Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings (Filmkritik)

Shaun (Simu Liu) und Katy (Awkwafina) sind beste Freunde, die in einem Hotel arbeiten und dort Autos einparken. Sie haben keine echten Ziele im Leben, außer einfach eine gute Zeit zu verbringen. Als sie eines Tages wie so oft in einen Bus einsteigen, wird Shaun von mehreren Männern angegriffen. Er erweist sich jedoch zur großen Überraschung von Katy als großartiger Kämpfer, der sich mehr als gekonnt zur Wehr setzen kann.

Shaun beichtet ihr daraufhin, dass er in Wirklichkeit den Namen Shang Chi trägt und die Männer von seinem Vater Xu Wenwu (Tony Chiu-Wai Leung) geschickt wurden, vor dem er als Teenager geflüchtet ist. Da einer der Männer sein Amulett gestohlen hat und seine Schwester das zweite trägt, machen sich Shang und Katy auf die Reise, um sie zu warnen. Was sie dabei zu sehen bekommen, wird ihre Leben für immer verändern…

Shang Chi ist nach Black Widow und vor The Eternals, der zweite Film der Phase 4 von Marvels MCU. Regie führte Destin Daniel Cretton, der auch bei der bereits angekündigten Fortsetzung die Zügel in der Hand hat und bei dem für 2025 angekündigten „Avengers: The Kang Dynasty“ ebenfalls am Regiestuhl sitzen wird. Marvel dürfte also mit seiner Arbeit sehr zufrieden gewesen sein. Ich selbst dosiere meinen Comicfilm-Genuss mittlerweile, damit sich kein Sättigungsgefühl einstellt. Deshalb habe ich Shang Chi auch erst jetzt, ein Jahr nach dem Kinostart nachgeholt.

Das hat für mich großartig funktioniert, denn ich hatte hier wirklich großen Spaß. Vergleichen kann (oder muss) man den Film klar mit Black Panther. Zahlreiche dunkelhäutige Menschen vor und hinter der Kamera und ein verstecktes Land namens Wakanda als riesigen Schauwert. In Shang Chi agieren zahlreiche asiatische Menschen vor und hinter der Kamera und mit einer versteckten Dimension namens Ta Lo, ist das Finale optisch überbordend gestaltet.

Natürlich ist das großteils sicherlich nur ein Versuch, andere Länder (noch) mehr für das MCU zu begeistern, als positiver Nebeneffekt kann man auf jeden Fall festhalten, dass sich die Sache zumindest innerhalb des Genres, frisch anfühlt. Aber noch mal zurück zum Anfang des Filmes. Nach dem Einstieg wirkt die Story angenehm „down to earth“, mit Shang und Katy sind zwei Personen die Hauptfiguren, die ein fast schon fades Leben führen und zur willkommenen Abwechslung beste Freunde sind, kein Liebespaar.

Natürlich bleibt es nicht lange ruhig und wir bekommen dann zwei Martial Arts Kämpfe präsentiert, die man klar als Highlights deklarieren kann. Die Szene im Bus ist von der Choreographie her unheimlich geschmeidig und dynamisch gefilmt und auch der Kampf auf dem Baugerüst eines Hochhauses, gehört zum Besten, was man im MCU bisher gesehen hat. Zum Finale hin – wegen der Ringe und besonders weil der Schauplatz Ta Lo voll mit mystischen Tieren ist – werden die Kämpfe dann zunehmend fantastischer.

Dass wird ja Marvel auch gerne vorgeworfen, sie können zwar temporär auch anders, aber am Schluß endet immer alles in einem CGI-Effektgewitter. Ist das hier der Fall? Oh ja und wie. Fand ich das passend? Oh ja und wie! Als wäre ein Manga oder Computerspiel zum Leben erweckt worden, tummeln sich hier mystische Wesen und ich hab mich dabei stellenweise wie ein Kind gefühlt, dass in eine kreative, faszinierende Welt eintauchen kann. Ich finde auch dass es nie zu viel wird, da die Hauptfiguren einfach immer vom Charakter her am Boden bleiben.

Der typische Marvel-Humor ist vorhanden, wird aber nie überstrapaziert. Vor allem Gastauftritte von Wong (aus Dr.Strange) haben mich zum Schmunzeln gebracht und die lustigsten Momente hat klar Ben Kingsley (Nomis) auf seiner Seite, der hier seine Rolle des Trevor aus Iron Man 3 wiederholt und dabei wörtlich um sein Leben spielt. Simu Liu (Barbie) kannte ich bisher nicht, doch nach seinem Auftritt hier als Shang, merkt man sich ihn sicherlich, vor allem wegen seinem unverbrauchten Charme und seiner Ausstrahlung an sich.

Tony Chiu-Wai Leung (Hero) als sein Vater ist vor allem deswegen so gut als sein Gegenspieler, weil er zwar furchtbare Dinge tut, in Wirklichkeit aber kein Bösewicht ist. Er hatte eine Lösung aus seiner Spirale der Gewalt gefunden, doch diese dann verloren und ist deshalb zu seinen alten Wegen zurück gekehrt. Awkwafina (Ocean’s 8) schließlich als Katy, bringt einiges an Humor ins Spiel, man lernt sie einfach zu lieben, vor allem für ihre unverwechselbare Art in zahlreichen Momenten und weil sie immer dafür sorgt, dass Shang nie wie ein Superheld wirkt, sondern immer ein Mensch bleibt.

Von den Schauspielern her, über die Kampfszenen (egal ob realistisch oder fantastisch), die Effekte, die Fantasiewelt der anderen Dimension, die Cameos, den Humor und das Familiendrama hinter der Geschichte, ich wurde hier bestens unterhalten. Von allen Beteiligten würde ich in Zukunft gerne mehr sehen, was ja auch der Fall sein wird. Um den Vergleich vom Anfang noch einmal zu bringen: ich wurde hier noch besser abgeholt, als es bei Black Panther der Fall war.

„Shang Chi“ bekommt von mir 8/10 neue Dinge erlebende und gleichzeitig mit alten abschließen könnende Empfehlungspunkte.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.