Wolfskinder (Filmkritik)

Hans (Levin Liam) ist mit seinem Bruder unterwegs. Ihre Eltern sind tot. Wir befinden uns in Litauen. Der zweite Weltkrieg ist seit kurzem vorbei. Es gibt kein Essen. Es gibt keinen Zusammenhalt. Es gibt nur das Überleben. Das ändert sich auch nicht als die beiden Brüder auf weitere Kinder stoßen, die Hilfe brauchen.

Und dann wird Hans von seinem Bruder getrennt und muss sich in diesem von den Nachwirkungen des Kriegs verseuchten Land auf die Suche nach ihm begeben …

„Wolfskinder“ ist der erste Langspielfilm von Rick Ostermann. Er hat auch das Drehbuch dazu verfasst und der Film behandelt ein starkes, schweres Thema, welches naturgemäß am Ende keine positive Partystimmung hinterlässt.

Ich weiß nicht, wie authentisch die Szenarien sind, durch die sich Hans und seine Gefährten und Gefährtinnen kämpfen müssen, aber ich weiß, dass sie bedrückend sind und auf dem Weg viele Opfer gebracht werden müssen, die allerdings nie ausgesprochen werden (vom Ende abgesehen).

Es ist streckenweise wirklich hart zu sehen, was da alles passiert. Ja, die Kinder helfen sich teilweise gegenseitig, aber sobald einer der Mitreisenden zu einer Bürde wird, wird er oder sie zurückgelassen. Ob das für die Zurückbleibenden gut oder schlecht ist, wird nie richtig thematisiert.

Es gibt zum Beispiel eine Szene als sie einen Buben zurücklassen bzw. einem zufällig vorbeifahrenden Mann mitgeben, der ihnen dafür drei Äpfel überlässt. Ob dieser Mann den Jungen mitnimmt, weil er Mitleid hat (der Junge ist verletzt) oder ob es andere Gründe gibt kann man (zumindest konnten weder ich noch meine Frau das) aus der Szene nicht herauslesen.

Ja, der Film ist hart. Ja, er ist schwer. Und er ist langsam. Sehr langsam. Auch wenn die Handlung ein paar harte Wendungen nimmt, die man so in einem Hollywoodfilm mit Sicherheit nicht sehen würde. Diese harten Momenten passieren quasi fast nebenbei und werden nicht hollywoodtypisch „hochstilisiert“ und ins Scheinwerferlicht gehalten. Eher ist es so, dass diese Dinge verstohlen hinter einem Vorhang hervorlugen und es einfach ein extrem unangenehmes Gefühl hinterlässt. Teilweise wird es ziemlich sicher Taten und Entscheidungen geben, welche Zuseher*innen überraschen werden bzw. die sie nicht nachvollziehen werden können. Ich gehe davon aus, dass dies Absicht war.

Am ehestens würde ich den Film von der Stimmung her mit einem Film von Michael Haneke vergleichen: Toll gefilmt. Knallhart. Deprimierend. Das kann man als Kompliment verstehen. Ist aber nicht so gemeint. Ich mag so gut wie keinen Film von Haneke.

Tatsächlich endet der Film mit einer sehr nachdenklichen Stimmung. Wofür natürlich in erster Linie die Schauspieler*innen verantwortlich sind und die jungen Menschen machen einen wirklich, wirklich guten Job.

„Wolfskinder“ bekommt von mir 7,5 von 10 möglichen Punkten, auch wenn ich ihn mir mit Sicherheit nie wieder ansehen werde.


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