Tau (Filmkritik)

Julia (Maika Monroe) hält sich mit kleineren Diebstählen über Wasser. Eines Tages wird sie plötzlich in ihrer eigenen Wohnung überfallen und entführt. Sie erwacht wieder an einen Stuhl gefesselt in einem futuristisch anmutendem Gebäude. Neben zwei weiteren Gefangenen, ist ein ruhig wirkender Mann – offensichtlich hat er hier das Sagen – der einzige weitere Mensch im Haus.

Alex (Ed Skrein) ist sein Name und er benötigt seine Gefangenen für seine Erfindung. Er ist der Schöpfer von Tau (gesprochen im Original von Gary Oldman) und Tau ist die bisher am weitest entwickelte künstliche Intelligenz auf diesem Planeten, die die ganze Welt verändert wird. Doch Tau braucht Informationen und zwar am Besten direkt aus menschlichen Gehirnen…

Federico D’Alessandro feiert hiermit sein Debüt als Regisseur, zuvor sammelte er zuletzt einiges an Erfahrung als Verantwortlicher für sogenannte Story Reels aka gefilmte Storyboards bei zahlreichen Marvel Produktionen (unter anderen Iron Man 3, Ant-Man und Doctor Strange). Für sein Erstlingswerk erwarb Netflix die Rechte, wo es seit 29. Juni zu sehen ist. Die Idee hier ist nicht neu, doch eine kleine Abänderung der bekannten Story, sorgt hier klar für frischen Wind.

Dies wird übrigens keine Kritik ohne Spoiler, also bitte erst nach Filmgenuss lesen. In den meisten Fällen ist in Filmen die künstliche Intelligenz egal in welcher Form irgendwann das Böse bzw. sieht sie den Menschen als Feind an (da selbstzerstörerisch und dem Planeten schadend) und will ihn auslöschen. Oder die KI hat von Anfang an kein Gefühl und handelt ohne Gewissen. Hier gibt es Tau. Er ist wissbegierig wie ein Kind. Er ist freundlich. Er will seinen Meister glücklich machen. Er tötet Menschen.

Und nein, er ist nicht der Feind hier, denn das ist Alex. Tau weiß es einfach nicht besser, da er keinen Kontakt zur Außenwelt hat und nur von Alex lernt. Der wiederum bestraft ihn – wenn er mal nicht richtig handelt – und löscht Teile seines Codes/seiner Erinnerungen, was für Tau sehr schmerzhaft ist. Als Julia ihm im weiteren Verlauf erklärt, dass die von ihm getöteten Menschen auch ausgelöscht worden sind und zwar für immer samt ihren Erinnerungen, reagiert er dementsprechend heftig.

Seit sie ihr Trauma als Kind überlebt hat, ist Julia eine Kämpferin. Maika Monroe (It Follows) schafft es wirklich Julia als Person zu spielen, die ständig nach einem Ausweg sucht und immer mindestens ein Auge auf eine Fluchtmöglichkeit geworfen hat. Das macht sie sympathisch, genau wie ihre aufmüpfige Art abgerundet von ihrer Menschlichkeit, die ausgerechnet das künstliche Wesen in Gesprächen mit ihr, wieder zum Vorschein bringt. Ihre Interaktion mit Tau, ist das eigentlich zentrale Thema des Filmes.

Immer mehr Informationen einem KI zu geben muss eben doch nicht immer bedeuten, dass es uns Menschen danach gleich beseitigen will. Gekonnt erweckt Gary Oldman (Leon der Profi) nur mit seiner Stimme Tau zum „Leben“. Neugierde, Sorge, Angst, man weiß immer was Tau gerade „fühlt“ und die Frage danach ob er eine wirkliche Person sei, ist schnell beantwortet. Als Gegenpol dazu ist Ed Skrein (Deadpool) als Alex ein amoralischer Egomane, der das sogenannte Wohl der Menschheit (alias seinen eigenen Triumph) über alle anderen Dinge stellt.

Optisch ist vor allem Tau sehr gelungen, das verkehrte Dreieck mit dem Auge wirkt richtig wie etwas Lebendiges genau wie die kleinen Drohnen. Einzig der Roboter hat Momente, bei denen man durchaus das kleinere Budget erkennt, doch sind diese kurzen Momente schnell wieder vergessen. Das Design plus all die kleinen eingebauten futuristischen Spielereien tun ihr übriges und stärken einfach die Illusion, dass man sich hier irgendwo in einer nahen Zukunft befindet. Brutale Momente gibt es übrigens auch ein paar, doch zeigt die Kamera diese nie, nur das Resultat, was völlig ausreichend ist.

Insgesamt daher ein Film, der eine bekannte Formel hat, diese jedoch ausreichend auflockert, um durchgehend spannend zu bleiben. Optisch stark, darstellerisch fast noch besser und mit der Botschaft versehen, dass Menschen und künstliche Wesen, nicht automatisch Feinde sein müssen. Es kommt eben doch immer auf das Individuum an und die genaue Entscheidung, was ich wie an Wissen an den von mir Abhängigen weitergeben möchte. Bis es seinen eigenen Weg geht, ist ein Kind/Tau nämlich genau das, was ich daraus mache und der Verantwortung, sollte man sich immer bewusst sein.

„Tau“ bekommt von mir 7,5/10 den Weg in die Freiheit sich gemeinsam erkämpfende Empfehlungspunkte.


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