Open 24 Hours (Filmkritik)

Als Mary (Vanessa Grasse) ihren Freund James (Cole Vigue) als Serienkiller entlarvt, fängt damit ihr persönliches Martyrium an. Er zwingt sie nämlich, ihn bei seinen Morden zu beobachten. Eines Tages ist das Alles jedoch zu viel für sie und sie zündet mit einer Verzweiflungstat, das Haus und ihren darin schlafenden Freund an. Er überlebt und landet im Gefängnis, doch auch Mary muss ihre Zeit absitzen.

Kaum entlassen findet sie dank ihres Bewährungshelfers auch schon einen Job in einer Tankstelle, die 24 Stunden geöffnet hat und für sie gleich am ersten Tag, die Nachtschicht bereit hält. Ihr wahres Problem ist jedoch ihre Paranoia, die sie auf Grund der traumatischen Ereignisse entwickelt hat und die Tatsache dass sie Halluzinationen hat und oft nicht unterscheiden kann, was harmlos ist und von was eine echte Gefahr ausgeht.

Bei diesem bereits im Jahr 2018 gedrehten und nun zwei Jahre später endlich veröffentlichten Horror-Thriller, ist Padraig Reynolds (Rites of Spring) für die Regie und das Drehbuch verantwortlich. Über weite Strecken spielt die Handlung dabei nur in einem Gebäude und die meiste Zeit ist der Fokus klar auf einer Person. Diese Konstellation funktioniert so ja nicht immer, doch ist diesem Fall, ist die Sache sehr gelungen.

Was klar auch daran liegt, dass Mary gar nicht so alleine ist, wie man glauben könnte. Dazu muss ich noch schnell loswerden, dass dies keineswegs ein psychologischer Thriller sein will, denn das Gezeigte ist alles andere als subtil. Damit meine ich konkret die Halluzinationen, die Mary immer wieder heimsuchen. Dabei entstehen auf der einen Seite spannende Situationen, die ihr Angst machen, auch wenn das was sie sieht, so jetzt nicht echt sein kann.

Also wenn ihr Ex-Freund brennend auf der Straße auf sie zu geht oder die Toilette mit Blut übergeht, dann weiß man als Zuschauer schon, dass das nur in ihrem Kopf ist, was die Szenen jedoch nicht weniger stark macht (nicht subtil eben, aber es wirkt). Auf der anderen Seite gibt es dann die Momente, wo man sich genau wie Mary nicht sicher ist, ob die jeweilige Person nun wirklich im Raum ist, oder Mary sie sich nur einbildet.

Zusätzlich bekommt man dann auch noch Dinge zu sehen, wo man dann vor Mary schon weiß, was gespielt wird und leidet richtig mit bzw. will sie warnen, da sie eine echte Person dann wie eine Erscheinung behandelt. Das hat schon einen Gimmick-Charakter und soll vor allem zum Spannungsaufbau dienen und den Unterhaltungswert steigern, doch das stört mich hier in keiner Weise. Zumal das ja genau den Unterschied macht zu ähnlich gelagerten Produktionen.

Wenn dann Jemand „echt“ sein Leben verliert, dann ist das doch einigermaßen beinhart und ohne Spielereien inszeniert. Also die Kamera wechselt auch Perspektiven und man sieht nicht durchgehend das Opfer, aber ihre Wirkung verfehlen diese Szenen nicht. Der Killer hier empfindet keine Reue, hat wahrscheinlich nicht mal Freude an dem was er tut, er gibt einfach seinem Drang nach und hat seine „Liebe“ für Mary, mit all seinen Taten in seiner Welt unzertrennlich verbunden.

Vanessa Grasse (Leatherface) macht ihre Sache spitze als Mary, von ihrem Gesicht kann man den ständigen Schrecken und die Verwirrung in jedem Augenblick ablesen und wenn sie nicht gerade terrorisiert wird, dann ist ihre Zurückhaltung einfach liebenswert. Brendan Fletcher (Nomis) als Bobby hat nicht viel zu tun, ist aber immer sympathisch und ein starker Sidekick. Cole Vigue (Death Note) als James schließlich hat dieses kalte, mit einem leichten Grinsen versehene Gesicht eines Soziopathen, das einem schon nur beim Ansehen ein unangenehmes Gefühl verpasst.

In Summe also ein gut gespielter, zügig inszenierter und nicht gerade zimperlicher Genre-Beitrag, der auf Humor größtenteils verzichtet und seine Spannungskurve durchgehend halten kann. Neu ist daran freilich nichts und nicht alle Möglichkeiten werden voll ausgenutzt, aber dennoch ist das schon ein kleiner, gemeiner Thriller geworden. Einzig die letzte Szene im Friseur-Salon ist für mich völlig unnötig, aber die dauert nur eine Minute oder so, also kann ich darüber hinweg sehen.

„Open 24 Hours“ bekommt von mir 7/10 wirklich Niemanden das Arbeiten in der Nacht schmackhaft machende Empfehlungspunkte.


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