Colombiana (Filmkritik)

Cataleya (Zoe Saldana) musste als kleines Mädchen die Ermordung ihrer Eltern mitansehen, konnte jedoch durch eine halsbrecherische Fluchtaktion ihr eigenes Leben retten. Nach dieser Tragödie wuchs sie bei ihrem in schmutzige Geschäfte verwickelten Onkel Emilio (Cliff Curtis) in Chicago auf, der sie auf ihren eigenen Wunsch hin, zur Profikillerin ausbilden ließ.

Heute – als erwachsene Dame – ist sie eine der Besten ihres Faches. Ihr eigenes Leben und das ihrer restlichen Familie gerät jedoch erneut in Gefahr, da sie seit Jahren ihre Opfer mit als Malereien getarnten Botschaften versorgt, damit die Polizei diese an die Öffebtlichkeit bringt und so die Mörder ihrer Eltern neugierig aus ihren Verstecken gekrochen kommen. Rachegedanken bestimmen das Leben von Cataleya, doch hat sie wirklich so wenig zu verlieren, wie sie glaubt?

Colombiana

Hier haben sich hinter den Kulissen ein paar Mitglieder einer „Filmfamilie“ wiedervereint, denen die Ideen für neue gemeinsame Projekte, so schnell nicht auszugehen scheinen. Produzent Luc Besson und Drehbuchautor Robert Mark Kamen haben zum Beispiel schon bei „Das fünfte Element“, „Kiss of the Dragon“, „Taken“ und den drei „Transporter“-Teilen zusammen gearbeitet, Colombiana Regisseur Olivier Megaton stieß 2008 mit „Transporter 3“ zu dem Duo und alle drei gemeinsam arbeiten derzeit an der für 2013 geplanten „Taken“ Fortsetzung.

So weit so gut. Erwartet habe ich nun einen oberflächlichen Spaßfilm, mit vor allem optischen Schauwerten und cool wuchtigen Actionszenen. Ein Film zum Hirn ausschalten und Spaß haben, eben zum immer wieder ansehen. Leider hab ich aber einen Film bekommen, der nicht stimmig wirkt, in emotionalen Szenen übertreibt bzw. peinlich wirkt, nicht spannend ist und vor allem eines tut: er lässt den Zuseher auf eine seltsame Art und Weise kalt. Fünf Minuten aus dem Kinosaal heraus und ich hatte den Film schon vergessen.

Nicht falsch verstehen, es gibt viel schlechtere Actionfilme und ein echter Verriss wäre vor allem auf Grund der Hauptdarstellerin meiner Meinung nach unangebracht, doch passt hier für ein Besson Werk, erstaunlich wenig zusammen. Am Besten fand ich noch die paar Szenen, die Cataleya im Einsatz zeigen. Ihre Flucht als 10-jähriges Mädchen ist katzenartig-dynamisch und erinnert an die Fassadenkletterer der französischen Yamakasi und Ghetto Gangz Filme. Die subtilen, akrobatischen und eiskalt geplanten und durchgeführten Morde in einem Gefängnis und einer Villa (ich sag nur Haifischbecken), sind sehr schön anzusehen, vor allem weil es so gut aussieht, Saldana bei der Arbeit zuzusehen.

Damit komm ich auch gleich zum letzten Pluspunkt des Filmes: Zoe Saldana. Nach ihren Rollen als Uhura im neuen „Star Trek“ Film und als Neytiri in „Avatar„, ist sie in Amerika so etwas wie ein Star, mit einer sehr speziellen Fangemeinde. Verdient hat sie eine Hauptrolle schon lange und vor allem körperlich überzeugt sie hier auf der ganzen Linie. Nein, damit sind nicht ihre Kurven gemeint, sondern ihre in den Actionszenen zur Geltung kommende Agilität und ihre physische Präsenz dabei. Auch in den ruhigen und traurigen Passagen ist sie sehr gut, doch zerstören hier leider die kitschige Musik und die Dialoge den positiven Gesamteindruck.

Übertreiben darf man bei mir wirklich immer, doch bei ein paar Szenen musste ich doch ungläubig den Kopf schütteln, gerade weil sich der Film ja ach so schrecklich ernst nimmt und Humor so rein gar nicht vorzukommen scheint. Kann man in Chicago echt auf offener Straße vor einer Schule mit etlichen Zeugen ein Auto beschiessen, dann seelenruhig seine Nichte entscheiden lassen ob sie nun gleich dies Waffe wählt oder doch vorher zur Schule gehen will, nur um dann locker lässig wegmarschieren zu können, obwohl die Polizei schon anwesend ist und man sicherlich von einigen Leuten gesehen wurde? Mit anschliessender Erklärung nehm ich ihnen das schon ab („ich bin ein sooo böser Gangster und alle erzittern vor mir“), aber einfach so echt nicht.

Cataleya ist zwar perfekt in ihrem Job, doch emotional ist sie eher auf dem Stand eines Kindes stehen geblieben. So entstehen zwischen den Actionsequenzen Momente, die dem Zuschauer ihre Figur näher bringen sollen, um so einen komplexeren Gesamteindruck von ihr zu bekommen, doch fallen diese Teile irgendwie heraus und verbinden sich nicht richtig mit dem Rest. Hätte da und dort etwas Ironie nicht geschadet? Sicherlich! Hätte eine subtilere Darstellung von einer ihren Schmerz hinausschreienden Frau dem Film mehr Tiefe gegeben? Ja, auch das scheint klar.

Meine Zusammenfassung also: ich mag Luc Besson produzierte Filme, ich mag Action, ich mag Zoe Saldana. Colombiana könnte auf Grund der Kombination dieser drei Punkte daher so viel besser sein, und das ärgert mich dann doch einigermaßen. Optisch beeindruckende Hochglanzlangeweile, mit ein paar echt gelungenen Szenen, einem hastig heruntergekurbelt wirkenden Showdown und einer überragenden Hauptdarstellerin.

Colombiana bekommt von mir 6/10 Zoe Saldana gesteigerte Empfehlungspunkte.


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