später die Actionszenen, in der man die Anzahl der Schnitte noch um einiges steigert (etwa wenn Mills aus einem Fenster auf einen direkt darunter stehenden Container springt und selbst da wird dreimal geschnitten, obwohl die Szene unter einer halben Sekunde dauert), was es noch anstrengender macht dem Gezeigten zu folgen.

Dabei erreicht man bei einigen Szenen eine derart hohe Anzahl an Schnitten, dass es schwierig ist, das Gezeigte bewusst wahrzunehmen. Was man Megaton dann aber doch ein Stück weit zu gute halten muss ist die Tatsache, dass er sich dieses Umstandes scheinbar selbst bewusst war und dementsprechend darauf geachtet hat, die Szenen ein Stück weit übersichtlich zu gestalten.

Wenn man sich im späteren Verlauf an diese Art der Inszenierung gewöhnt hat, geht es dann auch ein Stück weit, wobei ein entspannter Filmabend dennoch nahezu ausgeschlossen ist. Was die eigentliche Geschichte betrifft, so macht Liam Neeson als Bryan Mills erneut sein Ding. Gleichzeitig verabschiedet sich Mills nach dem höher-schneller-weiter-Prinzip, das bereits „Fast & Furious“ groß gemacht hat, aus der Wirklichkeit.

Da kracht und explodiert dermaßen viel, dass sogar Neeson selbst hin und wieder ein wenig die Puste auszugehen scheint. Dass Mills, obwohl er während seinen „Ermittlungen“ die Anzahl der bösen Jungs auf dieser Welt drastisch reduziert hat, der beste Freund des ermittelnden LAPD Inspektors (gespielt von Forest Whitaker) zu sein scheint, zeigt hervorragend wie Filmlogik heutzutage funktioniert.

Liam Neeson (Zorn der Titanen) wirkt in der Rolle von Ex-CIA-Agent Bryan Mills cool wie immer, auch wenn er an dieser Stelle fast ein wenig zu routiniert wirkt. Etwas das sehr gut funktioniert, ist die Beziehung zwischen Mills und seiner Tochter Kim. Dass die von Maggie Grace (Lockout) gespielte Kim jetzt auch im Film erwachsen wird, ist gerade unter dem Gesichtspunkt amüsant, dass Grace im echten Leben bereits einunddreißig Jahre jung ist.

Wo Mills ist, sind auch seine ehemaligen Kollegen nicht weit um ihm zu helfen. Wie auch bei den letzten beiden Gelegenheiten schauen die kurz vorbei und irgendwie würde ich mir wünschen Mills und sein Team bei einem ihrer Aufträge zu begleiten. Dann gibt es noch Forest Whitaker (The Butler), der als LAPD Inspektor Franck Dotzler hartnäckig und dennoch unerwartet sympathisch wirkt.

Alles in allem ist „Tak3n“ eine Spur besser als sein direkter Vorgänger, wirkt aber dennoch durch den extrem (und vor allem unnötig) schnellen Schnitt anstrengend. Schön ist auf jeden Fall, dass alle vor und hinter der Kamera wieder zusammengefunden haben. Erwähnenswert sind auf jeden Fall noch die Dialoge, die teilweise an Kitsch kaum zu überbieten sind.

Vielleicht jagt Bryan Mills dann in „Taken 4“ die Entführer seiner Enkeltochter?

Der Film „Tak3n“ bekommt 6/10 den Tod der Ex rächende Empfehlungspunkte.


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