Among The Sleep (Game-Review)

Zwei Jahre alt. Mama hat einen Kuchen gebacken, spielt gerade das „Mund auf – hier kommt das Flugzeug“-Spiel mit uns, als es an der Tür läutet und es nicht schwer zu erkennen ist, dass Mama damit keine Freude hat. Es klingt nach Streit. Es klingt nicht gut. Dann kommt Mama retour und stellt ein Paket vor uns hin. Ein Geschenk. Ein Teddybär – und er kann sprechen!

Kurze Zeit später wachen wir allein im Kinderzimmer auf. Das Gitterbett ist umgekippt und Teddy ist weg. Der Teddy, der uns vorhin noch versprochen hat, wenn wir Angst haben können wir ihn drücken und er leuchtet uns den Weg. Allein machen wir uns also ängstlich auf den Weg, um Mama zu finden, denn etwas sehr Ungeheuerliches geht hier vor sich …

Ich muss den norwegischen EntwicklerInnen von Krillbite gleich mal ein dickes, fettes Lob aussprechen, denn die Atmosphäre von „Among The Sleep“ ist in den ersten Stunden nach dem Verschwinden der Mutter einfach nur großartig. So düster und spannend kann eine eigentlich simple und langweilige Wohnung sein.

Das Design der Licht- und Schattenspiele. Die Einrichtungsgegenstände, die kombiniert mit anderen Gegenständen von der Ferne wie Gestalten aussehen, die nach uns greifen. Das Bild, welches sich ergibt, wenn man um eine Ecke spaziert, nur um zusammenzuzucken, weil das Monster uns angreift und – …oh, das war nur ein Hutständer an dem ein Regenschirm hing.

Der Streifzug durch die Wohnung auf dem Weg zu Mamas Schlafzimmer ist einfach wirklich, wirlich grandios und das Leveldesign ist ein Wahnsinn. Obwohl (mehr oder weniger) nichts passiert ist man die ganze Zeit über angespannt und stößt alle paar Meter auf ein (vermeintliches) Monster oder etwas anderes Bedrohliches. Und das alles von knapp über Bodenhöhe aus betrachtet, denn immerhin ist man ja ein zwei Jahre altes Kind. Da kommt einem schon mal alles ein wenig mysteriös vor.

Dass sich viele der Rätsel dann darum drehen, wie man eine Tür öffnet – immerhin ist die Klinke verdammt weit oben – sei dem Studio verziehen, zumal sich ein paar andere, wirklich nette Ideen im Spiel verstecken. Allen voran die Tatsache, dass man – wenn man Angst hat (oder es zu dunkel ist) einfach Teddy an sich drückt und dieser einen kleinen Lichtschimmer abgibt, der einem die Angst nimmt, weil man ja jetzt etwas sieht, ist verdammt niedlich. Großartig! Auch wenn die Grafik an sich eher zweckdienlich als detailliert oder gar wunderschön ausgefallen ist.

Leider kommt man relativ früh in eine mehr oder weniger Fantasywelt, die zwar klare Verbindungen zur realen Welt hat, aber dennoch die Genialität zur Wohnung ein wenig vermissen lässt. Das Monster, welches dann dort umherstreift ist zwar gruselig, aber auch leicht zu umgehen.

Die Auflösung der Geschichte ist dann vermutlich nicht jedermann/fraus Sache und wenn man ein wenig mitdenkt, dann hat man auch rasch begriffen was da passiert noch bevor man es am Ende gezeigt bekommt, aber dennoch hat es mich berührt. Zumal – ich kann es nicht oft genug betonen – man ein zweijähriges Kind spielt, welches mit seinem Teddy in der Hand allein und verängstigt durch die Wohnung zieht um seine Mama zu suchen. Die Idee allein ist schon so genial, dass man das – zugegeben, extrem einfache und kurze – Spiel fast schon spielen muss.

„Among The Sleep“ bekommt von mir 6 Punkte, in der „Fantasywelt“ leider im Design stark nachlassende, Punkte. Wem die kurze Spielzeit von (maximal!) drei Stunden nicht stört, kann getrost eineinhalb Punkte draufschlagen.


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