Urban Legend – Düstere Legenden (Filmkritik)

Das Leben auf dem Collage ist an sich nicht gefährlich, außer für deine berufliche Zukunft, wenn du deine Laufbahn als Student nicht ernst nimmst. Es sei denn ein Killer treibt sein Unwesen, du hast eine Bindung gleich zu mehreren Opfern und keiner glaubt dir, dass hier etwas nicht stimmt. Natalie (Alicia Witt) will der Sache dennoch auf den Grund gehen.

Gemeinsam mit Paul (Jared Leto) beginnt sie mit ihren Nachforschungen und bald darauf kommt (fast) jeder als Täter in Frage. Die Morde stellen dabei moderne Legenden nach, so Dinge, die angeblich einem entfernten Freund von einem Freund passiert sind und dabei immer einen tödlichen Ausgang nehmen…

Achja, die gute alte Zeit der Slasher aus den 90er Jahren. 1996 begann der Boom mit Scream, ein Jahr später folgte „I know what you did last summer“ und im Jahre 1998, kam dann der erste „Urban Legend“ Film in die Kinos. Aus allen drei Filmen wurden Franchises, wobei den Legenden dabei am Schnellsten die Luft ausging, wohl auch weil die Fortsetzungen „Final Cut“ und „Bloody Mary“, außer Anspielungen nichts mit dem Erstling zu tun hatten.

Kritiker fanden den von Jamie Blanks (Schrei, wenn Du kannst) inszenierten Film sowieso nicht sehr berauschend und zogen ständige (auch verständliche) Vergleiche mit Scream. Bei Kosten von 14 Millionen Dollar konnten dennoch 72 wieder eingespielt werden, was dann wohl die Fortsetzungen rechtfertigte. In meiner Erinnerung – ich habe sowohl Scream, als auch Last Summer und Urban Legend damals im Kino gesehen – kamen die Legenden auch klar am Schlechtesten weg. Nach aktueller Betrachtung muss ich sagen, dass das vielleicht für das Franchise gilt, nicht aber für den Erstling.

„Urban Legend“ hält sich klar an die Regeln und überrascht somit nur Neulinge. Aber wie das dann umgesetzt wird, das ist eine atmosphärisch dichte Achterbahnfahrt, in die man gerne einsteigt. Die Morde sind kreativ – immerhin stirbt jeder auf eine andere Art und Weise – und niemals zu brutal, denn der Film ist ja auch ab 16 Jahren freigegeben. Dass sie den Legenden nachempfunden sind, hat nachträglich sicherlich bei dem ein oder anderen dazu geführt, dass er z.b. beim Einsteigen in sein Auto, vorher auf die Rückbank schaut.

Genrelegenden wie Robert „Freddy Krueger“ Englund oder Brad „Chucky“ Dourif sind in Nebenrollen mit dabei und werden im Laufe der Handlung zeitweise natürlich auch zu potentiellen Verdächtigen, wie einige der übrigen Figuren. Das regt dann schon dieses „ich bin schlauer und weiß, dass es ganz ein anderer Täter war“ Gefühl beim Zusehen an und es führt dazu, dass man nur wenigen Figuren vertraut. Die Charaktere selbst sind dann teilweise Draufgänger und Spaß-Kultur Menschen, doch eines passiert hier interessanterweise nicht und das ist durchaus wert, es hervor zu heben.

Keinem wünscht man hier nämlich den Tod und jeder ist im Augenblick wenn der Killer zuschlägt klar ein Opfer, der/die das gefühlsmäßig beim Betrachten so nicht verdient hat. Egal wie egoistisch oder draufgängerisch sie sonst auch sein mögen, das „endlich ist er weg“ Gefühl, hatte ich hier nie. Die Metaebene, die ja „Scream“ klar für das Genre etabliert hat, wird nur leicht angeschnitten durch das Spiel/Gespräch mit den Legenden, dafür gibt es nette Anspielungen für Kenner, wenn etwa die Titelmelodie von „Dawson´s Creek“ ertönt, als (der dort und hier mitspielende) Joshua Jackson ins Auto steigt.

Von den Jungstars ist heute wohl Jared Leto (Blade Runner 2049) der bekannteste, der hier in einer sehr unverbraucht wirkenden Performance einen Journalisten spielt, der seinen Job zunächst etwas zu ernst nimmt. Alicia Witt (Vanilla Sky) als Natalie ist eine starke Dame und ein ebenso starkes Final Girl, die sich ganzheitlich gegen männliche Avancen wehren kann, Schuldgefühle mit sich herum trägt und immer kämpferisch bleibt. Auch nett: schaut euch Tara Reid (Sharknado) als Sasha an, die war doch echt mal vor den ganzen Operationen hübsch und konnte auch schauspielen, ohne dabei negativ aufzufallen.

Damals sind die Legenden vielleicht im „Slasher-Boom“ untergegangen doch wenn man die Genre-Beiträge der folgenden 20 Jahre so betrachtet muss man schon sagen, dass der Trip hier eindeutig vielen überlegen ist. Das betrifft die Erzähl-Geschwindigkeit, die Art der Morde, die „Over the Top“ Enthüllung des Killers, die Gags für Fans und die Darstellung bzw. die Spielfreude der Beteiligten. Was danach kam, kann man übrigens getrost vergessen, denn der Nachfolger Final Cut, ist schwächer in allen Bereichen.

„Urban Legend“ bekommt von mir die 7,5/10, die modernen Sagen blutige Wirklichkeit werden lassende Empfehlungspunkte.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.