Brick Mansions (Filmkritik)

Detroit im Jahre 2018. Der Stadtteil Brick Mansion ist das Heim zahlreicher gefährlicher Verbrecher. Die Regierung ist machtlos und hat eine riesige Schutzmauer um die Stadt errichtet, um sie vom Rest der Welt abzutrennen. In der Zwischenzeit führt der Undercover-Cop Damien (Paul Walker) seit Jahren einen privaten Rachefeldzug gegen die Mörder seines Vaters und ausgerechnet der Drogenboss Tremaine Alexander (RZA), der inoffizielle Herrscher von Brick Mansion, scheint der Hauptverantwortliche zu sein.

Da kommt Damien der Auftrag gerade recht, der ihn mitten in das Gebiet des Gangsters führt, um dort gemeinsam mit dem ortskundigen Kriminellen Lino (David Belle), eine Bombe zu finden und diese zu entschärfen. Langsam aber sicher wird dabei Damiens Sichtweise was Gut und Böse betrifft, ordentlich durcheinander gebracht. Wenn aber die sogenannten Verbrecher gar nicht verantwortlich für die gefährliche Lage sind, wer steckt dann dahinter?

Brick Mansions

Ja die lieben Amerikaner. Laut Studie interessiert es sie einfach nicht, sich Filme in einer fremden Sprache mit Untertitel oder schlecht synchronisiert anzusehen und dabei auch noch auf ihre eigenen Landsleute als Helden verzichten zu müssen. Zum Glück gibt es daher Luc Besson (Das fünfte Element), der bereits beim im Jahre 2004 erschienenen französischen Original „Ghettogangz – Die Hölle vor Paris“ seine Finger im Spiel hatte und beim Remake „Brick Mansions“ als Drehbuchautor und Produzent agiert, während Cutter Camille Delamarre („Colombiana„, „Lockout„, „Taken 2„) hier sein Regiedebüt feiern darf.

Wer das Original kennt (so wie ich), dem sei hiermit gleich vorweg gesagt, dass sich die Handlung – abgesehen vom Ort des Geschehens – sehr genau an das Ausgangsmaterial hält und es somit keine einzige Überraschung bzw. Story-Wendung zu bestaunen gibt, die man noch nicht kennen würde. Außerdem funktioniert der französische Film in einigen Bereichen besser und fühlt sich einfach runder an. Aber egal, es bringt jetzt nichts hier näher auf Vergleiche einzugehen, es geht ja hier konkret um das Remake und das lebt vor allem von zwei Tatsachen.

Erstens ist dies der letzte vollendete Film von Paul Walker, der ja im November 2013 bei einem Autounfall ums Leben kam. Wer ihn also noch mal in einem neuen Film sehen will, der wird sowieso einen Blick riskieren müssen. Er konnte zwar um einiges mehr, wie ich vor kurzem bei „Hours“ sehen durfte, doch entspricht seine Performance hier genau dem smarten „Sonnyboy Actionhero Image“, dass ihn durch seine zahlreichen „Fast and Furious“ Abenteuer zum Star gemacht hat. Von dem her also im Prinzip ein würdiger Abschluss abgesehen von seinem allerletzten Auftritt im aufs nächste Jahr verschobenen siebten „Fast and Furios“ Teil.

Zweitens ist hier als einzige wichtige Figur aus der Originalbesetzung wieder der Franzose David Belle (Malavita) mit dabei, der als einer der Mitbegründer der „Parkour-Kunst“ gilt (übrigens abgewandelt von der die natürlichen Landschaften nutzenden „Méthode Naturelle“), bei der es darum geht, sich auf spielerische Weise Verfolgungsjagden durch urbane Gegenden zu liefern. Angefangen von Treppen und Mauern, bis hin zu Gebäudefassaden und Hochhäusern werden so akrobatisch und scheinbar mühelos Hindernisse überwunden, was ohne jahrelanges Training so schnell kein normaler Mensch hinbekommt.

Somit sind die Stunts natürlich erwartungsgemäß großartig und in einer extrem stylishen Art gefilmt, genau wie die Kampfszenen, bei denen auch die „Parkour-Moves“ und der Einsatz von Slow-Motion Effekten nie zu kurz kommen. Auch der Humor hat seinen Raum bekommen, vor allem was die Buddy-Dynamik zwischen Walker und Belle betrifft in der Interaktion mit den meisten ihrer Feinde. RZA (G.I. Joe – Die Abrechnung) hat ebenfalls sichtlich Spass an seiner Gangsterrolle und mit Catalina Denis (Le Mac) als schöne und wehrhafte Lola und Ayisha Issa (Krieg der Götter) als völlig irre Rayzah, sind auch zwei starke Ladys mit von der Partie.

Insgesamt also ein kurzer Action-Snack ohne jegliche Substanz für Zwischendurch, der die oberflächlichen Schauwerte an die erste Stelle stellt und somit die im Prinzip auch vorhandene sozialkritische Botschaft, völlig untergehen lässt. Wer das Original nicht kennt und ein Fan von Paul Walker ist, der wird hier aber sicher auf seine Kosten kommen, denn besonders die Stunts in dieser Form sind derzeit noch viel zu selten eingesetzt worden, um schon als langweilig zu gelten. Nur das Ende ist dann gar ein wenig kitschig geraten (besonders auch musikalisch), aber das musste wohl sein, immerhin ist das erste Bild im Nachspann Walker, an den in liebender Erinnerung gedacht wird.

„Brick Mansions“ bekommt von mir 6/10 um das eigene Leben und das der gesamten Stadt hüpfende Empfehlungspunkte.


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